Unübersehbar #43 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 12.3. bis zum 18.3.2021


(nmz) -
„I Do Not Want What I Haven’t Got“: Gutes Motto. Passt immer. Gerade besonders. Unter anderem mit einer kaleidoskopisch betrachteten Sinéad O’Connor, der wunderbaren Joana Mallwitz und Algorithmen aus Basel geht’s in die neue Streamwoche. Und dann ist da natürlich noch der große Astor. Nothing Compares 2U. [jmk]


12. März


WDR Funkhausorchester: ¡Felicidades Piazzolla!
Freitag, 12.3.2021, 20.04 Uhr
Live-Videostream auf der WDR Homepage und auf WDR 3 (Radio)

Tango ist nicht nur ein Tanz, sondern eine ganze Lebenseinstellung, schreibt die Pressestelle des WDR und erklärt den argentinischen Komponisten Astor Piazzolla zum „König des Tangos“. Das WDR Funkhausorchester feiert seinen 100. Geburtstag und gratuliert mit neuen Arrangements seiner schönsten Kompositionen gleich hybrid: Im Livestream und im Radio, was ja schon seit jeher und sogar ursprünglich immer im Livestream war. Grund genug, sich darauf etwas vorzubereiten. Zu Piazzollas 25. Todestag vor vier Jahren hat unser Chefredakteur Juan Martin Koch ein umfangreiches Feature zu dieser Künstlerpersönlichkeit verfasst, das Sie hier nachlesen, oder noch besser zuvorlesen sollten – daher eine fette Lektüreempfehlung meinerseits: „Der mit dem traurigen Gedanken tanzt“. An dieser Stelle finden sie auch weitergehende Links und eine Video- und eine Spotify-Playlist mit zahlreichen musikalischen Überraschungen. [Martin Hufner]


13. und 14. März


Radialsystem: Solistenensemble Kaleidoskop – Preview: Sinéad & James
Samstag, 13.3.2021, 20:00 Uhr, Sonntag, 14.3.2021, 16:00 Uhr
Live-Videostream via www.radialsystem.de und YouTube

Das Solistenensemble Kaleidoskop macht seit 2006 regelmäßig mit genreübergreifenden Projekten und Performances auf sich aufmerksam und hat schon öfter die Sphären von Pop und „Neuer Musik“ ineinandergeblendet, z.B. in der Konzertreihe „Back to Suture“. Unter dem Motto des filmtheoretischen Begriffs der „Suture“ (Naht), dem ‚Zusammennähen‘ von vermeintlich unpassenden Materialien, werden Werke aus völlig verschiedenen ästhetischen Kontexten miteinander in Beziehung gesetzt. Das aktuelle Konzertprojekt heißt „Sinéad & James“: Material aus Sinéad O’Connors Album „I Do Not Want What I Haven’t Got“ und James Dillons „Introitus“ für 12 Streicher, 8 Lautsprecher und Elektronik wird dort in einen Dialog gebracht, der nicht allein auf klanglichem Wege stattfindet. Gemeinsam mit den Künstlern Ariel Efraim Ashbel und Juan Corres Benito werden beide 1990 entstandene Musiken auch räumlich inszeniert. Was da wie zusammengeht, lässt sich am 13. und 14. März per Livestream-Einblick in die Probenarbeiten begutachten, moderiert von Thomas Mahmoud. Die Frage des Umgangs mit O’Connors Gesang (Kaleidoskop ist ja im Grunde ein Streichorchester) dürfte besonders interessant sein, nicht nur im legendären „Nothing Compares 2U“…
[Dirk Wieschollek]


14. März


Basel Sinfonietta: „In Algorithmischen Wellen“ – 4 . Abo-Konzert
Sonntag, 14.3.2021, 19:00 Uhr
Live-Videostream via YouTube,Infos auf der Orchesterwebseite

Unter Leitung der taiwanesischen Dirigentin Lin Liao präsentiert die auf zeitgenössische Musik spezialisierte Basel Sinfonietta Werke von Iannis Xenakis, Rebecca Saunders, Magnus Lindberg und eine Uraufführung von Jesper Nordin (UA). Moritz Weber von Radio SRF 2 Kultur moderiert das 4. Abokonzert im Stadtcasino Basel. Iannis Xenakis' „ST/48-1.240162“ ist das frühe Beispiel einer stochastischen, computergenerierten Komposition (Schweizer Erstaufführung). „Traces“ von Rebecca Saunders ist ein Spiel mit der Stille, die von der Komponistin mit Tönen umkreist, manchmal aber auch rau und laut zunichte gemacht wird. Das Auftragswerk „Wave“ des schwedischen Komponisten Jesper Nordin setzt sich mit den Möglichkeiten neuer Technologien in der Musik auseinander. Dabei kommt eine vom Komponisten entwickelte App zum Einsatz, mit deren Hilfe die musikalische Leitung über Bewegungssensoren das Orchester in Echtzeit aufnehmen, sampeln und wiedergeben kann – und ihre Gesten zu Noten werden lässt. Der Finne Magnus Lindberg will Klang in seine physikalischen Einzelheiten zerlegen. Dabei untersuchte er auch die Eigenschaften von elektronisch generierter Musik und komponierte mit synthetischen Sinustönen. „Marea“ ist von der monotonen Wiederholung der Gezeiten des Meeres inspiriert (Schweizer Erstaufführung).
[Roland H. Dippel]

Ensemble Modern: British Composers
Sonntag, 14.3.2021, 20:00 Uhr, Wiederholungen am 17. und 21.3., jeweils um 20:00 Uhr
Live-Videostream auf der Ensemblewebseite, Tickets (solidarisches Preissystem) via reservix; auch ein späteres Abrufen der Streams ist bis zu 48 Stunden nach dem ursprünglichen Beginn der Veranstaltung möglich.

