Der Tonkünstlerverband Bayreuth und die Protagonisten der Reihe „Zeit für Neue Musik“ – Helmut Bieler und Wolfram Graf – widmeten dem Jubilar einen Konzertabend, der ausschließlich Kammermusikwerken von Horst Lohse gewidmet war. Die Interpreten boten ein

27. Festival „Zeit für Neue Musik“ in Bayreuth


(nmz) -
Eine Konzertreihe erhält Impulse und Ausstrahlung nicht zuletzt durch ihre Interpreten. Das zeichnete die diesjährigen Konzerte in besonderem Maße aus.
Ein Artikel von Hans Schmidt-Mannheim

Bereits am ersten Abend des Festivals boten die Künstler, der exzellente Violinist Florian Meierott und Wolfram Graf am Flügel, Hochkarätiges mit eigenen Werken. „Daedalus und Ikarus“ für Violine solo sowie „Rhapsodische Stimmungen“ für Violine und Klavier überzeugten musikalisch wie interpretatorisch. Bieler, Hippe und Erdmann steuerten die weiteren Kompositionen bei. – „Atem“ war ein Konzert überschrieben, das im Kunstmuseum stattfand. Einmütige Zustimmung erhielten zwei hervorragend disponierte Flötisten. Robert Aitken, international gefragter Solist und Lehrer, sowie sein langjähriger Schüler Martin Seel wussten das Publikum mit Werken des 20. Jahrhunderts zu fesseln. Frappierend bereits der Beginn des Abends mit dem Auftritt der beiden Künstler, welche zunächst das Rudiment einer Querflöte benutzten, das sie im Verlauf der Komposition „Shadows IV: My Song“ von Aitken zu einem kompletten Instrument vervollständigten. Die fantasievollen Einführungen zu den Werken erleichterten dem Publikum den Zugang zu höchst interessanten, spannungsvollen Kompositionen von Graf, Luzuriaga, Schafer, Ohana, Takemitsu und Zdralek. Die hoch animierten Zuhörer dankten den Künstlern mit lang anhaltendem Applaus.

Vokalmusik, zumal zeitgenössische, bedarf hervorragender Interpreten. Die Sopranistin Marie Schmalhofer verdient indes noch höhere Prädikate. Sie ist, schlicht gesagt, ein Phänomen! Ihr Liederabend mit dem einfühlsam begleitenden Helmut Bieler am Flügel war ein absoluter Höhepunkt des Festivals. Der Abend unter dem Motto „Poème“ bot Lieder mit ausschließlich französischen Texten. Schmalhofer singt nicht nur, sie gestaltet nicht nur, sie erweckt die Texte zum Leben. Dabei wirken Ausdruck und Gestik immer natürlich. Der Hörer erlebt dabei ganze Geschichten. Interpretiert wurden Kompositionen von Bieler, Nadia Boulanger, Debussy, Ibert, Poulenc und nicht zuletzt Messiaen mit zwei eigenen Texten, seiner Frau und dem kleinen Sohn gewidmet.

Ein Porträtkonzert durfte zum Abschluss des 27. Festivals nicht fehlen. Es war dem renommierten Komponisten Klaus Hinrich Stahmer gewidmet. Werke für Klavier solo („Sudden brightness“ sowie „Some chords“ aus: „Four Poems“), Schlagzeug solo („Commentaires“), Gesang solo („Now“) sowie Flöte und Zuspielung („Herr der Winde“) zeigten den Komponisten als vielseitigen Klangmaler mit streng geordnetem musikalischen Material, doch gelegentlich an impressionistisch anmutenden Pointilismus erinnernd. Stahmer bekannte sich in einem Komponistengespräch zur Farbe, die er in vielen Nuancen konsequent in seinen Werken einsetzt.

Marie Schmalhofer war wiederum eine überzeugende und absolut sichere Interpretin, genau so Bernd Kremling am Schlagzeug und Helmut W. Erdmann beim Flötenspiel. Helmut Bieler erwies sich als kenntnisreicher Gesprächspartner und kluger Begleiter am Klavier. Alle Künstler vereinigten sich zum Abschluss in einer farbigen „Klanglandschaft“, teils komponiert, teils improvisiert. – Die Initiatoren und Manager des Festivals waren auch in diesem Jahr Helmut Bieler und Wolfram Graf. An dieser Stelle gilt dem Mäzen Udo Schmidt-Steingraeber und seiner Klaviermanufaktur der Dank für die mannigfache Unterstützung.

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