71 Prozent würden sich erneut für ihren Musikberuf entscheiden

Die wirtschaftliche und soziale Situation freischaffender Musikpädagog*innen und Musiker*innen in NRW


(nmz) -
Im Auftrag des Landesmusikrats NRW, des Deutschen Tonkünstlerverbands NRW sowie der AG der Berufs-, Medien- und Wirtschaftsverbände im Landesmusikrat befragte Prof. Heiner Barz (Universität Düsseldorf) im November und Dezember 2020 freischaffende Musiker*innen und Musikpädagog*innen zu ihrer wirtschaftlichen Situation.
Ein Artikel von Robert v. Zahn

Die große Mehrheit der befragten Musiker*innen und Musikpädagog*innen bezieht ihr Einkommen aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern, oft leben sie von sowohl unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen als auch von freiberuflich erwirtschafteten Honoraren. Obgleich die gewonnenen Daten es nicht unbedingt nahelegen, ist die überwiegende Mehrheit der Befragten mit der beruflichen Situation zufrieden. 71  Prozent würden sich erneut für ihren Musikberuf entscheiden, nur 6 Prozent unbedingt dagegen. Die Einkommens­entwicklung sehen die Zufriedenen dabei durchaus skeptisch, knapp 50 Prozent der weiblichen und knapp 40 Prozent der männlichen Befragten sind aktuell eher unzufrieden. Generell rückläufige Entwicklungen melden Befragte besonders bei den Einkünften aus Tantiemen und Verwertungsgesellschaften sowie bei Stipendien und Projektförderungen.

Während das deutsche Durchschnittseinkommen derzeit bei 3.975 Euro liegt (Statistisches Bundesamt), leben die Befragten von monatlich durchschnittlich 2.028 Euro aus der Sparte Musik oder 2.492 Euro, wenn man sonstige Einkünfte einbezieht. Der Gender Pay Gap ist auffällig: Bei Männern sind es im Bereich Musik jährlich durchschnittlich 28.180,44 Euro, bei Frauen 20.627,67 Euro.

Die Corona-Krise hat vieles geändert, vielleicht auch die Blickwinkel. Trotz der schwierigen Situation vor Corona zeigten sich drei Viertel der Befragten mit den Einkünften vor der Corona-Krise zufrieden. Da sie erst in der Krise befragt wurden, hat diese die Rückschau vielleicht verändert. Drei von vier Befragten haben zwischen 70 und 100  Prozent der Einkünfte in der Krise verloren, in absoluten Zahlen Beträge bis zu 30.000 Euro. Staatliche Hilfsprogramme haben zwar viel an wirtschaftlicher Unterstützung und technischer Hilfe ausgerichtet, doch 70 Prozent der Befragten konnten durch sie nach eigener Einschätzung den wirtschaftlichen Schaden nicht oder nicht wesentlich kompensieren.

Zum gleichen Ergebnis kam am 31. Mai der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages: „Die Kultur- und Kreativwirtschaft und damit die in diesen Bereichen tätigen Personen haben durch die Einschränkungen aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie signifikante finanzielle Verluste erlitten, die durch die sehr vielfältigen Förder- und Hilfsprogramme auf Bundes- und Landesebene nur ansatzweise kompensiert werden konnten.“

Zu den negativen Folgen der Krise zählen auch die ausgedünnten Kontakte zu Kolleg*innen und Schüler*innen, eine neue soziale Isolation und zu geringe Unterrichtserfolge in den Online-Formaten. Einige sahen die plötzliche Notwendigkeit zum Online-Unterricht positiv, ohne diese Krise hätten sie sich der Herausforderung nicht gestellt. Doch eine doppelt so große Gruppe sieht das digitale Unterrichten negativ.

Das Präsidium des Landesmusikrats und besonders seine Beisitzer für den Themenschwerpunkt „Von Musik leben“ haben aus der Studie elf Handlungsempfehlungen herausgearbeitet, die der weiteren politischen Arbeit zugrunde gelegt werden. Dazu zählt zum Beispiel politische Lobbyarbeit mit anderen Verbänden zugunsten eines neuen Systems einer Arbeitslosenversicherung für freischaffende Musiker*innen und Musikpädagog*innen sowie Künstlerinnen anderer Sparten, das für die Betroffenen erschwinglich bleibt.

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