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Alle Artikel kategorisiert unter »Wolf-Dieter Peter«

Das Irreale der Realität – Uraufführung von Arnulf Herrmanns Psycho-Oper „Der Mieter“ in der Oper Frankfurt

13.11.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Wohnungsnot, Anpassungsdruck, soziale Kontrolle, Einengung, Mobbing, Nachbarschaftsterror bis zur Entmietung – das sind bundesrepublikanische Realitäten für Normalverdiener und Alleinstehende. Diese Nöte und Klagen musikdramatisch unbequem groß zu gestalten, sie gar in die Nachbarschaft von Unterdrückten und Gequälten wie in Bergs „Wozzeck“ oder Zimmermanns „Soldaten“ zu rücken… doch das Autorenduo führte Roland Topors Roman “Le Locataire chimérique“ als Ausgangspunkt an und von Ferne grüßte auch Roman Polanskis Film „Der Mieter“.

Millionen im Irgendwo – Nürnbergs Staatstheater zeigt Lehárs „Lustige Witwe“ nahe am Heute

07.11.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Menschheit verblödet zusehends… Es ist festgesetzt worden, dass, wenn die Welt untergeht, noch einmal ‚Dummer, dummer Reitersmann‘ gespielt wird“ stellte Karl Kraus schon 1908 fest. Da sich Kraus’ erster Satz über hundert Jahre später zunehmend bewahrheitet, trat nun Bayerns 4. Staatstheater in Konkurrenz zur Münchner „Witwe“ am Gärtnerplatz.

Eros thanatos um eine Witwe – Lehárs Erfolgsoperette zum 152-jährigen Jubiläum des Münchner Gärtnerplatztheaters

04.11.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Als sich um neun Uhr die Türen endlich auftaten, drängte die Masse mit so vehementer Kraft vorwärts, dass es der Schutzmannschaft nur unter Aufbietung aller Energie gelang, größeres Unheil zu verhüten. Kinder, die in Gefahr schwebten, erdrückt zu werden, mussten über die Köpfe hinweggezogen werden und mancher zerrissene Anzug, manch’ ruiniertes Kleid zeugten von dem Kampf um Billets, der am Gärtnerplatz getobt.“ Derartige Zeitungsmeldungen wie anlässlich der 150.Vorstellung von Lehárs „Lustiger Witwe“ am 15.April 1907 gibt es nun am 4.November 2017 nicht.

Mehr als alt-neuer Glanz … Kurz vor seinem 152jährigen Jubiläum wird das generalsanierte Bayerische Staatstheater am Gärtnerplatz in München wiedereröffnet

17.10.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Im digitalen Zeitalter muss es heißen: „Sie sind wieder online, in ihrer vertrauten domain.“ Wie es sich für die heimliche Musikhauptstadt gehört: gleich mit zwei Gala-Abenden wird nach fünf Jahren Sanierung Münchens „andere Oper“ oder „Opéra comique“ wiedereröffnet – denn nach vielen Fehlplanungen wollen sich die zahllosen „A-dabei-s“ in den Räumen, auf dem Podium, im Bayerischen Fernsehen und im Rundfunk selbst feiern.

„Theater ist unersetzbar“ – Josef E. Köpplinger, Intendant und Regisseur zur Wiedereröffnung des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz

11.10.17 (Wolf-Dieter Peter) -
2010 entschloss sich Klagenfurts Intendant Josef E. Köpplinger Münchens „anderes Opernhaus“ oder „Opéra comique“, das Staatstheater am Gärtnerplatz ab 2012 zu übernehmen. Dabei war ihm klar annonciert, dass eine Generalsanierung anstand und er wohl zwei Jahre in andere Spielstätten ausweichen müsste. In der 16 Meter tiefen Baugrube wurde bald klar: das alte Schwemmland der 800 Meter entfernten Isar warf zusätzliche Probleme auf. Die Erweiterungsankäufe hinter dem Bühnenhaus zogen sich hin. Das Haus war folglich 2015 zur 150-Jahr-Feier der „Volkstheater-Gründung“ nicht fertig. Insgesamt wurden es dann fünf Jahre, bis Köpplinger nun am 19.Oktober mit seiner Neuinszenierung von Lehárs „Die lustige Witwe“ das herrlich renovierte Haus wiedereröffnen kann. Dazu sprach nmz-Autor Wolf-Dieter Peter mit Josef E. Köpplinger.

