Forum für junge Nachwuchskomponisten

Das 21. kleine Tonkünstlerfest in Sachsen-Anhalt versteht es, Freude an Neuer Musik zu wecken


(nmz) -
[...] Am 24.11. fand das Preisträgerkonzert im Konservatorium Georg Philipp Telemann Magdeburg statt. Dank des persönlichen Einsatzes einiger Mitglieder des Landesverbandes Sachsen-Anhalt konnte am Abend desselben Tages ein Chorkonzert in der Kathedrale St. Sebastian organisiert werden. So gelang durch die Initiative von Matthias Mück und Christian Hoffmann die Durchführung eines festlichen Tonkünstlertages oder auch eines kleinen 21. Tonkünstlerfestes. [...]
Ein Artikel von Kerstin Hansen

Seit 2009 findet das Tonkünstlerfest des Landesverbandes Sachsen-Anhalt alterierend mit den Hallischen Musiktagen nur noch zweijährlich statt. Glücklicherweise konnte aber die jährliche Kontinuität des Jugend-Kompositions-Wettbewerbs bewahrt werden. Denn Unterbrechungen, gerade die heranwachsende Generation betreffend, können in kurzer Zeit zerstören, was in langen Jahren aufgebaut wurde. So konnte dieser Wettbewerb, der seit 1994 in Kooperation mit dem k.o.m.-Musikverlag durchgeführt wird, nunmehr zum 19. Mal ausgeschrieben werden. Am 24.11. fand das Preisträgerkonzert im Konservatorium Georg Philipp Telemann Magdeburg statt. Dank des persönlichen Einsatzes einiger Mitglieder des Landesverbandes Sachsen-Anhalt konnte am Abend desselben Tages ein Chorkonzert in der Kathedrale St. Sebastian organisiert werden. So gelang durch die Initiative von Matthias Mück und Christian Hoffmann die Durchführung eines festlichen Tonkünstlertages oder auch eines kleinen 21. Tonkünstlerfestes.

Das diesjährige Preisträgerkonzert des 19. Jugend-Kompositions- Wettbewerbes war wie immer mit dem Jahreskonzert der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt gekoppelt. Es fand in bewährter Kooperation mit dem Konservatorium und der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt statt. Die Werke der jungen Nachwuchskomponisten und die Uraufführungen der preisgekrönten Kompositionen des 19. Wettbewerbes wurden von den engagierten Musikern des Ensembles Sinfonietta Dresden unter dem Dirigat von Milko Kersten zum Klingen gebracht. Der Wettbewerb war in diesem Jahr für eine Komposition bei freier Auswahl nachstehender Instrumente und deren Kombination ab Duobesetzung ausgeschrieben: Oboe, Tuba, Schlagzeug, Klavier, Violine, Viola, Violoncello. Die Teilnehmer der Kammermusikwerkstatt Junger Komponisten, die innerhalb des Jugendmusikfestes Sachsen- Anhalt stattfindet, waren ebenfalls in die Ausschreibung einbezogen – bereits zum neunten Mal.

19. Jugend-Kompositions- Wettbewerb Sachsen-Anhalt

In diesem Jahr konnte die Jury unter den Einsendungen von Nachwuchskomponisten aus Baden-Württemberg, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen voten. Zur Jury gehören die Komponisten Thomas König, Klaus- Dieter Kopf, Peter Petkow sowie beratend der Verleger Frank Helfrich und Dr. Sigrid Hansen. Seit 2011 wird zum Gedenken des Mitbegründers und Ideengebers des Komponisten, Musikers und Verlegers Klaus Obermayer ein Klaus-Obermayer-Förderpreis von der Witwe des Komponisten ausgelobt. In diesem Jahr erhielt ihn die zwölfjährige Celine Hülsemann aus Magdeburg für ihr Stück „Strange“. In ihrer Komposition verband sie eine einfache Melodie in verschiedenen Variationen mit der sonst eher ungewöhnlichen Besetzung Oboe, Viola und Marimba. Den 3. Preis erhielt der 1995 in Magdeburg geborene Alexander Dolge für sein Stück „Metamorphose“ für Oboe, Tuba, Percussion, Klavier, Violine, Viola und Violoncello. Sein Stück lebt von Klängen und Klangteppichen, die sich ständig wandeln und vom Zuhörer unterschiedlich interpretiert werden dürfen. Für das „Quintermezzo“ – eine Wortspielerei aus Quintett und Intermezzo – von Fabian Luchterhandt, ebenfalls Jahrgang 1995, konnte die Jury einen 2. Preis vergeben. Das Stück ist für Oboe, Klavier und Streichtrio geschrieben. Fabian Luchterhandt besucht das Gymnasium in Heidelberg und ist Jungstudent in Mannheim an der Musikhochschule. Sein Stück setzt sich aus neun kleinen Abschnitten zusammen, jeweils drei leicht unterschiedliche Varianten von drei kontrastierenden Abschnitten a, b und c, die etwa nach der Form a1-b1-a2-c1-b2-c2-a3-b3-c3 angeordnet sind.

