Siegfried Mauser auch in zweiter Instanz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt


(nmz) -
Der ehemalige Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, Siegfried Mauser ist auch in zweiter Instanz wegen Sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Berufungsgericht des Landgerichts I München milderte die Strafe aus der ersten Instanz von 1 Jahr und 3 Monaten auf 9 Monate allerdings ab. In einem zweiten Fall ist Mauser wie auch in der ersten Instanz freigesprochen worden.
27.04.2017 - Von Martin Hufner

Richter Koppenleitner vom Landgericht I München soll dabei nach Angaben des Bayerischen Rundfunks gesagt haben: „Wir können eine vorsätzliche bewusste Falschbeschuldigung ausschließen.“ [Quelle] Vor einem Jahr haben genau dies zahlreiche Persönlichkeiten des Münchner Kulturlebens nämlich mehr oder weniger direkt in Leserbriefen an die Redaktion der Süddeutschen Zeitung behauptet. So titulierte Hans Magnus Enzensberger Betroffene als „Tückische Tellerminen“. Der damalige Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Michael Krüger nannte das erstinstanzliche Urteil eine „Blamage für die Justiz“ und begründete es so „Siegfried Mauser ist sich keiner Schuld bewusst, es steht also Aussage gegen Aussage.“ [SZOnlineausgabe]

Nach Angaben in den Medienberichten hat sich an Letzterem offenbar nichts geändert. In der tz wird sein Verhalten wie folgt dokumentiert: „Mauser bestritt die Taten bis zuletzt – entschuldigte sich aber, falls sein ‚libertärer Umgang‘ missverstanden wurde. Laut Urteil ist der berufene Musiker nun ein Sexualstraftäter.“ [Quelle: tz – Online-Ausgabe]

Unterdessen sind laut Bayerischem Rundfunk weitere Anzeigen gegen Siegfried Mauser eingegangen: „Inzwischen erhob die Staatsanwaltschaft gegen Mauser eine zweite Anklage, wieder wegen sexueller Übergriffe gegen zwei Frauen – diesmal geht es auch um den Tatbestand der Vergewaltigung.“ Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung vom 19.4.2017 soll Mauser auf Anraten seines Rechtsanwalts Betz „beide Frauen wegen Verleumdung und übler Nachrede angezeigt habe. Man müsse dagegenhalten, damit die Sache endlich ein Ende nehme.“ [SZOnline-Ausgabe vom 19.4.2017] Sollten sich jedoch die Vorwürfe gegen Mauser als richtig erweisen, drohen ihm vier oder mehr Jahre Haftstrafe.

Mausers Parallelwelt

Mauser habe die Frau in zwei Fällen mit Gewalt, noch einmal mit Gewalt, zu sexuellen Handlungen gedrängt, wie der Richter Koppenleitner am Mittwoch am Landgericht München I in seiner Urteilsbegründung feststellte.
Statt einer Empörung der Anständigen, die ich in der Redaktion der NMZ erwartet hätte, lässt man den (laut tz) verurteilten Sexualstraftäter mit dem Zitat des missverstandenen “libertären” Umgangs nochmals zu Worte kommen.
Schlägt man im Duden nach wird die Bedeutung “libertär” mit “extrem freiheitlich” beschrieben. Wie soll man das verstehen: Der missverstandenen “extrem freiheitliche” Umgang zur sexuellen Gewalt?


Sehr geehrter

Sehr geehrter Herr Hofmann,

ich kann Ihren Missmut sehr wohl verstehen. Wir haben einstweilen darauf verzichtet, die Sache zu kommentieren, dazu würden wir gerne das Urteil im Wortlaut lesen. Das konnten wir nicht.

Ganz auf Ihrer Seite sind wir, was Mausers wiederholte Nutzung des Begriffs des Libertären angeht. Das finden wir überhaupt nicht nachvollziehbar und eine unakzeptable Beugung des Inhalts des Begriffs. Solcherlei Verharmlosung hat sich damals auch in den Leserbriefen gefunden. So bei Udo Schmidt-Steingraeber:

„Den Richtern war es anscheinend verwehrt, ein fremdes Leben in einem ihnen selbst fernen und fremden Kontext angemessen zu werten, ein künstlerisches Umfeld zu würdigen und einen libertär geprägten Lebensentwurf, der allenfalls an den Grenzen des Erlaubten kratzt, aber das Gegenteil von kriminalisierungswürdig bleibt.“  (Quelle SZ)

Das ist so wenig wie die Vorstellung Mausers selbst akzeptabel. Es ist gut, dass Sie das noch einmal thematisiert haben.

Martin Hufner


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