Fit für den Einsatz im Ganztagsbereich

Erfolgreiche Premiere des „Basiskurs Klassenmusizieren“


(nmz) -
Wie kommt die Sprache der Musik in das Gehirn der Kinder? Diese Frage steht im Zentrum, wenn es darum geht, Kinder musikalisch zu bilden und dafür von Anfang an stimmige Konzepte und Strategien zu entwickeln. Die richtigen Antworten und Umsetzungsformen findet nur eine starke pädagogische Persönlichkeit, ausgestattet mit dem Verständnis, dass musikalische Bildung nur langfristig gelingt und nur dann, wenn das Ziel nicht primär Wissensvermittlung lautet, sondern Musik erfahrbar machen.
Ein Artikel von Christiane Franke

Mit diesem klaren Statement eröffnete Referent Michael Stecher am ersten Januarwochenende die zweite Phase des Kurses „Klassenmusizieren – Basiskurs zum Erwerb musikpädagogischer Grundlagen für das Klassenmusizieren, insbesondere an Schulen mit Ganztags-angebot“. Großen Wert legte das Bayerische Kultusministerium als fördernder Partner auf diese ausführliche Formulierung, um das Ziel klar zu definieren. Weil man um den prekären Musikfachlehrermangel vor allem an Grund- und Hauptschulen weiß und weil man davon überzeugt ist, dass das Fach Musik einen wichtigen Schwerpunkt im Rahmen des Ganztagsangebots bilden soll, will man über eine modulare Fortbildungsschiene Musikschullehrkräfte, Instrumental- und Gesangspädagogen, hauptberufliche Kirchenmusiker sowie Dirigenten mit staatlicher Anerkennung auf eine Tätigkeit an allgemeinbildenden Schulen vorbereiten.

Das ist kein Novum. Längst gibt es in Bayern vielfach Beispiele der gelungenen Umsetzung des Musizierens in der Klasse; das ist meist ein Verdienst einzelner Lehrkräfte. Um die erforderlichen didaktischen Kompetenzen einer breiten Interessengruppe von Musikpädagogen zu vermitteln, entwickelte das „Netzwerk Musik in Bayern“, unter dem Dach des Bayerischen Musik-rats den Basiskurs, gemeinsam mit Projektpartnern, der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf, dem Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen (VBSM), dem Musikbund Ober- und Niederbayern (MON) und dem Chorverband Bayerisch-Schwaben (CBS). Die inhaltliche Konzeption und Tagungsleitung übernahm Peter Pfaff, Bildungsreferent des VBSM. In zwei Kurs-phasen vermittelte er an insgesamt sechs Tagen gemeinsam mit den Dozenten Michael Stecher aus Freiburg, Andrea Friedhofen von der Universität Augsburg, der EMP-Fachkraft Eva Rautenberg und dem Schulleiter und Musikpädagogen Helmut Maschke die musikpädagogischen Grundlagen für die Arbeit mit der Klasse. In Theorie und Praxis wurde den Kursteilnehmern aufgezeigt, wie sie Schritt für Schritt den Bildungsweg ihrer Schüler vom Erfassen der musikalischen „Elemente“ bis zum komplexeren Musizieren im Klassenverband führen können.

42 Teilnehmer erhielten eine Zusage zu dieser Erstauflage. Zwei Drittel von ihnen unterrichtet derzeit an Musikschulen in Bayern, ein Drittel wirkt als Musiklehrer an allgemeinbildenden Schulen als Dirigenten im Instrumental- und Vokalbereich. Knapp die Hälfte aller Teilnehmer leitet derzeit bereits eine Bläserklasse. In einer Befragung signalisierten die Teilnehmer, auch Streicher-, Akkordeon- und Chorklassen anbieten zu wollen, sowie Alternativformen, um variable instrumentale und vokale Zusammensetzungen zu ermöglichen. Das Ziel ist stets, bei möglichst vielen Schülern die Begeisterung für das gemeinsame Musizieren zu wecken und ihre instrumentalen und stimmlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Auf diese Spezialisierung in einzelne Musikfachrichtungen bereiten Aufbaukurse mit dem Schwerpunkt „Bläserklasse“, „Vokalklasse“ und „instrumental-vokal-gemischt“ vor. Entsprechende Kurskonzepte entwerfen zur Zeit die jeweiligen Fachbereiche. „Die Gruppe ist so heterogen wie die zu vermittelnden Inhalte“, stellte Peter Pfaff schon nach der ersten Kursphase fest. „Umso wichtiger ist es, in Theorie und Praxis nicht einzelne Rezepte zu vermitteln, sondern grundsätzliche Erkenntnisse, die die individuellen Fähigkeiten des Musiklehrers nicht einengen, sondern beflügeln.“

Bereits im Oktober wird aufgrund der großen Nachfrage der nächste Basiskurs angeboten. Ebenfalls im Herbst finden die ersten Aufbaukurse statt. Peter Pfaff: „Wir empfehlen, Basiskurs und Aufbaukurs zu besuchen. Denn gerade als Instrumentallehrkraft unterschätzt man, wie viel anders die Rahmenbedingungen in einer Schulklasse sind, wo man plötzlich mit 15 oder mehr Jugendlichen musiziert. Die künstlerische Kompetenz ist zwingende Voraussetzung, aber das pädagogische Know-How ist unverzichtbar.“

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