Komponist und Musikwissenschaftler

Nachruf Prof. Dr. Heinrich Poos


(nmz) -
Am 19. August 2020 ist Heinrich Poos in seinem Geburtsort Seibersbach in der Pfalz verstorben.
Ein Artikel von Adelheid Krause-Pichler

In seiner Jugend erlebte er durch die Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs schwierige Zeiten, zumal sein Vater, Dr. Heinrich Poos, als evangelischer Pfarrer inmitten der dreißiger Jahre in den sogenannten Kirchenkampf geriet, und infolgedessen denunziert und strafversetzt wurde. Nach der Zerstörung des Wohnhauses in Berlin wird der Vater nach Brandenburg versetzt, der Sohn Heinrich kommt in ein Internat in Klein-Glienicke und macht sein Abitur an der Humboldt-Oberschule in Potsdam. Er erhält ein Stipendium für das Mathematikstudium, die Immatrikulation an der Humboldt-Universität wird aus politischen Gründen jedoch verweigert.

Er entscheidet sich für ein Studium an der Berliner Kirchenmusikschule, studiert bei Ernst Pepping, Gottfried Grote und wirkt 1949 bei der Uraufführung von Peppings „Heut und ewig“ mit. 1954 folgt die große Kirchenmusikprüfung zum Organisten und Chorleiter. Bis 1957 absolviert er ein Kompositionsstudium bei Ernst Pepping und ab 1955 – 1970 hat er verschiedene Stellen als Kirchenmusiker in Berlin inne.

Seit 1961 schreibt er erfolgreiche Chorkompositionen, es folgen Preise und Veröffentlichungen ( Schott-Verlag). 1964 promoviert er zum Dr. phil. der Musikwissenschaft und erhält 1965 einen Lehrauftrag an der TU-Berlin sowie 1968 den Lehrauftrag für Musiktheorie am Julius-Stern-Institut. 1971 folgt die Berufung zum Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik. Als Bundeschorleiter und Mitglied des Musikausschusses im Deutschen Sängerbund widmet er sich als Komponist zahlreichen Chorkompositionen von Volksliedsätzen bis zu gro­ßen Chorwerken, erhält mehrere Kompositionspreise und zahlreiche Aufführungen renommierter Chöre mit Rundfunk- und Platteneinspielungen.

Als Musikwissenschaftler beschäftigte ihn zeitlebends die Kompositionskunst J.S. Bachs und vor allem C.P.E. Bachs. Viele musikwissenschaftliche Aufsätze zeugen von seiner akribischen Analyse sowie von tiefgründigen Frage­stellungen.

Für seine Verdienste für die deutsche Chormusik erhielt er 1987 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1991 den Kompositionspreis der AG Europäischer Chorverbände und 2013 die Geschwister Mendelssohn-Medaille des Berliner Chorverbandes.

Viele engagierte Studenten hat er gefördert und mit ihnen jahrzehntelange intellektuelle Konversation geführt. Ein Professor der alten Schule, der fehlen wird.

 

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