Erster Preis erscheint im k.o.m.-Musikverlag

Der erste Preis ging nach Dresden an Susanne Hardt für die Komposition „Ein seltsamer Gast“ für Violine und Klavier. Dieses Stück wird nun als 1. Preis vom k.o.m. musikverlag ediert. Susanne Hardt hat gerade ein Musikstudium in Dresden begonnen und schreibt selber über ihr Werk: „Das Stück ‚Ein seltsamer Gast‘ stellt ein kleines, verschrobenes, irgendwie eigenartiges Männlein dar, das die geordneten Verhältnisse, in denen es so unerwartet und plötzlich aufkreuzt, gehörig durcheinander bringt.“

Diese vier sehr unterschiedlichen und anspruchsvollen Kompositionen bildeten den Abschluss des Jahreskonzertes der Komponistenklasse Sachsen- Anhalt und forderten noch einmal den ganzen Einsatz der Musikerinnen und Musiker des Ensembles Sinfonietta. Sie gestalteten unter der Leitung von Milko Kersten einfühlsam und souverän das gesamte inhaltsreiche, erfrischende und abwechslungsreiche Konzert, das für die Schülerinnen und Schüler der Komponistenklasse sowohl ein Höhepunkt bei ihrem jährlichen Arbeiten darstellt als auch in diesem Jahr gleichzeitig Abschluss eines zweitägigen Workshops mit der Komponistin Charlotte Seither war, der vom Musikalischen Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt angeboten wurde.

Regelmäßige Workshops mit bekannten Komponisten bereichern seit einigen Jahren die Arbeit der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt, in der sich derzeit Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 25 Jahren mit den Grundlagen des Komponierens befassen. Am Beispiel historischer Kompositionsstile werden kompositorisch- handwerkliche Fähigkeiten erlernt. Eine genauere Beachtung finden dann Kompositionen des 20./21. Jahrhunderts. Dieser Prozess geht weit über das Komponieren von Studien in „fremden“ Stilen hinaus. Bei manchen Schülern wird dabei eigenes Komponieren ausgelöst. Dieses steht dann neben dem weiteren kontinuierlichen Erarbeiten musikalischer Sprachen aus vergangenen Zeiten im Mittelpunkt des Unterrichts. Bei den im Jahreskonzert vorgestellten Kompositionen kann man gut die Fortschritte der einzelnen Schülerinnen und Schüler im Vergleich zum Vorjahr beobachten. Die zahlreichen kleinen Kompositionen sind stets sehr abwechslungsreich durch verschiedene Klangkombinationen, tonale und rhythmische Experimente und oftmals unkonventionelle Einfälle.

Neuer Magdeburger Kammerchor: überzeugend

Der Abend des 24. Novembers war der Vorabend zum Ewigkeits- und Christkönigssonntag und so ergänzte ein besinnliches Konzert unter dem Motto „O Ewigkeit …“ den Tonkünstler- Konzerttag. Es erklang alte und neue geistliche Chormusik von Magdeburger Komponisten sowie Komponisten aus der Region mit verbindenden Orgelimprovisationen und einer Uraufführung für Orgel solo von Bernhard Schneyer. Der Neue Magdeburger Kammerchor mit seinen jungen motivierten Sängern sang unter der Leitung von Christian Hoffmann. In und um Magdeburg herum wirkten im 16. Jh. und beginnenden 17. Jh. zur Zeit der Reformation einige hörenswerte und seinerzeit einflussreiche Komponisten und Musiker. Und so standen Namen wie Martin Agricola, Gallus Dressler, Friedrich Weiensee und andere auf dem Programm. Verbindend zur heutigen Zeit erklang die Komposition „O Ewigkeit“ für Chor a cappella des 1937 in Magdeburg geborenen Komponisten Jens-Uwe Günther. Der Neue Magdeburger Kammerchor, der sich erst im September 2009 zusammenfand, überzeugte im gesamten Konzert durch klare, durchsichtige Klanggestaltung, sehr saubere Intonation, frische junge Stimmen und souveräne Leitung von Christian Hoffmann. Den Sängern war die Freude am Singen anzusehen und das Ergebnis mehr als überzeugend.

Facettenreiches Orgelspiel

An der Orgel war der Kathedralmusiker Matthias Mück zu hören. Er improvisierte über thematisch ergänzende Choräle zwischen den Chorsätzen und spielte eine Uraufführung des Magdeburger Komponisten Bernhard Schneyer für Orgel solo mit dem Titel „Blue Moon“. Der Titel spielt auf das relativ seltene Ereignis eines zweiten Vollmonds im Monat an, das Schneyer in diesem Jahr gemeinsam mit seiner Familie an der Ostküste der USA erlebt hat. Einige Einflüsse aus Erlebnissen dieser Zeit spiegeln sich in der Art und Weise der musikalischen Textur des Stückes wider, die geprägt ist durch eine totale Reduzierung der musikalischen Mittel auf eine fast tonale Choralstruktur, welche aber immer wieder an etwas unerwartete Wendepunkte gerät. Matthias Mück glänzte vor allem mit einer improvisierten Choralfantasie über „O Ewigkeit, du Donnerwort“, die er im Stile Max Regers hielt, der selber diesen Choral nie bearbeitete. Insgesamt überzeugte Mück durch facettenreiche Registrierungen der 2005 erbauten Eule-Orgel und virtuoses Spiel.

Zusammenarbeit mit dem Musikalischen Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt

Dank der Zusammenarbeit mit dem Musikalischen Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt konnte durch zwei weitere Veranstaltungen des Musikalischen Kompetenzzentrums der Tonkünstlertag eingerahmt und erweitert werden. Am 23.11. stellte sich die in Berlin lebende Komponistin Charlotte Seither in einem Gesprächskonzert vor – im Zusammenhang mit oben genanntem Workshop mit der Komponistenklasse. Am Sonntag widmete das Musikalische Kompetenzzentrum Dorothea Schuffenhauer ein Komponistenportrait. Sie lebt und arbeitet vor allem als Klavierpädagogin in der Umgebung von Magdeburg und ist zugleich Schatzmeisterin unseres Landesverbandes Sachsen-Anhalt. Durch die Erweiterungen konnte ein musikalisches Umfeld mit einem breiten Klangspektrum geschaffen werden, so dass im Magdeburger November-Kulturkalender ein kompaktes Angebot Neuer Musik aus der Region zur Auswahl für die Interessierten – nicht zuletzt für die Nachwuchskomponisten – stand.

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