Literarisch und musikalisch anspruchsvoll

Eine glanzvolle Fontane-Soiree im Potsdam-Museum


(nmz) -
Die „Musikalisch-literarischen Soireen“ in Potsdam – initiiert von Marianne Boettcher – haben am 1. Juni 2019 im Potsdam-Museum den märkischen Dichterfürsten Theodor Fontane zu seinem 200. Geburtstag eindrucksvoll in Wort und Ton geehrt.
Ein Artikel von Matthias Müller

Ein Quartett aus drei Musikern und einem Sprecher gestaltete ein literarisch und musikalisch gleichsam ansprechendes Programm. Die ungewöhnliche Besetzung von Flöte (Birgitta Winkler), Harfe (Nathalie Amstutz) und Gisbert Näther auf dem Horn trafen auf den Musikwissenschaftler und Kulturredakteur Klaus Büstrin. Dieser stellte Alfred Kerrs „Jubelgreis“ neben konkrete Fontanewerke wie „Summa summarum“, „Die Alten und die Jungen“,  „Anfragen an den Dichter“, „Der Stechlin“ in Briefen und Auszügen aus dem ersten Kapitel bis hin zum unverzichtbaren „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Dazu erklangen passende Musiken von Zeitgenossen oder Nachgeborenen Fontanes als kontrastreicher Gegenpol. Das erste Musikwerk bildete, für die meisten Besucher bisher ungehört, eine Serenade für diese seltene kammermusikalische Besetzung von Cesar Bresgen (1913–88). Die viersätzige Serenade spielt mit musikalischen Rückerinnerungen an die großen Romantiker bis hin zu Ravel und Debussy. Eine fantastische Balance zwischen den so verschiedenen Instrumenten konnte hier registriert werden. Die Harfenistin bewies die Kongenialität ihres Instrumentes in solistischen Passagen als auch in der Begleitung der beiden Soloinstrumente. Der Hornist und Komponist Gisbert Näther steuerte eine Uraufführung in Form eines Melodrams bei. Die fiktive Begegnung des Dichters mit dem großen Friedrich in „Auf der Treppe von Sanssouci“ war neben seiner zeitgenössischen Grundstimmung offen für allerlei musikalische Anleihen. Das „königliche Thema“ aus J. S. Bachs „Das musikalische Opfer“ – lupenrein auf dem Horn intoniert und über Flöte und Harfe kontrapunktisch aufgenommen und bearbeitet – stand neben den Zitaten aus einer Flötensonate von Friedrich II. Alles zusammen kunstfertig in den Text eingewoben. Der Dialog zwischen dem alten König und dem Dichter geriet zu einer Glanzrolle für Klaus Büstrin, der selbst in rezitativischen Gesang übergehen konnte. Die Wiedergabe eines früheren Näther-Opus „Der gefangene Vogel“ hatte eine Paraderolle für die stets hervorragend disponierte Flötistin bereit, die bereits davor mit dem „Divertissement Nr. 6 cis-Moll“ von Friedrich Kuhlau zu brillieren verstand. Théodore Dubois (1837–1924), Georges Barboteu (1924–2006) und letztendlich Jacques Ibert (1890–1962) mit „Entr’acte“ für Flöte und Harfe bildeten weitere musikalische Quellen. Ein erfüllender Nachmittag in Wort und Ton.

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