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Alle Artikel kategorisiert unter »Wolf-Dieter Peter«

Moralische Korruption

17.09.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Kein Buch über „Gestern“: Denn wie lebt und komponiert es sich als unabhängiger Künstler unter Erdogan, Orban, Lukaschenko oder Putin, wie im Land von Kaczynski? Wie sähen Kompositionsaufträge, Programme und Spielpläne nach Wahlsiegen von Le Pen oder Wilders aus? Dimitri Schostakowitschs Leben unter Lenin, Stalin, Chruschtschow und Nachfolgern ist historisch und musikwissenschaftlich vielfach beschrieben. Julian Barnes bietet nun ein spannendes, reizvoll abwechslungsreich zu lesendes Psychogramm, das auch viele der zentralen Fakten enthält. Grundlegend stellt Barnes’ Schostakowitsch fest, dass es, seit Stalins Herrschaft etabliert war, nur zwei Arten von Komponisten gab: „Die einen waren am Leben und hatten Angst, die anderen waren tot.“

Leuchtturm ohne Strahlkraft – Uraufführung der Kammeroper „To the Lighthouse“ in Bregenz

17.08.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Literaturkenner nennen Virginia Woolfs 1927 erschienenen Roman „Die Fahrt zum Leuchtturm“ in einem Atemzug mit „Ulysses“ von James Joyce und Prousts „Recherche“: in der Technik des nur teilweise ordnend gefilterten Bewusstseinsstroms wird das Innenleben einer Sommergesellschaft auf der Isle of Skye vor und nach dem Ersten Weltkrieg dargestellt. Auf der Werkstattbühne des Bregenzer Festspielhauses wurde nun der Versuch einer „Bewusstseinsstrom-Oper“ des griechischen Komponisten Zesses Seglias (* 1984) uraufgeführt.

Rettungsversuch: Weber in der Psycho-Klinik – „Oberon“ bei den Münchner Opernfestspielen

23.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Dazu sind Festspiele da: Das besondere Werk am besonderen Ort auf besondere Weise. Das gilt grundsätzlich für Webers dramaturgisch bunte Mischung von Feen, Kalifentochter, Meermädchen, Ritter samt Knappen, Puck, Seeräubern, Titania und Oberon in einem Werk mit viel Sprechszenen, turbulenten Schauplatzwechseln und Aktionen. Das Münchner Prinzregententheater ist eher aufgrund seiner eingeschränkten Gegebenheiten „besonders“, vor allem aber der Puppen-Animator Nikolaus Habjan als Regisseur.

„Making of“ Rossinis „Mosé“ – Die Bregenzer Festspiele scheitern mit der Rettung von Rossinis „tragisch-sakraler Handlung“ um Israels Auszug aus Ägypten

21.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Seit Jahren ist die Bregenzer Dramaturgie – „Auf der Seebühne das populäre Werk, im Festspielhaus die Opern-Orchidee“ – immer wieder erfolgreich. Nach „Carmen“ auf der Seebühne folgte nun ein Werk, mit dem 1818/19 Neapels Intendanz das Opern-Verbot während der Fastenzeit zu umgehen versuchte: mit der seriös angelegten Vertonung der alttestamentarischen Erzählung von Israels Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft, von Moses Verhängung der sieben Plagen, von Israels Gang durch das Rote Meer und dem Untergang der pharaonischen Verfolger.

Unaufhaltsamer Tanz zum Tod - Die 72. Bregenzer Festspiele eröffnen mit Bizets „Carmen“

20.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Karten lügen nicht“ singt die schicksalsgläubige Carmen und auf den scheinbar durch die Luft fliegenden, großen Spielkarten der Bühnenarchitektur verschwammen Pik und Kreuz. Das war zwar Video-Inszenierung, doch total passend: denn trotz strömenden Regen hatten sämtliche Solisten gesagt „Wir wollen spielen“, die 7000 Seebühnen-Besucher saßen unter Regencapes - und blieben beeindruckt sitzen, so dass Regen, Wetterleuchten und Donnergrollen im 3. Akt aufgaben...

„Für die Musik darf man ruhig das Gehirn bemühen“ – Dirigent Michael Gielen feiert seinen 90.Geburtstag

20.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Welcher Dirigent kann schon von sich sagen, mitten in einem Premieren-Dirigat mit Hühnerbeinen beworfen worden zu sein? Das und wütende Ablehnung, aber eben auch differenzierte und tiefempfundene Verehrung hat Michael Gielen in seiner langen, vielfältigen Karriere erlebt – Gründe genug für eine Würdigung zum 90.Geburtstag von Wolf-Dieter Peter.

Wagners „Holländer“ als Chor-Triumph – In Oberammergau will Regisseur Christian Stückl ein Opernfestival etablieren

02.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Eigentlich ist Wagners Musikdrama „Der fliegende Holländer“ für Menschen des Jahres 2017 nur auf zwei Interpretationsschienen akzeptabel: einmal als Wahngebilde einer erotisch heillos übersteigerten, neurotischen jungen Frau – wie das Harry Kupfer sensationell 1978 in Bayreuth gezeigt hat (auf DVD festgehalten); oder als politische Parabel auf die Vormärz-Revolutionäre, die in die Bürgerlichkeit zurückwollen und scheitern – was Herbert Wernicke 1981 in München inszenierte. Festspielinitiator und Regisseur Christian Stückl betonte diesbezüglich fröhlich, dass er noch nie eine Wagner-Oper gesehen habe…

Verquastes Paradies – Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ bei den Münchner Opernfestspielen II

02.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Bruno Walter dirigierte 1919 die Münchner Erstaufführung des sensationellen Frankfurter Erfolgswerkes vom Vorjahr, Franz Schrekers „Die Gezeichneten“. Im zur „Hauptstadt der Bewegung“ stilisierten „braunen“ München dann natürlich kein Schreker-Werk – doch auch nach 1945 und selbst im Zuge der Schreker-Renaissance durch die maßstäbliche Frankfurter Produktion 1979 des Teams Gielen-Neuenfels-Bodisco-Zehelein setzte keine Münchner Intendanz das wichtige Werk auf den Spielplan. Entsprechend hoch waren jetzt, nach über 95 Jahren, die Erwartungen.

Eine Traumfrau von Heute – Die St. Gallener Festspiele mit Catalanis selten gespielter „Loreley“

25.06.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Eine Nixe mit Goldhaar auf dem Rheinfelsen; verführte Adelige und scheiternde Schiffer auf dem Fluss; herrschaftliche Hochzeit und Volksfest; ein Flussfürst namens Alberich – und all das übergossen mit italienischer Musik? Eigentlich geht das doch nicht mehr… doch auf St.Gallens Festspieltribüne klatschten und trampelten die 1400 Premierenbesucher begeistert.

Unerfüllte Träume von der „neuen Volksoper“

13.06.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Während Museen und Kunstsammlungen inzwischen ihre „braune Vergangenheit“ unter dem Druck der Provenienzforschung langsam erhellen, haben zu viele Theater ihre Spielplan- und Personalpolitik vor und nach, speziell aber in jenen fatalen zwölf Jahren noch nicht historisch und kunstpolitisch kritisch aufgearbeitet. Ein bestechend konzipierter und dann auch sprachlich beeindruckend klar formulierter Sammelband des Instituts für His­torische Musikwissenschaft der Universität Hamburg stellt nun anhand der Bühnenwerke von Rudolf Wagner-Régeny, Norbert Schulze, Mark Lothar und Paul Graener Erfolge und Misserfolge vor – und analysiert historisch sowie soziologisch differenziert Hintergründe, Strategien und Folgewirkungen.
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