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Unermüdlicher Musikverbreiter: Uwe Dierksen. Foto: Andreas Etter

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Nur Posaune war ihm zu wenig

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Zum Tod des Posaunisten und Komponisten Uwe Dierksen
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Einen Notentext interpretieren bedeutet nicht nur, eine korrekte Abfolge von Handlungen ausführen. Die meis­ten Komponisten erwarten, wenn sie ihr Werk in die Hände eines Interpreten geben, gerade nicht das exakte Exerzieren der Partitur. Echtes Können ist mehr. Und da sind wir bei der gro­ßen Kunst des Posaunisten Uwe Dierksen, der Noten nicht nur technisch adäquat in musikalische Parameter „übersetzte“, sondern sie auch zu seinem persönlichen künstlerischen Statement machen konnte. 

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Er gehörte zu den sogenannten „Complete Musicians“, die nicht nur Klassik, nicht nur neue Musik, nicht nur Rock, Pop, Jazz oder Theatermusik können. Dierksens Virtuosität bestand darin, die Musik selbst „zu können“, das zu suchen und zu finden, was der Komponist intendiert hat und es so zu sagen, dass es sein Eigenes wird. Kein Wunder, dass zahlreiche Kompositionen explizit für ihn und seine posaunistische Kompetenz geschrieben wurden. Uwe Dierksen studierte Posaune in Hannover, Hamburg und London, sowie Medizin in Hannover und Dirigieren am Mozarteum in Salzburg. Als Solist spielte Uwe Dierksen mit zahlreichen Orchestern von Renommee. Seine Wahlheimat hatte Dierksen bereits im Alter von 24 Jahren im ältesten deutschen Ensemble für neue Musik gefunden, dem Ensemble Modern, dem er seit 1983 als Posaunist und Gesellschafter angehörte. „Nur Posaune wäre mir zu wenig“, wird er in einem Nachruf von Eva-Maria Magel in der Rhein-Main-Zeitung zitiert. Besser kann man Dierksen nicht charakterisieren.

Daran, dass die Posaune vielen Komponisten heute als „die neue Geige gilt“, hat Uwe Dierksen mit seinem Engagement für das Soloinstrument maßgeblichen Anteil. Dokumentiert ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit in über 20 CDs, davon etwa ein Drittel als Solist. Bei Ensemble Modern Medien erschien 2011 seine Doppel-Porträt-CD „ROOR“.

Die Posaune war dem Ausnahme-Posaunisten tatsächlich zu wenig: Auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war ihm ein Herzensanliegen. Als Komponist wurde Dierksen vom Medium Film angezogen. Er schuf Stummfilm-Kompositionen, Aufträge für die Murnau-Stiftung, für Festivals und Fernsehen. Erst jüngst feierte das Kino-Varieté „Flucht ins Glück“ mit Dierksens Musik Premiere an der Volksbühne im Großen Hirschgraben in Frankfurt. Die Produktion ist noch am 15. März und 28. März 2026 zu erleben.

Am 10. Februar ist Uwe Dierksen nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren verstorben.

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