Perfekt ausbalanciert – Henning Sieverts „Symmethree“ spielte beim BMW Welt Jazz Award


(nmz) -
Von allen Tiefton-Spezialisten, die im laufenden Wettbewerb des BMW Welt Jazz Awards antreten, hatte er die kürzeste Anfahrt: der Bassist, Cellist, Komponist und Rundfunkmoderator Henning Sieverts lebt in München. Seine Musik aber ist ständig auf weiter Reise: durch Epochen, Stile, Tempo-Zonen, Provenienzen, Systeme, Prinzipien.
13.02.2017 - Von Ssirus W. Pakzad

Sieverts, der vor etwas weniger als 51 Jahren in Berlin geboren wurde und dort auch seine musikalische Ausbildung durchlief, siedelte 1985 in die bayerische Landeshauptstadt über. Dort hängte er auch noch ein Journalistik-Studium an, das ihm die besten Voraussetzungen für seine Tätigkeit als Radio-Moderator bot.

Seit er in der weißblauen Metropole weilt, hat er die Musikszene mit seiner Rastlosigkeit, seiner Kreativität und seinen nie versiegenden Ideen angesteckt. Viele seiner Konzepte entwickelte er aus Interessensgebieten, die eigentlich abseits der Musik liegen und nun aber doch in die seine einfließen, sie sogar prägen. So beschäftigt sich Henning Sieverts etwa mit Malerei und mit Scrabbeln. Und das Trio, das nun im Doppelkegel beim BMW Welt Jazz Award in den Wettbewerb eingriff, spielt mit den Möglichkeiten der Symmetrie.

Symmetrie ist elementar – in der Kunst wie in vielen anderen Gebieten und selbst bei der Partnerwahl. Der pfiffige Tüftler Henning Sieverts lässt Symmetrie etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, in spiegelverkehrte Melodien einfließen. Endlos sind seine Überlegungen zum Thema. Was oft als Gedankenspiel begann, klingt im Endergebnis nie verkopft, zu gewollt oder gekünstelt, sondern bringt neue, oft verblüffende Ansätze, homogene Kompositionen hervor, in denen es kreuz und quer durch die Musikgeschichte geht und in denen viele Gestaltungsmittel zum Einsatz kommen.

Mit dem in Zürich lebenden Posaunisten Nils Wogram und dem Wahl-Berliner Ronny Graupe an der Gitarre hat sich Sieverts zwei der besten deutschen Instrumentalisten in sein kammermusikalisch gefärbtes Trio „Symmethree“ geholt und gleich auch seinen Sinn für Kontraste bewiesen. Während der eine oft süffig-fließende Linien spielt, mag es der andere sperriger, verkanteter. Zu dritt kleben sie zwar an den Noten der komplex gebauten Kompositionen – und doch tönt es im Doppelkegel nie, als würden sie angestrengt vom Blatt spielen.

Sieverts, Wogram und Graupe verstehen sich auf Gegensätze, die sich magisch anziehen, schaffen eine Balance aus Lyrischem und Abstraktem, missachten die Trennlinien zwischen Komposition und Improvisation.

Da der BMW Welt Jazz Award 2017 unter dem Motto „Bass Erstaunt“ steht, ein paar Bemerkungen zu Henning Sieverts Künsten am Instrument: die lassen nichts zu wünschen übrig. Mit wendigen Linien, sattem Ton und bis in die höchsten Lagen intonationssicheren Spiel konnte der Münchner punkten.

Ihm folgt allerdings harte Konkurrenz im Wettstreit um Siegerpokal und Preisgeld. Am 19. Februar führt einer der herausragenden Bassisten unserer Tage sein Programm „Revoir Paris“ in der BMW Welt auf: Renaud Garcia-Fons.

 

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