Klänge und Figuren

Konzert zu Ehren Helmut Bielers mit Marina Palmer-Wulff und Wolfram Graf


(nmz) -
Bayreuth. Muss man eine Konzertreihe in sachgerechte Portionen einteilen? Leider zwingt Corona die Veranstalter dazu.
Ein Artikel von Hans Schmidt-Mannheim

So geschah es auch beim längst geplanten zweiten Abend der Ehrung für den Bayreuther Komponisten Helmut Bieler. Das Programm war mit Bieler und seinem Komponistenfreund Wolfram Graf für das Festival 2018 bereits einstudiert. Durch die Krankheit Bielers musste es am Tag der geplanten Aufführung abgesagt werden. Im Oktober 2020 durfte, zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten, dieses Programm mit Marina Palmer-Wulff und Wolfram Graf an den Klavieren aus dem Haus der Manufaktur Steingraeber endlich stattfinden. Die Besetzung mit den beiden Künstlern erwies sich als überaus glücklich. So konnten sich die Zuhörer außer Werken von Igor Stravinsky und Werner Heider, wie ursprünglich geplant, auch mit Kompositionen von Helmut Bieler und Wolfram Graf auseinandersetzen.

Bielers „Klänge und Figuren“ für zwei Klaviere von 1987 mit ihren klaren melodischen Figuren, gesetzt gegen Akkordblöcke und angezupfte Klaviersaiten, hatten eine starke Wirkung in einem ausgesprochen ruhigen Umfeld. Leicht fassliche Psychogramme könnte man die impressionistischen Sieben Stücke für sieben Frauen von 1981 nennen, von denen zwei vorgestellt wurden. Das Programm des Abends hatte Wolfram Graf mit einer animierenden, tonal orientierten Fest-Ouvertüre Opus 194/4 für zwei Klaviere eröffnet. Seine stimmungsvolle „Collage“ Opus 215 hat ihren Ursprung in einem viersätzigen Werk für eine größere Besetzung. Die früh entstandene „Impression“ Opus 28/4 für zwei Klaviere bestach durch klare Linearität im tonalen Raum.

Werner Heider widmete seinem Freund und Wegbegleiter im Jahr 2019 mit „In Memoriam Helmut Bieler“ das Werk „Zentrum H.B.“ für Klavier solo. Konzentriert in Form und Material erwies sich der inzwischen neunzigjährige Komponist als wichtige Stimme in unserer zur Einfachheit neigenden Zeit. Überflüssig zu betonen, dass zum Schluss des Programms die dreisätzige Sonata für zwei Klaviere von Igor Strawinsky für die beiden Interpreten alle Möglichkeiten bot, den Einfallsreichtum des Komponisten in Kontrapunkt und Rhythmus darzustellen.

 

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