Moralische Korruption

17.09.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Kein Buch über „Gestern“: Denn wie lebt und komponiert es sich als unabhängiger Künstler unter Erdogan, Orban, Lukaschenko oder Putin, wie im Land von Kaczynski? Wie sähen Kompositionsaufträge, Programme und Spielpläne nach Wahlsiegen von Le Pen oder Wilders aus? Dimitri Schostakowitschs Leben unter Lenin, Stalin, Chruschtschow und Nachfolgern ist historisch und musikwissenschaftlich vielfach beschrieben. Julian Barnes bietet nun ein spannendes, reizvoll abwechslungsreich zu lesendes Psychogramm, das auch viele der zentralen Fakten enthält. Grundlegend stellt Barnes’ Schostakowitsch fest, dass es, seit Stalins Herrschaft etabliert war, nur zwei Arten von Komponisten gab: „Die einen waren am Leben und hatten Angst, die anderen waren tot.“

Leuchtturm ohne Strahlkraft – Uraufführung der Kammeroper „To the Lighthouse“ in Bregenz

17.08.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Literaturkenner nennen Virginia Woolfs 1927 erschienenen Roman „Die Fahrt zum Leuchtturm“ in einem Atemzug mit „Ulysses“ von James Joyce und Prousts „Recherche“: in der Technik des nur teilweise ordnend gefilterten Bewusstseinsstroms wird das Innenleben einer Sommergesellschaft auf der Isle of Skye vor und nach dem Ersten Weltkrieg dargestellt. Auf der Werkstattbühne des Bregenzer Festspielhauses wurde nun der Versuch einer „Bewusstseinsstrom-Oper“ des griechischen Komponisten Zesses Seglias (* 1984) uraufgeführt.

Rettungsversuch: Weber in der Psycho-Klinik – „Oberon“ bei den Münchner Opernfestspielen

23.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Dazu sind Festspiele da: Das besondere Werk am besonderen Ort auf besondere Weise. Das gilt grundsätzlich für Webers dramaturgisch bunte Mischung von Feen, Kalifentochter, Meermädchen, Ritter samt Knappen, Puck, Seeräubern, Titania und Oberon in einem Werk mit viel Sprechszenen, turbulenten Schauplatzwechseln und Aktionen. Das Münchner Prinzregententheater ist eher aufgrund seiner eingeschränkten Gegebenheiten „besonders“, vor allem aber der Puppen-Animator Nikolaus Habjan als Regisseur.

„Making of“ Rossinis „Mosé“ – Die Bregenzer Festspiele scheitern mit der Rettung von Rossinis „tragisch-sakraler Handlung“ um Israels Auszug aus Ägypten

21.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Seit Jahren ist die Bregenzer Dramaturgie – „Auf der Seebühne das populäre Werk, im Festspielhaus die Opern-Orchidee“ – immer wieder erfolgreich. Nach „Carmen“ auf der Seebühne folgte nun ein Werk, mit dem 1818/19 Neapels Intendanz das Opern-Verbot während der Fastenzeit zu umgehen versuchte: mit der seriös angelegten Vertonung der alttestamentarischen Erzählung von Israels Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft, von Moses Verhängung der sieben Plagen, von Israels Gang durch das Rote Meer und dem Untergang der pharaonischen Verfolger.

Unaufhaltsamer Tanz zum Tod - Die 72. Bregenzer Festspiele eröffnen mit Bizets „Carmen“

20.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Karten lügen nicht“ singt die schicksalsgläubige Carmen und auf den scheinbar durch die Luft fliegenden, großen Spielkarten der Bühnenarchitektur verschwammen Pik und Kreuz. Das war zwar Video-Inszenierung, doch total passend: denn trotz strömenden Regen hatten sämtliche Solisten gesagt „Wir wollen spielen“, die 7000 Seebühnen-Besucher saßen unter Regencapes - und blieben beeindruckt sitzen, so dass Regen, Wetterleuchten und Donnergrollen im 3. Akt aufgaben...
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