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Sechs Instrumente der Deutschen Stiftung Musikleben, deren Provenienz nicht abschließend geklärt ist, werden nicht mehr verliehen

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Deutsche Stiftung Musikleben nimmt sechs NS-belastete Streichinstrumente aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds

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Der Deutsche Musikinstrumentenfonds, eine Partnerschaft der Deutschen Stiftung Musikleben (DSM) und der Bundesrepublik Deutschland, umfasst 280 wertvolle Streichinstrumente, die von privaten Treugebern und der öffentlichen Hand eingegeben wurden oder im direkten Eigentum der Stiftung stehen. 

Die Instrumente werden von der DSM verwaltet und von ihr in jährlichen Wettbewerben als Leihgabe an exzellente junge Musikerinnen und Musiker vergeben. 

Knapp 40 der Instrumente gehören der Bundesrepublik. Darunter befinden sich sechs Instrumente, deren Provenienz nach neuen Erkenntnissen nicht abschließend geklärt ist.

Im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wurde Ende 2025 eine Initialstudie zur Provenienz von sieben Streichinstrumenten aus dem Instrumentenkonvolut der Bundesrepublik veröffentlicht, die einen potentiellen NS-verfolgungsbedingten Entzug erforscht. Ausgangspunkt der Initialstudie waren Aktenfunde zu diesen Instrumenten, die vermuten lassen, dass sie 1941 vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) für „verdiente Künstler des Volkes“ erworben wurden. Sechs dieser Streichinstrumente befinden sich bislang im Instrumentenfonds der DSM. Es handelt sich um vier Violinen (Pietro Guaneri, Giovanni Battista Guadagnini, Nicolo Gagliano, Camillo Camilli) eine Viola (Giovanni Maria del Bussetto) sowie ein Violoncello (Giuseppe Guaneri). 

Wenngleich die Initialstudie die Verdachtsmomente nicht klären konnte, ergaben sich für alle sechs Instrumente bisher nicht belegbare Provenienzen für die Zeit vor dem vermuteten Ankauf durch das RMVP 1941 sowie erhebliche Unklarheiten bezüglich ihrer Identität. Der Staatsminister für Medien und Kultur, Wolfram Weimar, kündigte am 25. Oktober 2025 in einer Pressemitteilung weitergehende Forschungen an. Gleichzeitig ließ er die Streichinstrumente in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums für Kulturverluste einstellen.

Die Deutsche Stiftung Musikleben wird die sechs NS-belasteten Streichinstrumente nicht mehr verleihen, damit der Verdacht auf verfolgungsbedingten Entzug während der NS-Zeit vollständig aufgeklärt und die Identität der Instrumente näher untersucht werden kann, auch im Hinblick auf eine mögliche Restitution. Schließlich möchte die Stiftung ihre Stipendiatinnen und Stipendiaten nicht in Konflikte bringen, weil sie auf einem möglicherweise belasteten Instrument spielen, das zudem als Lost Art jederzeit für eine Restituierung beansprucht werden kann.

Dr. Clemens Trautmann, Vorsitzender des Vorstands der DSM: 
„Die Deutsche Stiftung Musikleben begrüßt ausdrücklich das Bemühen des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, eine mögliche NS-Verstrickung der bundeseigenen Streichinstrumente transparent aufzuklären. Die Initiative stellt einen wichtigen Akt der ethischen Verantwortung und der Versöhnung dar. Die signifikanten Unsicherheiten hinsichtlich der Provenienz veranlassen uns, diese Streichinstrumente nicht länger zu verleihen und nicht zuletzt auch unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten, die die Instrumente des Fonds als Leihgabe im Studium und Konzertleben spielen, vor Belastungen zu schützen.“

Der 33. Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds, bei dem ein Großteil der 280 Fonds-Instrumente an die bestpunktierten jungen Streicherinnen und Streicher leihweise vergeben wird, findet vom 20. bis 22. Februar 2026 in Lübeck statt.

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