DVD-Tipp 2020/09

Billy Wilder: A Foreign Affair. Eureka


(nmz) -
In den Ruinen von Berlin spielt ein Hollywoodfilm, der im frühen Nachkriegsdeutschland erst gar nicht ins Kino kam: Billy Wilders „A Foreign Affair“ von 1948. Auch später in den achtziger Jahren wurde der Film nicht synchronisiert. Und das ist in diesem Fall ein Glück. Die Idee zu dieser Komödie kam dem Exilanten Wilder, als er 1945 als Mitglied der Siegermächte wieder nach Berlin zurückgekehrt war.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Er war beteiligt gewesen an dem Re-Education-Film „Die Todesmühlen“ und wollte nun etwas „Leichteres“ inszenieren, einen Film über das Verhältnis der amerikanischen Besatzer zu den Berlinern. Dabei gelang ihm ein Coup: Er vereinte das alte Team vom „Blauen Engel“ – Marlene Dietrich (als einstiges Nazi-Liebchen Erika von Schlütow) und ihren Hauskomponisten Friedrich Hollaender. Und inszenierte einen Mix aus Neorealismus (Trümmer-Berlin) und Hollywood-Studiostil. Der Berliner Nachtclub „Lorelei“ stand in den Paramount-Studios. Die Dietrich und Hollaender haben während der Dreharbeiten Hollywood nicht verlassen. So wie die Kaschemme „Der blaue Engel“ in den Ufa-Studios gebaut wurde, war der „Lorelei“-Club eine Konstruktion der Paramount-Designer. Und hier sang dann auch die Dietrich die drei gro­ßen Songs, die das musikalische Herzstück der Dreiecksgeschichte bilden: „Ruins of Berlin“, „Black Market“ und „Illusions“. Begleitet wird sie dabei von „Katerkopf“ Hollaender am Klavier. Es sind die einzigen „Bewegtbilder“, die es von Marlene & Hollaender gibt.

Und die Lieder sind losgelöst vom Film zu Klassikern des Songs geworden. So wurde „Illusions“ von Marianne Faithfull interpretiert und „Black Market“ war sogar in einer John-Peel-Session der deutschen Band F.S.K. zu hören. Endlich ist bei der britischen Firma Eureka eine Blu-ray des Wilder-Klassikers erschienen, mit Audiokommentar von Joseph McBride und zwei Hörspielfassungen. Eine Empfehlung.
  

Das könnte Sie auch interessieren: