Ein Komponist „auf dem Weg“

Eine neue CD mit Werken von Wolfram Graf


(nmz) -
Graf zeigt sich hier als ein Meis-ter der Beschränkung der Mittel, die zu einer Intensitätssteigerung seiner Kunst führt.
Ein Artikel von Franzpeter Messmer

Ein kurzes Orgelstück von Wolfram Graf trägt die Überschrift „Auf dem Weg“.  Es ist eine äußerlich schlichte, zurückgenommene Komposition mit einer schwebenden, auf- und abwärts gerichteten Melodie und sanften, zwischen Dissonanz und Konsonanz chargierenden Klängen, die dem Vordergründigen eine große Tiefe und dem Hören viele Fragen und Anregungen geben. Wolfram Graf komponierte dieses Werk zur Tauerfeier seiner Schwiegermutter. Dieses Stück, aber auch die Vergänglichkeit unseres Daseins regte ihn an, seinen eigenen Weg als Komponist nachzuzeichnen. Er nannte die CD „Wege“ und es entstand eine sehr aufschlussreiche kleine Werkschau, die auch dem Zuhörer „Wege“ zum Verstehen dieses Komponisten eröffnet, denn sie verbindet Autobiographie, also den äußeren Lebensweg, mit der musikalischen Entwicklung Wolfram Grafs. Die 1988 komponierte „Trilogie“ für Violine und Orgel schöpft aus der großen Fülle der Orgelklanges und virtuosen Melodiespiels auf der Violine. Sie ist expressiv, elektrisierend und von großen Gesten erfüllt. Das letzte Stück dieser CD, die 2005 entstandene „Vorsehung“ ist ein Zwiegespräch zwischen Melodien in der Violine und in verschiedenen Orgelregistern. Graf zeigt sich hier als ein Meis-ter der Beschränkung der Mittel, die zu einer Intensitätssteigerung seiner Kunst führt. Nicht nur die Kompositionen, sondern auch deren Interpretation sind ein Hörerlebnis. Anton Steck, Friedemann Breuninger, René Hirschfeld und Gertrud Schilde auf der Violine, der Komponist und Alexander Mayer an der Orgel spielen diese Musik technisch brillant, mit reichen Klangabschattierungen und fesselndem Ausdruck.

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