Am Sonntag ist der Dirigent, Musikwissenschaftler und Autor kurz vor seinem 92. Geburtstag verstorben. Peter Gülke ahnte, was ihm bevorstand. Im Januar erst hat er sein letztes Buchmanuskript dem Verlag übergeben und in diesem soeben bei Bärenreiter / Metzler erschienenen Band „Menschen - Zeiten - Musik“ von den Gebrechen des Alters berichtet. Vor wenigen Tagen noch ließ er sich auf eine Verabredung ein, mahnte aber zur Eile. Die körperlichen Leiden raubten ihm Kraft und Geduld. Den am 29. April bevorstehenden 92. Geburtstag hätte er wohl gern noch erlebt, drei Tage zuvor ist er in Weimar verstorben.
Peter Gülke diskutiert nach der Sendung +++ contrapunkt +++ westöstliche dialoge in Leipzig 2002. Foto: Hufner
Weimarer Klassik: Mit Peter Gülke ist ein wahrer Geistesmensch gegangen
In der Klassikerstadt kam er 1934 zur Welt, ist im Endstadium einer unmenschlichen Diktatur aufgewachsen, erlebte den Aufbau eines neuen Landes, in dem er eine profunde Ausbildung genoss, geschult am Cello, in Sprachen, Geistes- und Musikwissenschaften. Anschließend wirkte er als Repetitor, Dramaturg und Dirigent, bewährte sich an Stationen wie den Theatern in Rudolstadt, Stendal, Potsdam und Stralsund, bevor er 1976 als Kapellmeister an der Dresdner Staatsoper antreten konnte und zudem auch das Orchester der dortigen Musikhochschule übernahm.
Sein Weimar ließ ihn nicht los, was wohl auch mit seinem Ururgroßvater Christian August Vulpius zu tun haben mochte, dem Schwager Johann Wolfgang von Goethes. Belesenheit und großartiges Ausdrucksvermögen insbesondere als Musikschriftsteller zeichneten Peter Gülke bis ganz zuletzt aus. Nach einer Gastprofessur in Harvard wurde er als Generalmusikdirektor ans Deutsche Nationaltheater Weimar berufen.
Nach politischen Querelen nutzte er ein Gastspiel in Hamburg und blieb in der Bundesrepublik, wo er fortan unter anderem in Wuppertal als GMD gewirkt hat. Erst der Mauerfall 1989 öffnete ihm wieder die Rückkehr in sein geliebtes Weimar, von wo aus Peter Gülke eine umfangreiche Tätigkeit als international gefragter Gastdirigent sowie von 2015 bis 2020 als Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker wahrnehmen konnte. Wie nebenher entstand ein von seinen vielfältigen Interessensgebieten sowie von tiefgründigem Wissen zeugendes schriftstellerisches Werk, obendrein wirkte er als Präsident der Sächsischen Akademie der Künste zu Dresden.
Der Musiker und Autor Peter Gülke war bis zuletzt ein kritisch denkender Zeitzeuge des weltweiten Geschehens, aufgrund jüngster Entwicklungen manchmal auch nah am Verzweifeln.
Eine Rezension seines Buches „Menschen - Zeiten. Musik“ sowie einen ausführlichen Nachruf auf ihn lesen Sie in der Juni-Ausgabe der nmz.
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