Fulminantes Klangerlebnis der Extraklasse

Musikalisch-festlicher Auftakt zum Fortbildungsjahr 2020 des TKV Bayern


(nmz) -
München. Um das Fortbildungsjahr des Tonkünstlerverbandes Bayern musikalisch hochkarätig einzuläuten, versammelte sich Ende Januar 2020 ein illustres Publikum im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Zu diesem musikalischen Auftakt der besonderen Art konnte der Verband ein ausgezeichnetes Ensemble auf die Bühne holen, das in dieser Formation seine Premiere feierte. Der Festsaal mit der weitläufigen, charakteristischen Bühne samt pompösem Wandteppich im Hintergrund, gedeckten, majestätisch anmutenden Farben und nicht minder eindrücklichen Kronleuchtern unterstrich optisch anregend die Einzigartigkeit des Abends.
Ein Artikel von Theresa Henkel

Alfredo Perl am Klavier, Ingolf Turban an der Violine und Wen-Sinn Yang am Violoncello, die jeweils auch als Dozenten im Fortbildungsangebot des Tonkünstlerverbandes Bayern in diesem Jahr tätig sein werden, zeichneten an diesem Abend für ein äußerst anregendes, musikalisches Klangerlebnis verantwortlich. Natürlich durfte Ludwig van Beethoven als Jubilar nicht fehlen und so eröffnete das Ensemble den Abend mit dem Klaviertrio in B-Dur op. 97, das landläufig auch als „Erzherzogtrio“ bekannt ist. Der Komponist widmete das Stück 1811 seinem damaligen Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich und trat auch selbst 1814 als Interpret des Werkes am Klavier auf. Es sollte, da Beet­hovens Taubheit bereits fortgeschritten war, sein letzter öffentlicher Auftritt bleiben. Besonders die nuancenreiche, kristallklare und zugleich sensible Interpretation der drei Künstler überzeugte.

Nach der Pause brillierten die erstklassigen Instrumentalisten mit Johannes Brahms’ Klaviertrio in H-Dur op. 8. Die geringe Verzeichniszahl sollte wie so oft bei diesem Komponisten allerdings nicht trügen, denn nachdem er bereits 1854 eine Urfassung publizierte, unterzog Brahms das Werk über 30 Jahre später einer umfassenden Revision. Die frühe Fassung war zwar Zeit seines Lebens überaus beliebt, allerdings ließ Brahms am Ende nur das Scherzo fast unberührt und setzte mit dem Rotstift an. So änderte er die drei anderen Sätze teils massiv, indem er Themen, Episoden und Überleitungen komplett strich oder ersetzte. Zum Beispiel entfernte Brahms die ursprünglich integrierten Einwürfe der Violine in der Exposition des ersten Satzes, um die sein Freund und Künstlerkollege Joseph Joachim in den 1850er-Jahren explizit gebeten hatte. Allein der erste Satz ist in der späten Fassung gut 200 Takte kürzer. Spiegelt die frühe Fassung Brahms’ geradezu ausbruchsartigen Romantizismen wider, begegnet uns in der jüngeren Version ein reifer Komponist.

Der Abend bot wie der Großteil heutiger Konzertprogramme die um fast ein Viertel gekürzte, revidierte Fassung. Die Interpretation erreichte nach dem Trio von Beethoven und einer wohlverdienten Pause seinen musikalischen Höhepunkt im Schlusssatz von Brahms’ bedeutendem Trio. In etwas mehr als zwei Stunden wurde das Publikum so Zeuge von knapp 100 Jahren hochklassiger Musikgeschichte, deren Eckpunkte die beiden Trios eindrucksvoll unterstrichen und die von den Musikern meisterhaft inszeniert wurden.

Mit einer Zugabe, der dritten Dumka „Andante – Vivace ma non troppo“ in A-Dur beziehungsweise a-Moll aus Antonín Dvoráks Klaviertrio, op. 90, entließen die Musiker das Publikum in eine romantisch angehauchte Nacht, in der die Zuhörer nach tosendem Applaus „nach Hause schweben konnten“, wie der Geiger Ingolf Turban treffend vorhersagte.

 

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