Broadway goes to Wunsiedel

„Cats“ am Luisenburg-Gymnasium


(nmz) -
Jahrzehntelang war das Musical „Cats“ Profi-Ensembles vorbehalten, seit etwa zwei Jahren dürfen auch Laien Andrew Lloyd Webbers erfolgreiches Stück in Szene setzen. Im Februar 2015 wurde das Katzen-Spektakel am Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel aufgeführt. Ein Erfahrungsbericht aus der Perspektive dreier Schülerinnen:
Ein Artikel von India Bauriedel, Kathrin Roth, Tanja Fischer

„Erst Hamburg, New York, London und nun auch in Wunsiedel“ – so begrüßte unser Schuldirektor das Publikum am Abend der Premiere. Rund 80 Schülerinnen und Schüler von der 6. bis zur 12. Klasse waren bei den beiden restlos ausverkauften Vorstellungen in der Fichtelgebirgshalle Wunsiedel mit von der Partie. Und ganz ehrlich – als unsere Musiklehrerin Sabine Kubik uns das Werk nannte, haben wir schon gezweifelt, ob wir das schaffen. „Cats“ ist eines der erfolgreichsten Musicals weltweit, jeder kennt es. Seit Frau Kubik an der Schule ist, führen wir alle zwei Jahre ein Musical auf. Mit „Die Schöne und das Biest“ oder „Der kleine Horrorladen“ hatten wir schon tolle Erfolge, letzteres haben wir 2011 sogar in unserer Partnerstadt Volterra in der Toskana aufgeführt. Doch nun „Cats“. Über ein Jahr gemeinsamer Arbeit liegt hinter uns, die meisten Proben fanden in der Freizeit statt. Doch hatten wir dabei so viel Spaß und Freude, dass wir bereit waren, die vielen Stunden dafür zu investieren.

Die Gesangsstücke waren kein großes Problem für uns, mittlerweile gibt es einige richtig gut geschulte Stimmen an unserer Schule. Doch das Musical lebt vom Tanz und der Show auf der Bühne: In „Cats“ gibt es keinen gesprochenen Text, und es ist wirklich nicht einfach, gleichzeitig zu singen und zu tanzen. Zum Glück hat unsere Musiklehrerin eine jahrelange Ballett- und Tanzausbildung, auch zwei Sportlehrerinnen konnten uns gute Tipps geben. Für die größte Tanzszene im Musical, den „Jellicle Ball“, haben wir allerdings einen professionellen Tänzer vom Hofer Ballett engagiert. Anfangs dachten wir, dass diese Choreographie nur wenige schaffen, aber dann hat uns der Ehrgeiz gepackt und am Ende sah man alle auf der Bühne – Mädchen und Jungen – in einer fulminanten Showeinlage.

Bei all dem Aufregenden, was auf der Bühne passiert, darf man natürlich das Geschehen dahinter und davor nicht vergessen. „Davor“: Ohne Orchester wirkt kein Gesang oder Tanz. Unser Orchester bestand ausschließlich aus Schülern, dazu kam unser Musiklehrer Christian Metz als Pianist. Während der Proben haben die Instrumentalisten oft über die Taktwechsel und „schrecklichen“ Tonarten mit vielen Vorzeichen geklagt, den Abend im Orchestergraben dann aber perfekt bestritten. „Dahinter“: Musiktheater lebt auch von den Kostümen und Masken. Tanja Wilhelm, eine Schülermutter, nähte in einjähriger Arbeit alle Kostüme für die Solisten, exakt nach den Vorlagen der Originalkostüme der Hamburger Produktion.

Wir Schülerinnen werden dieses Musicalprojekt nie vergessen, und auch nicht die anderen, bei denen wir dabei waren. Im Juni haben wir hoffentlich unser Abiturzeugnis in der Tasche – einerseits mit einem lachenden, andererseits mit einem weinenden Auge, denn wir werden die Musiktheater-Projekte sehr vermissen. Am Ende der Aufführungen hörten wir Sätze wie: „Das kann doch keine Schulaufführung gewesen sein!“ oder: „Ich schaue mir ‚Cats‘ heute schon zum zweiten Mal an und wenn ich die Chance hätte, dann würde ich es auch ein drittes Mal ansehen.“ Das haben wir uns zu Herzen genommen und aufgrund der hohen Nachfrage zusammen mit unseren Lehrern beschlossen, im Herbst noch zwei Vorstellungen zu spielen.

Zwar werden dann einige von uns schon nicht mehr in Wunsiedel sein, sondern andernorts studieren. Aber die Möglichkeit, nochmal gemeinsam mit allen das Beste zu geben und auf der Bühne zu stehen, lassen wir uns nicht entgehen. Wir werden anreisen, von wo auch immer, mitproben und aufführen!   

Einige Tipps für ein solches Projekt:

1. Stückauswahl: Rechte beim jeweiligen Verlag erwerben! Da Veränderungen in der Regel nicht vorgenommen werden dürfen, muss man sich im Vorfeld einen genauen Überblick über die vorhandenen Ressourcen (Solisten, Tänzer, Musiker und helfende Kollegen) an der Schule verschaffen. Hilfreich ist es, im Vorfeld ein Casting für die Solistenrollen zu veranstalten.
2. Probenzeit: ca. ein Schuljahr, anfangs einmal pro Woche, später Zusatzproben.
3. Anfallende Kosten: Leihgebühr für das Notenmaterial, je nach Stück zwischen 150 und 500 Euro pro Monat; weitere Abgaben an den Verlag, in der Regel 20 Prozent der Einnahmen; Technik: Mikrophone, Head-Sets, Beleuchtung (je nach zeitlichem Aufwand und technischem Anspruch können hier mehrere tausend Euro anfallen); von Stück zu Stück variierende Kosten für Bühnenbild, Kos-tüme und Maske.

India Bauriedel, Kathrin Roth und Tanja Fischer (Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel, Q12)

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