„Very british“ geht es in diesem Konzert des Ensemble Modern zur Sache. Für den ursprünglich vorgesehenen Dirigenten George Benjamin leitet Jonathan Stockhammer das Programm, in dem Benjamin aber dennoch präsent ist: als Komponist. Die Werkfolge reicht von einem Rückblick in die jüngere Geschichte der Neuen Musik in England bis in die Gegenwart:
Harrison Birtwistle: Carmen Arcadiae Mechanicae Perpetuum (1977/78)
Helen Grime: Piano Concerto for piano and ensemble (2016–17)
Laurence Osborn: Automaton für Cembalo und Ensemble (2019)
Oliver Knussen: Songs without Voices op. 26 (1991-92)
George Benjamin: Three Inventions for Chamber Orchestra (1993-95)
[Juan Martin Koch]


Bis 19. März


„La Monnaie“ Brüssel: Rossini – „Elisabetta“ / Donizetti – „La Favorita“
Donnerstag, 11.3.2021, 19:30 Uhr (Rossini) und Freitag, 12.3.2021, 19:30 Uhr (Donizetti)
Live-Videostreams auf der Theaterwebseite, danach bis 18. bzw. 19. März verfügbar

Das Opernhaus „La Monnaie“ in Brüssel hat eine richtige Königsloge. Manchmal mit „echtem" König und „echter“ Königin darin als Zuschauer. In seinen Lockdown-Angeboten bietet das erste Opernhaus des Königreichs jetzt ein sozusagen rein royales Programm. Anstelle des pandemiebedingt verschobenen, ehrgeizigen Donizetti-Projektes über das Leben von Elisabeth I. („Da Bastarda“) bietet Belgiens erstes Opernhaus aktuell ein livestreamkompatibles Projekt an. An zwei Abenden gibt es Höhepunkte aus den Opern „Elisabetta, Regina d’Inghilterra" von Gioachino Rossini und „La Favorita“ von Gaetano Donizetti. Was natürlich eine Steilvorlage für Freunde des Belcanto ist.
Rossinis „Elisabetta“ war 1815 dessen erste Oper für das Teatro San Carlo in Neapel. In der Oper erfährt die Königin, dass ihr Schützling Leicester heimlich geheiratet hat, was der Beginn einer Folge von Szenen des Verrates und des Verzeihen ist. Das La Monnaie Symphony Orchestra spielt unter Leitung von Francesco Lanzillotta, den Chor hat Jordi Blanch Tordera einstudiert. Als Elisabetta sind Salome Jicia, als Leicester Sergey Romanovsky, als Matilde Lenneke Ruiten, als Norfolk Enea Scala und als Enrico Valentina Mastrangelo auf der Bühne und damit vor der Kamera.
Eine erste, außerhalb Italiens besser bekannte französischen Fassung von „La Favorita“ hat Gaetano Donizetti 1840 für die Pariser Oper komponiert. Von ein paar Details abgesehen, geht es im Grunde um die gleiche Geschichte. Vor dem Hintergrund der Machtkämpfe zwischen Kirche und Staat versucht Alfons XI. von Kastilien, seine rechtmäßige Frau zugunsten von Leonora, seiner Geliebten und „Favoritin“, loszuwerden. Dem Protagonistenensemble mit Vittorio Prato (Alfonso), Raffaella Lupinacci (Leonora), Luca Tittoto (Baldassare), Enea Scala (Fernando), Valentina Mastrangelo (Ines) und Gavan Ring (Don Gasparo) liefern wiederum Francesco Lanzillotta und die Musiker des LaMonnaie Orchesters das musikalische Fundament. Gesungen wird in beiden Fällen natürlich in Originalsprache. Die Übertitel sind wie immer in Brüssel in Holländisch und Französisch.
Der Rossini-Teil des Projektes wird am 11.03. im Live-Stream übertragen und ist unter www.lamonnaie.be bis 18.03.2021 (zum Preis von 10 €) abrufbar. Der Donizetti-Teil folgt am 12.03.2021 und ist bis 19.03.2021 abrufbar. Am 24. April 2021 werden beide Teile außerdem auf Klara und Musiq3 übertragen.
[Joachim Lange]


Bis 6. April


Konzerthausorchester Berlin – Joana Mallwitz: Mozart und Tschaikowsky
Video on demand via ARTE, verfügbar bis 6. April.

Wenn Komponist*innen sehr kurz nach der Fertigstellung oder Uraufführung eines ihrer Werke sterben, kommt diesem immer eine besondere Bedeutung zu, so auch der 6. Sinfonie von Peter Tschaikowsky. Neun Tag nach ihrer Uraufführung starb der Komponist. Er widmete diese Sinfonie seinem Neffen und schrieb, dass ihr „Programm aber für alle ein Rätsel bleiben soll“. Eingespielt vom Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Joana Mallwitz steht die Aufnahme noch bis Anfang April online. Mit 27 Jahren jüngste Generalmusikdirektorin Europas, Dirigentin des Jahres 2019 (Opernwelt), Engagement bei den Salzburger Festspielen: Das sind nur die beeindruckendsten Stichpunkte aus Mallwitz‘ Lebenslauf . Deshalb wird an dieser Stelle zu Recht bereits das zweite Mal auf sie verwiesen.
[Juana Zimmermann]

Mit freundlicher Unterstützung der

ernst von siemens musikstiftung

 

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