Neue Musik in Brüggen

Neues aus dem Landesmusikrat Nordrhein/Westfalen


(nmz) -
Am Sonntag, dem 3. Juli, schien in Brüggen am Niederrhein, wie vielerorts in Deutschland auch, die Sonne. In der Stadt und auf der Burg Brüggen fand ein großes Fest statt, mit Musik unter freiem Himmel, Tanz, Würstchen, Wein und Bier. Mittendrin, in der Kirche St. Nikolaus, servierte das Jugendzupforchester NRW zusammen mit Schlagzeugern des Ensembles SPLASH ein Kontrastmenü: Neue Musik für Zupfinstrumente und Schlagzeug, präsentiert vom Dirigenten Christian de Witt.
Ein Artikel von Michael Bender

 

Das Konzert wurde eröffnet mit „Song of Japanese Autumn“ des japanischen Komponisten Yasuo Kuwahara. Sollen westliche Komponisten den Herbst beschreiben, sind sie meist geneigt, die Freuden der Erntezeit, des Weins und der bunten Farben der Blätter zum Sujet zu nehmen. Kuwaharas japanischer Herbst hingegen ist eher von der Melancholie des Regens, des Winds, der unruhigen See und des nahenden Winters geprägt. Er bedient sich hierbei einer spätromantischen Tonsprache, die alle Facetten der eingesetzten Instrumente, Mandolinen, Gitarren und ein Bass, gut zur Geltung bringt.

Japan war auch das Thema des nächsten Werks: „Nippon bebt“ von Dieter Kreidler setzt sich musikalisch mit den erschreckenden Ereignissen vom März 2011 auseinander. Sebastian Gokus ergänzte das vorzüglich agierende Jugendzupforchester mit drohenden und dröhnenden Paukenwirbeln. 

Es folgte Dietrich Erdmanns Concertino für Xylophon, Marimbaphon und Zupforchester. Lyrische Abschnitte, die ganz auf die erstaunlichen Klangfarben des Vibraphons setzten, wechselten sich ab mit wirbelnden Marimbapassagen, die von Marcel Morikawa virtuos dargebracht wurden. Marcel Morikawa ist Jungstudent der Musikhochschule in Köln und seit einigen Jahren einer der wichtigsten Aktivposten des Ensembles SPLASH – Perkussion NRW

Eine Bearbeitung des Dirigenten war Ottmar Gersters Capriccietto für vier Pauken und Zupforchester, in dem Sebastian Gokus bewies, dass die Pauke nicht nur in ihrer traditionellen Funktion als Bass für eine Trompetengruppe oder eines ganzen Orchesters ihre Daseinsberechtigung findet, sondern auch solistischen Aufgaben gewachsen ist.

Für das Festival „Europas Junger Klang“ im Rahmen der „RUHR.2010“ im vergangenen Herbst in Witten arrangierte Christian de Witt „Madame Ching, Lady Pirate“ von Stefan Hakenberg. Die 28 Musikerinnen und Musiker des Orchesters freuten sich, den Henze-Schüler in Brüggen unter den Zuhörern zu sehen, dem die Interpretation seines Werkes sichtlich gefiel.

So dankte das Publikum auch am Ende mit reichlich Applaus und begab sich wieder zurück zum Brüggener Stadtfest und in die fast südliche Sonne.

Das Konzert wurde im Auftrag des Landesmusikrats NRW von Ertan Erdogan filmisch dokumentiert. Unter dem Stichwort „JugendZupfOrchester Brüggen“ kann man Auszüge des Konzerts auf www.youtube.de erleben. Interviews mit Dr. Christian de Witt und mit jungen Musikern runden das Video ab.

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