Carolissima!

Niedersachsens 67. Sommerliche Musiktage Hitzacker waren im „Exil“


(nmz) -
Mit besonders gespannten Erwartungen pilgerte die stets wachsende Fangemeinde der Kammermusik diesen Sommer nach Hitzacker, denn die neue Intendantin Carolin Widmann gab ihre erste Spielzeit und sie ist die erste Frau in diesem Amt. „Die neue weibliche Doppelspitze auf diesem Grünen Hügel arbeitet freudig, konstruktiv und harmonisch zusammen“, freut sich mit leisem Schmunzeln die Vorsitzende des Trägervereins, Linda Anne Engelhardt.
Ein Artikel von Jutta de Vries

Im Programm hat Carolin Widmann Bewährtes und Beliebtes klug fortgeführt, die Hörerakademie, das morgendliche Chorsingen, den Festival-Walk und vor allem die Festival Fellows als kommende Besucher-Generation.
Im risikofreudigen Programm wird das Motto „Exil“ umfassend und in seiner weitesten Begrifflichkeit thematisiert. Als Geigerin befördert Carolin Widmann besonders die zeitgenössische Musik und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden, da gibt es natürlich viel 20. Jahrhundert, Zeitgenössisches wird mit Renaissance, Klassik und Romantik kontrastiert, gern im gleichen Konzert, auch Jazz hat seinen Platz. Eingeladen hat Carolin Widmann für ihr Debüt die Komponistin „out of residence“ (im Sinne des Themas) Rebecca Saunders, deren Violinkonzert „Still“ die Geigerin 2011 uraufgeführt hat, dazu eine gelungene Mischung aus befreundeten  jungen Künstlern – beispielhaft: das  Solistenensemble Kaleidoskop oder der Pianist José Gallardo – und bekannte Namen, unter anderem Martin Helmchen, Isabelle Faust, Salome Kammer oder Alexander Melnikow. Ungewöhnliche Präsentationsformen feiern fröhliche Urständ: wenn Marino Formenti bei seinem Klavier-Recital das Publikum auf dicken bunten Kissen und Liegestühlen achtsamer lauschen lässt oder wenn im Abschlusskonzert die Teilnehmer der Laien-Instrumentalkurse mit der renommierten Camerata Bern einen tollen Bartok spielen. Mit Tempo und Dramatik wird das begeisterte Publikum beinahe rund um die Uhr immer wieder fasziniert, überrascht, mitgerissen und in vielfältige Beziehungsfelder eingeladen, die hoch motivierte, energetisch und sensibel musizierende Künstler fast immer in höchster Qualität vermitteln. „No risk, no fun“ sagt Carolin Widmann. Ganz genau.

Allmählich ist das hochkarätige Festival kein Geheimtipp mehr, die großen Hörfunksender sind  präsent und bringen die Mitschnitte zu besten Sendezeiten – aber eine Vision hat Carolin Widmann für die Zukunft, nämlich die SMH zu einem  weltbekannten Begriff zu machen. Vielleicht heißt das Motto der kommenden 68. Sommerlichen nicht ohne Grund „Träume“.

Informationen unter
www.musiktage-hitzacker.de

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