Beim Singen fühle ich mich frei von allen Sorgen

„Sing It Loud – Luthers Erben in Tansania“ über drei Chöre in Afrika im Kino


(nmz) -
Eine kleine Kirche irgendwo in Ostafrika, eine wuselige Großstadt, eine Paar, das sein Land bestellt, ein Jugendlicher unterwegs in den Straßen auf dem Weg zur Chorprobe, ein Herde Kühe vor weiter Landschaft – und darüber ein Kirchenchoral, so beginnt der Musikdokumentarfilm der Regisseurin Julia Irene Peters. Sie begleitet exemplarisch drei Chöre, die an einem Wettbewerb der Evangelisch-Lutherischen Kirche Tansanias teilnehmen.
Ein Artikel von Ursula Gaisa

Seit den 50er-Jahren findet der Chor-Wettstreit einmal jährlich in Kwamorombo im Norden Tansanias statt – mit beeindruckenden Teilnehmerzahlen: waren es anfangs noch 300 Sängerinnen und Sänger, so nahmen 2016 um die 1.000 Chöre teil. Zwei Stücke werden vor Publikum präsentiert: ein traditioneller europäischer Choral von Martin Luther, in diesem Fall „Ein feste Burg ist unser Gott“ und ein selbstkomponiertes Stück, das einzustudieren allen Teilnehmern spürbar leichter fällt. Zum Erlernen des Pflichtstücks werden oft sogar Lehrer eingestellt und bezahlt, die Noten lesen können. Und wenn es an Geld mangelt, entlohnen sie die Mitglieder des dörflichen Neema Chores mit Gemüse oder Zuckerrohr.

In beschaulichen ruhigen Bildern werden neben dem Chor aus Monduli zwei weitere Teilnehmer beim Proben, bei der Vorbereitung und schließlich am Tag des Wettbewerbs gezeigt: der A-Cappella-Cantate Chor aus der Großstadt Arusha und der Kanaani Jugendchor. Zu Wort kommen dazu noch jeweils zwei ihrer Protagonisten: Martha und Simon, die als Kleinbauern arbeiten, Maria und Evarest, die in Arusha eine Autowerkstatt betreiben, und die Jugendlichen Kelvin und Nuru, ebenfalls aus Arusha. Sie erzählen, wie das Singen ihr Leben bereichert, dass es sie glücklicher und zufriedener macht.

Sing It Loud Trailer from Julia Irene Peters on Vimeo.

Einblicke in den Alltag des dörflichen Lebens, in den der Großstadt und farbenfrohe Sequenzen mit den singenden und tanzenden Chormitgliedern vor imposanter Naturkulisse vervollständigen den kleinen feinen Nischenfilm. Wer letztendlich gewinnt, ist Nebensache, dabeisein ist alles. Die Regisseurin Julia Irene Peters ist auch im Juni 2017 noch auf großer Kinotour, um „Sing It Loud“ persönlich zu präsentieren und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Zu vielen Terminen wird sie der tansanische Kanaani Jugendchor begleiten und die Tour mit moderner afrikanischer Gospel-Musik musikalisch untermalen.

Termine

08.06. Frankfurt am Main, Orfeos Erben, 20 Uhr
10.06. Köln, Karthäuser Kirche, 19.30 Uhr
15.06. Leipzig, Luru Kino in der Spinnerei, 19 Uhr
16.06. Aschaffenburg, Casino Aschaffenburg, 19 Uhr
20.06. Hannover, Kino im Raschplatz, 18 Uhr

Weitere Termine unter www.singitloud.de

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