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Alle Artikel kategorisiert unter »Musikwissenschaft«

„Die Ruinen von Europa“

20.06.21 (Bojan Budisavljevic) -
Schriftlichkeit und Notation zwecks Überlieferung und Selbstvergewisserung ist eines der Hauptmerkmale europäischer Kultur, mit der Besonderheit, dass die Fähigkeit, dieses Wissen zwecks Menschen-, Geld-, Waren- und sonstigem Verkehr in „Machttechniken“ zu operationalisieren, Europa über Jahrhunderte hinweg eine überragende Machstellung in der Welt sicherte. Seit einiger Zeit nicht mehr, denn das Wissen und die Techniken haben die Alte Welt längst schon verlassen. Heiner Müllers „Hamletmaschine“ hatte bereits 1977 „im Rücken die Ruinen von Europa“, während die Neue Deutsche Welle mit Geier Sturzflug noch 1983 munter sang: „Besuchen Sie Europa, solange es noch steht“.

Regionalgeschichte, interdisziplinär

14.05.21 (Gerhard Dietel) -
Musikgeschichtsschreibung: das kann die Aufgabe bedeuten, mit weitem Blick eine Epochen und Länder überspannende Darstellung vergangenen Musiklebens zu entwerfen. Doch wie wären solche weitgreifenden historischen Zusammenfassungen möglich, wenn ihnen nicht viele Detailarbeiten vorausgingen, Forschungsarbeiten im zeitlich und örtlich begrenzten Bereich, die mit viel Fleiß in Archiven graben und Einzelheiten an den Tag bringen? Ein Projekt letzterer Art liegt mit der im ConBrio Verlag erschienenen Publikation „Protestantische Kirchenmusik in Regensburg 1542–1631“ vor, die als Dissertation ihres Autors Fabian Weber entstanden ist und sich nun als Band 14 in die „Regensburger Studien zur Musikgeschichte“ einreiht.

Buch-Tipps 2021/05

14.05.21 (Michael Wackerbauer) -
„Weil jede Note zählt“. Mozart interpretieren. Gespräche und Essays, hg. v. Stephan Mösch, Bärenreiter/Metzler +++ Von der Fuge in Rot bis zur Zwitschermaschine. Paul Klee und die Musik, hg. v. Thomas Gartmann, Schwabe +++ Jochen Lebelt: Robert Schumann als Redakteur 1834–1844. Eine Studie über Robert Schumanns Tätigkeit als Redakteur der „Neuen Zeitschrift für Musik“, Studio Verlag

Link-Tipps 2021/04

14.04.21 (Martin Hufner) -
Es gibt Tipps und es gibt dringende Empfehlungen. Dringende Empfehlungen sind musiksystemrelevante Links. Tipps sind Geschmackssache. Hier eine Mischung für den April.

Leidenschaftlicher symphonischer Architekt

02.03.21 (Christoph Schlüren) -
Zu einer Zeit, als der kreative Krieg der 1920er-Jahre zwischen Avantgarde und Tradition zu einem Kalten Krieg der Ideologen erstarrt war, taten sich jene Komponisten bei den öffentlichen Meinungsbildnern schwer, die sich nicht klar abgrenzten von überlieferten Werten. Noch in seinem letzten Lebensjahr sagte mir Günter Bialas, nichts sei gefährlicher als „der Beifall von der falschen Seite“. (Interessant ist hier natürlich auch der aktuelle politische Bezug.) Jene Epoche der radikalen Ausgrenzung der vorgeblich Rückständigen aus dem ästhetischen Diskurs wurde in den 1950er-Jahren eingeläutet und ver­lief sich ab den 1990er Jahren in einem nicht enden wollenden Decrescendo – für viele Komponisten, die sich dem seriell-fragmentarischen Zeitgeist nicht beugen wollten, zu spät.

Kulturgeschichtliche Räume öffnen sich

13.02.21 (Burkhard Baltzer) -
Um es gleich anfangs zu sagen: Hätte es die beiden hier beschriebenen Wälzer bereits vor Jahrzehnten gegeben, wäre wohl bis heute ein Numerus-Clausus für das Musikstudium nötig gewesen: Vor schierer Lust, Freude und Neugierde von Studierenden nicht an der Medizin oder am Volkswirtschaftsstudium, sondern an der Musik und den gesellschaftlichen Zusammenhängen, die sie hervorbrachte, beziehungsweise die für ihre Wirkmacht stehen. Denn das ist der große Vorzug der beiden Bände „Musik und Gesellschaft“, die Frieder Reininghaus, Judith Kemp und Alexandra Ziane herausgegeben haben und in denen sie 421 Essays von 107 Autorinnen und Autoren versammeln.

Unesco-Lehrstuhl an Weimarer Musikhochschule vier Jahre verlängert

14.01.21 (dpa) -
Musikwissenschaftler aus Weimar und Jena werden für vier weitere Jahre internationale musikalische Traditionen unter dem Label der Unesco erforschen. Eine entsprechende Vereinbarung sei mit dem Generalsekretariat der internationalen Kulturorganisation getroffen worden, teilte die Hochschule für Musik „Franz Liszt“ am Donnerstag in Weimar mit. Der Unesco-Lehrstuhl für Transkulturelle Musikforschung beschäftigt sich mit Musikstilen aus der ganzen Welt als immaterielles Kulturerbe.

Beethoven im Spiegel der Gegenwart

06.01.21 (Rainer Nonnenmann) -
Will man die epochale Bedeutung Ludwig van Beethovens ermessen, kommt man nicht umhin, Kategorien wie Überbietung, Fortschritt und Revolution zu bemühen. Denn wie kein anderer hat er die von Haydn und Mozart begründeten Gattungen, Formen und Techniken mit ebenso analytischem wie spekulativ-abenteuerlichem Geist durchdrungen, ausgereizt, weiterentwickelt oder gar gesprengt.

„Die Deutschen verstehen uns gar nicht“

29.12.20 (Andreas Wehrmeyer) -
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Berlin zu einem Zen­­t­rum der Auslandsrussen, die vor dem bolschewistischen Regime, dem Bürgerkrieg und wirtschaftlicher Bedrängnis aus ihrer Heimat geflohen waren. „Man trifft hier ganz Moskau“ (Andrej Belyj); „auf Schritt und Tritt hörte man russisch reden. Dutzende von russischen Restaurants öffneten ihre Pforten: mit Balalaikas, mit Zigeunern, mit Gerstenfladen, mit Schaschliks und natürlich dem obligatorischen Sprung in der Seele“ (Ilja Ehrenburg). Der Höhepunkt war mit über 350.000 Russen im Herbst 1923 erreicht, solange der Rubel eine relative Stärke gegenüber der (hyperinflationären) Reichsmark ausspielen konnte; mit der Einführung der Rentenmark zogen viele Russen dann weiter nach Prag oder Paris. Das russische Berlin spiegelte sich kulturell unter anderem in Dutzenden von (Klein-)Verlagen sowie mehreren Zeitungen und Zeitschriften wider.

Link-Tipps 2020/11

21.11.20 (Martin Hufner) -
Podcast überall! Aufregendes mit Discothesen, Kinderführungen durch Konzertsäle, Geplaudertes zur Musikwissenschaft. Wenn Sie nach dem kompletten Abhören sämtlicher Podcasts noch die Güte hätten, den Rest der nmz zu lesen, nähmen wir Ihnen das sicher nicht übel.
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