Kammermusik in Coronazeiten

Ein bemerkenswertes Projekt im Hintertaunus


(nmz) -
Die FTKB-Mitglieder Ulli Ernst und Birgit Bach-Ernst konnten durch ein Stipendium der Hessischen Kulturstiftung den Corona-bedingten Ausfall der schulischen musikalischer Projekte mit ihrem Kammermusikprojekt abfangen.
Ein Artikel von Ute-Gabriela Schneppat

Die Christian-Wirth-Schule in Usingen ist ein Gymnasium mit Schwerpunkt Musik. In normalen Zeiten gibt es eine Vielzahl an musikalischen Projekten – vom Chor und Orchester bis hin zur Jazz-AG. Durch Corona fielen alle schulischen musikalischen Projekte aus. In dieses musikalische Vakuum fiel das vom Ehepaar Ernst initiierte Kammermusikprojekt auf fruchtbaren Boden. Finanziert durch ein Stipendium der Hessischen Kulturstiftung boten die beiden Klavierpädagogen Schülern die Möglichkeit, kostenlos gemeinsam mit anderen zu musizieren. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich 43 Schüler in insgesamt 20 Ensembles an. Die Besetzungen reichten von vierhändig Klavier über Klavier mit Melodieinstrument (Violine, Violoncello, Oboe, Klarinette & Querflöten) bis hin zu Singstimmen mit Klavierbegleitung. Bemerkenswert war dabei auch die große Altersspanne der teilnehmenden Schüler*innen von Zweitklässler*innen bis zu Schüler*innen des aktuellen Abitur-Jahrgangs.

Mit Unterstützung der Instru­mental­lehrer*innen der beteiligten Schüler*in­nen wurden rasch geeignete Stücke ausgewählt und auch teilweise die Stimmen im Einzelunterricht erarbeitet. In den Herbstferien und auch an den Wochenenden vor dem Lockdown wurden dann gemeinsam mit dem Ehepaar Ernst die Stücke mit großer Begeisterung bis zur Aufführungsreife einstudiert: „Kammermusik ist ein Prozess des gemeinsamen Atmens, einer Zweisamkeit, die auf Körpersprache basiert. Diese andere Nähe, die ich zur Musik erlebe, habe ich durch Herrn Ernst finden können,“ so Anna Meyer-Bretschneider.

„Kammermusik bietet einen super Ausgleich zum Homeschooling! Normalerweise würde ich im Chor der CWS mitsingen und im Schulorchester Klarinette spielen. Deshalb bin ich froh darüber, wenigstens im kleinen Kreise zu musizieren,“ so Noah Schümmer.

„Beim Kammermusikprojekt haben wir nach und nach schöne Stücke kennengelernt. In der Zeit des gemeinsamen Übens konnten wir uns immer mehr einspielen und einander anpassen. Dabei hatten wir viel Spaß!“ Luisa Priebe und Antonia Lappe

Mit dem Lockdown konnte dann leider nur noch eingeschränkt gemeinsam musiziert werden. Mit viel Fantasie konnte mit Videocalls und -Tutorials die gemeinsame Arbeit weiter gehen.

Für alle Schüler*innen war das gemeinsame Musizieren ein gewaltiger Motivationsschub. Einige haben an ihrem Instrument einen regelrechten Sprung gemacht. Für Alle war das Erleben, wie das gemeinsame Musizieren Energien bündelt und verstärkt, ein beeindruckendes Erlebnis. Und ein messbares Ergebnis für den Erfolg dieser gemeinsamen Arbeit waren zwei 1. Preise im Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“.

Aber das Kammermusikprojekt hat noch mehr bewirkt: Es sind durch dieses Projekt Freundschaften entstanden. Bereits bestehende Freundschaften haben sich durch das gemeinsame Musizieren vertieft. Und in den Zeiten der Einschränkungen konnte das gemeinsame Musizieren nicht nur Sinn geben, sondern bot auch eine willkommene Abwechslung vom doch mühsamen Fernunterrichtsschulalltag. Musik machen ist eben so viel mehr, als „nur“ Musik …
  

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