Hygienezertifikat für Kulturveranstalter und Kultureinrichtungen

NEUSTART KULTUR und ein „Beitrag zur nachhaltigen Stabilisierung der Branche“


(nmz) -
Bis zu sechs Millionen Euro werden für ein Zertifizierungsverfahren aus Mitteln des Rettungs- und Zukunftspaketes NEUSTART KULTUR ausgegeben. Hierzu hat Eckhart Fischer, Vorstandsvorsitzender des Jazzverbands Baden-Württemberg und Berater des Tonkünstlerverbandes Baden-Würt­temberg, nachfolgende Meinung.
Ein Artikel von Eckhart Fischer

In einer Pressemitteilung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Claudia Roth vom 15. September 2022 wird Kulturveranstaltern und Kultureinrichtungen ein neues Hygienezertifikat als „Beitrag zur nachhaltigen Stabilisierung der Branche“ angeboten.

Die ehrenamtlichen Veranstalter haben viel Zeit, Energie und Geld verwendet, um in der Pandemiezeit ihre Räume fit zu machen für den Betrieb unter Pandemiebedingungen. Ergebnis dieser zeitintensiven Bemühungen waren individuelle Hygienekonzepte, die, den zuständigen Behörden übermittelt, die Grundlage eines Weiterbetriebs unter zum Teil sehr schwierigen Bedingungen ermöglichten. Die Ehrenamtlichen, die diese Arbeit geleistet haben, sind nun erschöpft und am Limit, da diese Arbeiten den Veranstaltungsbetrieb über Gebühr belastet haben. Nun müssen diese Menschen, die all ihre Kraft in die Pandemiebewältigung gesteckt haben, erfahren, dass ein Betrag von bis zu sechs Millionen Euro aus dem Rettungs- und Zukunftspaket NEUSTART KULTUR für eine in unseren Augen völlig unnötige Zertifizierung ausgegeben wird, den die Veranstalter dringend zu ihrer Existenzsicherung und zum Wiederaufbau verloren gegangener Strukturen gebraucht hätten.

Für fast jede Einrichtung existieren individuelle und funktionierende Hygienekonzepte, die den Besucherinnen und Besuchern von Veranstaltungen transparent die entsprechenden Regelungen und Verhaltensweisen zur Kenntnis geben. Ein „Zertifikat“ bringt keinerlei Mehrwert und alimentiert nur ein weiteres Geschäftsmodell, dessen Arbeitsergebnisse von den Veranstaltern weder benötigt noch gewünscht waren und sind. Wenn nun auch noch in einem eventuellen Folgeschritt Förderungen vom Vorhandensein dieses „Zertifikats“ abhängen sollten, wäre das eine weitere Benachteiligung ehrenamtlich tätiger Veranstalter.  Das weitere Sterben von ehrenamtlichen Kultureinrichtungen wäre vorprogrammiert, zumal eine „Selbstzertifizierung“, die per Formular frei gestaltet werden kann, völlig unverbindlich und wertlos ist. Wir werden diese Zertifizierung nicht empfehlen und bedauern zutiefst, dass die Kosten für diese Zertifizierung nicht dem Kulturbetrieb selbst zu Gute gekommen sind.

 

 

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