DVD-Tipp 12/2022-01/2023

Leos Janácek: Jenufa – Royal Opera London


(nmz) -
Janácek: Jenufa. Asmik Grigorian, Karita Mattila, Nicky Spence, Saimir Pirgu u.a., Chor u. Orchester der Royal Opera London, Henrik Nánási; Claus Guth 2021. Opus arte Bluray OABD7302D
Ein Artikel von Wolf-Dieter Peter

Herausragende Werk-Besonderheit: Janácek gelingt ein zweifacher Höhepunkt im Finale. Da hat sich die Küs­terin, die dominierende moralische Instanz des böhmischen Dorfes, eben selbst vor allen als Kindsmörderin offenbart, erkennt ihren Egoismus, bittet ihre Ziehtochter Jenufa um Vergebung – und Janácek lässt sie daraufhin mit einer musikalischen Gloriole abgehen. Die uneheliche Mutter Jenufa bleibt zurück – und da bekennt Laca seine unverbrüchliche Liebe, die dann beide entflammt – und sie brechen mit emotional schier überbordender Musik in ein neues Leben auf. Das dirigiert Henrik Nánási glänzend und immer wieder anrührend. Zuvor gelingen ihm die im Mühlen-Rhythmus eingefangene stete Wiederkehr, die kleinen Tanzfreuden und kontrastierend die heftigen Gefühle um Messer-Attacke, Kindsmord und Entlarvung.
Das ist auch das Verdienst eines perfekt rollendeckenden Solistenensembles. Regisseur Claus Guth hat es im Dorfenge signalisierenden Raumgeviert sensibel und hochexpressiv geführt, was die Close-ups der Fernsehaufzeichnung noch einmal verstärken. Karita Mattilas Küsterin erreicht in der Todesvision des zweiten Aktes großes Tragödinnen-Format.

Der schöne Steva von Samir Pirgu wird erst von der wuchtigen Erscheinung Lacas, dann aber vor allem vom strahlenden Tenor Nicky Spence überstrahlt. Asmik Grigorians Jenufa-Debüt: Da sind in Spiel und Ton die bildschöne junge Liebende, die von der Messerwunde wie Schwangerschaft und Kindestod gezeichnete ernste Mutter, schließlich die sich dann doch Lacas großem Herzen anvertrauende Frau nachvollziehbar. Janáceks Frauen-Oper ist als zeitlos leuchtendes Plädoyer für soziales Mit- und Füreinander zu erleben.

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