Bewegungsspielräume im Streicherunterricht

Paul-Rolland-Methodenworkshop an der Landesmusikakademie Hamburg


(nmz) -
Bewegung ist der Schlüssel zum Violinspiel. Das propagierte Paul Rolland, einer der wichtigsten Violin- und Vio­lapädagogen des 20. Jahrhunderts. Seine Methodik hat weltweit große Anerkennung gefunden. Vom 26. bis 30. April bietet die Landesmusikakademie Hamburg einen Workshop an, in dem Streicherinnen und Streicher den Ansatz des 1978 verstorbenen Professors für Violine kennenlernen können.
Ein Artikel von Katharina Bradler, Winfried Stegmann

Als Dozentinnen konnten Lynne Denig und Nancy Kredel, zwei ehemalige Studentinnen Rollands, gewonnen werden. Sie vermitteln authentisch die Grundlagen der physiologisch ausgerichteten Violin- und Violamethodik. Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen ihr Instrument natürlich und spannungsfrei zu spielen, indem sie alle Bewegungen ausbalancieren. Durch eine entspannte Körperhaltung verbessert sich die für Streicherinnen und Streicher so wichtige Tonproduktion. „The importance of movement will become obvious to us if we consider that tone on a string instrument can be produced only through movement“, schreibt Rolland. Sein Credo lautet daher, alle steifen Körperpartien zu bewegen, um Freiheit im Spiel zu erlangen.

Die Kursinhalte richten sich nach dem Buch „The Teaching of action in string playing“ sowie den dazugehörigen Videofilmen: Sie sind Ergebnisse des von 1966 bis 1970 an der University of Illinois durchgeführten Illinois String Research Projects. Detaillierte Übungsideen und zahlreiche Bewegungsspiele für Körperbalance, rechte und linke Hand helfen nicht nur dem Anfänger, sondern auch dem Profi. Die Techniken können im Einzel-, Gruppen- und Klassenunterricht angewendet werden und bieten jeder Lehrkraft vielseitige Anregungen, spieltechnische Probleme von Schülerinnen und Schülern zu lösen.

Es wird sich zeigen, dass Rollands methodische Errungenschaften auf dem Gebiet der detaillierten Bewegungsanalyse des Violin- und Viola­spiels zu finden sind und weniger im Streicherklassenunterricht, als dessen Urheber er oft fälschlicherweise angesehen wird. In Amerika ist der heterogene Streicherklassenunterricht bereits seit den 30er-Jahren übliche Unterrichtsform. Rolland bevorzugte es, Schülerinnen und Schüler einzeln beziehungsweise in homogenen Gruppen, am besten mehrmals wöchentlich, zu unterrichten.

Weitere Informationen zum Material unter www.paulrolland.net und http://alfred.com/Products/The-Teac…

Die Landesmusikakademie Hamburg bietet in ihrem Fortbildungsprogramm 2011 ein weiteres Angebot, das auf der Rolland-Methode basiert, an. In dem Workshop „JeKi-Streichergruppenunterricht“ mit den Dozenten Birgit und Peter Boch am 27. und 28. August 2011 wird das Thema praxisbezogen auf den Instrumentalunterricht in den ersten zwei bis drei Jahren aufgegriffen. Die beiden Dozenten haben den Schlüsselimpuls für ihre Arbeit in einer Fortbildung durch Prof. Don Miller, dem Assistenten von Paul Rolland, Anfang der 90er-Jahre erhalten. Ihr Unterrichtskonzept ist bei Schott unter dem Titel „Streicher sind klasse“ veröffentlicht worden. Die auf der Rolland-Methodik basierende Instrumentalmethodik bietet eine Fülle von Anregungen für den Instrumentalunterricht für gemischte Gruppen (zum Beispiel Violine und Cello) als auch für reine Violin-, Viola-, Cello- oder Bass-Gruppen. Der Workshop behandelt unter anderem die Themen Motivation, Methodenvielfalt und Team-Teaching und will zeigen, wie die besondere Dynamik in der Gruppe für den Unterricht genutzt werden kann.

Auf unserer Website gibt es weitere Informationen zu diesen Workshops und zu unserem Jahresprogramm. Der Fortbildungskalender 2011 spannt einen weiten Bogen vom elementaren Musizieren über JeKi- und Klassenunterricht, Musikvermittlung und Medienkunde bis hin zur Förderung von Leistungsträgern. Ein europaweites Dozententeam zeigt und vermittelt aktuelle Ansätze in der Musikpädagogik.

Die Landesmusikakademie Hamburg, die Fortbildungseinrichtung der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg und des Hamburger Konservatoriums unter dem Dach des Landesmusikrats Hamburg e.V., möchte die Musikpädagogen in einer Zeit des Strukturwandels in ihrem beruflichen Selbstverständnis stärken und mit ihrem Angebot an Workshops und Seminaren neue Ideen, neue Bewegungen und Strömungen aufnehmen und weitergeben. Wir wünschen Ihnen dabei viele anregende Impulse und inspirierende Begegnungen!

Workshop-Anmeldungen unter www.landesmusikakademie-hamburg.de

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