Das Feuilleton der Tageszeitungen im Visier

Fachausschuss Medien des DMR debattiert über Verbesserungen


(nmz) -
Ein großer Kreis von renommierten Fachjournalisten aller großen deutschen Tageszeitungen, Redakteure der Kultursender sowie die kulturpolitischen Sprecher der Parteien waren zum „Runden Tisch Feuilleton“ in die Räume des Deutschen Musikrats in Berlin geladen, um mit den Mitgliedern des Bundesfachausschusses Medien des DMR über eine Verbesserung und Stärkung des Feuilleton-Wesens zu debattieren.
Ein Artikel von Adelheid Krause-Pichler

Die Resonanz auf diese Thematik war groß und positiv, die Präsenz der Teilnehmer eher spärlich, die Debatten aber letztlich sehr effektiv. Die Vorsitzende des Fachausschusses Medien, Dr. Ulrike Liedtke, fasst die Problematik unter dem Thema „Quotenopfer Feuilleton“ wie folgt zusammen: „Das Feuilleton in der Zeitung bietet Kommentare, Hintergründe, Vergleiche.

Langsamer als Internet, Hörfunk und Fernsehen reflektiert es kulturpolitische Entwicklungen, Künstlerbiographien oder Veranstaltungen, dafür aber um so tiefgründiger und umfassender.

Aber: Der überregionale Charakter des Feuilletons steht im Widerspruch zur zunehmend lokal orientierten Zeitung. Der Raum für Feuilletons in Zeitungen nimmt ab, die Texte sind nicht mehr regelmäßig am gleichen Ort auffindbar, oft fehlt Aktualität. Das Feuilleton muss nicht in der Rückschau verhaftet bleiben, es kann hingegen in Kenntnis der Rückschau künftige Tendenzen aufspüren und aufzeigen.“

Schlagen wir eine gute Berliner Tageszeitung auf und begutachten die Feuilleton-Seiten, dann finden wir dort von jedem etwas, das heute unter „Kultur“ subsummiert wird – eine bunte Mischung von den Berichten der Media Control über die Songs der FiFa als neue Spitzenreiter der Charts, den Tod eines Filmemachers, den Streit um das Erbe eines Schriftstellers, über einen neuen chilenischen Film, den Tod einer Volksschauspielerin, das neue Album einer Rockband sowie eine Musikrezension über ein regionales Orchesterkonzert. Weitere Mitteilungen über Ordensverleihungen oder aktuelle Neuheiten des Kulturbereichs finden sich auf der Seitenspalte der Vorderseite oder unter „Vermischtes“.

In diesem Falle also durchaus hochaktuelle Nachrichten, doch hat das etwas mit der Vermittlung von Kultur zu tun, die der interessierte Leser erwartet? Hat eine Zeitung, die sich nicht zu den Tagesblättern zählt, die vorwiegend aus Schlagzeilen und Stories bestehen, nicht auch die Aufgabe, den Leser herauszufordern und zu bilden, wie es bei einigen überregionalen Wochen- und Monatsschriften der Fall ist, oder fällt diese Aufgabe nur den Fachzeitungen zu, die ihren Autoren mehr Zeit für die Ausarbeitung qualifizierter Artikel geben können? Eine spezifische Ausbildung zum Musikjournalisten für Multimedia und Rundfunk gibt es bisher nur an wenigen Hochschulen und noch immer scheuen sich ausgebildete Musikwissenschaftler, journalistische Texte zu offerieren. Welche Vorschläge und Lösungen könnten hier angedacht werden?

Der Bundesfachausschuss des Deutschen Musikrats will weiter auf das Thema „Feuilleton“ aufmerksam machen. Angedacht ist ein neuer „Runder Tisch Feuilleton“, in dem die Ausbildungssituation beleuchtet werden soll. Vorgeschlagene Themen sind: Bachelor/Masterstudiengang Musikjournalismus, Feuilleton in der Fachzeitschrift, Feuilleton in der Tageszeitung sowie Feuilleton aus der Sicht eines Intendanten. Man darf auf die weitere Diskussion gespannt sein.

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