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Zehetmair: Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft funktioniert

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München (ddp-bay). Kulturelles Engagement von Unternehmen bei den eigenen Mitarbeitern zahlt sich einer Münchner Studie zufolge aus. Mitarbeiter, die regelmäßig gesponserte Kulturveranstaltungen besuchen, seien zufriedener und stolz auf die eigene Firma, sagte der Leiter der Studie, Professor Manfred Schwaiger, von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

Die Gesamtzufriedenheit mit der Arbeitssituation werde auch deutlich vom Stolz auf die Firma und dem Firmenimage beeinflusst. Daher wünscht sich auch Kunstminister Hans Zehetmair (CSU) mehr Engagement beim Kultursponsoring. Dabei gehe es nicht darum, den Staat aus seiner Verantwortung zu entlassen. «Ich bin ein Verfechter der Idee, dass Kulturförderung auf einer doppelten Basis ruhen sollte, der staatlichen und der privaten. Hier gilt: Das eine tun, ohne das andere zu lassen», sagte Zehetmair im ddp-Interview.
Bei Firmen, die sich im Kultursponsoring engagieren, stellten die Forscher auch weniger Krankmeldungen der Mitarbeiter fest. Ein Zusammenhang könne jedoch nicht bewiesen werden, sagte Schwaiger. Zugleich wies er darauf hin, dass mit Kultursponsoring nie die gesamte Belegschaft erreicht werden könne. «Aber eine bestimmte Gruppe von Mitarbeitern wird deutlich positiv beeinflusst, und zwar ein besonders motivierter und damit förderungswürdiger Teil der Belegschaft», betonte der Wissenschaftler. Die Studie, die am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, basiert auf der bundesweiten Befragung von Unternehmen, die Kultursponsoring für ihre Mitarbeiter anbieten, zum Beispiel um bis zu 80 Prozent reduzierte Theaterkarten oder Autorenlesungen während der Arbeitszeit.
Zehetmair sagte, solange der Kern der Verantwortung bei der öffentlichen Hand liege, spreche alles für eine Ergänzung der staatlichen Kulturförderung durch Private. Der Minister betonte: «Nach meinem Verständnis darf die kulturelle Grundversorgung nicht existenziell von Mäzenen, Schenkern und Stiftern abhängen.» Kulturförderung sei in erster Linie und ganz selbstverständlich Staatsaufgabe: «Kulturausgaben sind so legitim und notwendig wie der Bau von Schwimmbädern, Schulen oder Straßen.»
Derzeit stünden den knapp acht Milliarden Euro, die die öffentliche Hand in Deutschland für Kunst und Kultur aufbringe, etwa 250 Millionen Euro an Sponsorenmitteln gegenüber. Kultureinrichtungen sollten vor allem von Sponsorenleistungen profitieren, wenn es beispielsweise darum geht, ein besonders aufwändiges Projekt zu verwirklichen. Einen wichtigen Beitrag leisten nach Worten Zehetmairs hier die Kulturprogramme der Wirtschaft, die projektbezogen mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten.
Als Beispiele nannte Zehetmair die Allianz-Versicherung, Audi, BMW, die HypoVereinsbank oder Siemens. «Diese Zusammenarbeit zeigt, wie staatlich-private Partnerschaft funktionieren kann», sagte Zehetmair. Als eines der eindrucksvollsten Beispiele und als ein zukunftsweisendes Modell für privates Engagement in Kunst und Kultur schätze er den Verein Stiftung Pinakothek der Moderne: «20 Millionen Mark hat die Stiftung versprochen, damit die neue Pinakothek überhaupt gebaut werden konnte, 30 Millionen Mark hat sie bisher für das Museum eingeworben.»
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