Noten-Tipps 2017/12

Von Regine Schultz-Greiner und Eckart Rohlfs


(nmz) -
Rudolf Mauersberger (1889–1971): Der kleine Melchior und das Weihnachtskind. RMWV 2.4 (1945/1946). Eine Weihnachtslegende auf einen Text von Kurt Arnold Findeisen für gemischten Chor, Sopran solo und Klavier, herausgegeben von Gerhardt Uhle. Partitur. Ed. Merseburger +++ Michelangelo Rossi (1601/02–1656): Toccata settima, bearbeitet für Streichquartett von Thorsten Schmid-Kapfenburg (2017). Partitur und Stimmen, Verlag Neue Musik Berlin +++ Georg Philipp Telemann (1681–1767): Concerto B-A-CH für 2 Solobratschen, Viola da braccio/da gamba) und Basso continuo, B-dur. Erstausgabe und Generalbass von Klaus Hofmann. Partitur und Stimmen Ed. Walhall +++ Gunther Tiedemann: The Groove String ConneXion. 12 Stücke für Streicherensemble. Breitkopf & Härtel
Ein Artikel von Eckart Rohlfs, Regine Schultz-Greiner

Rudolf Mauersberger (1889–1971): Der kleine Melchior und das Weihnachtskind. RMWV 2.4 (1945/1946). Eine Weihnachtslegende auf einen Text von Kurt Arnold Findeisen für gemischten Chor, Sopran solo und Klavier, herausgegeben von Gerhardt Uhle. Partitur. Ed. Merseburger 9324

Der inmitten des Erzgebirge geborene spätere Kreuzkantor in Dresden vertonte in den Weihnachtstagen 1945 für seinen Dresdner Kreuzchor  diese herzige kantatenähnliche Weihnachtsgeschichte nach einem Text von Kurt Arnold Findeisen, uraufgeführt am 1. Advent 1946 in Olbernhau/Annaberg. In  dem durchaus anspruchsvollen Chorsatz nebst farbiger Klavierbegleitung erahnt man ein wenig die Tradition des erzgebirglichen Weihnachtskolorits.

Michelangelo Rossi (1601/02–1656): Toccata settima, bearbeitet für Streichquartett von Thorsten Schmid-Kapfenburg (2017). Partitur und Stimmen, Verlag Neue Musik Berlin, NM 2637

Was bewegt den jungen Dirigenten Thorsten Schmid-Kapfenburg, eine für Tasteninstrument geschriebene Komposition des aus Genua stammenden Musikers neu zu instrumentalisieren? Es muss die Gemeinsamkeit von Vitalität, Leichtigkeit und Farbigkeit sein, welche die vier Streicher ineinandergreifend ausstrahlen, 5 Minuten heitere Züge, die von diesen gerade mal 100 Takten ausgehen.

Georg Philipp Telemann (1681–1767): Concerto B-A-CH für 2 Solobratschen, Viola da braccio/da gamba) und Basso continuo, B-dur. Erstausgabe und Generalbass von Klaus Hofmann. Partitur und Stimmen Ed. Walhall EW 1013

Abschied von Telemanns 250-Jahre-Gedenktag: ein typisches Doppelkonzert in italienischem Gusto nach der vom Darmstädter Hofkappellmeister Christoph Graupner handschriftlich überlieferten Partiturabschrift.

Nun möge man testen und wählen, welche Fassung besser in den Ohren liegt, stilistisch besser passt, Graupners transponierte Bearbeitung für Oboe, Violine, Viola und Generalbass in D-Dur, so registriert in Telemanns Werkverzeichnis (TWV 51:D6), oder die hier vorgelegte rücktransponierte tiefere, mutmaßlich originale B-Dur-Fassung der Zeit mit ihrer Hommage,  „B-A-C-H an den Weimarer Freund“ mit den beiden konzertanten Bratschen-Partien (mit dritter Bratsche als Füllstimme). Auf die strukturelle Ähnlichkeit zu Bachs 6. Brandenburgischem Konzert weist Klaus Hofmann treffend hin.

Eckart Rohlfs

Gunther Tiedemann: The Groove String ConneXion. 12 Stücke für Streicherensemble. Breitkopf & Härtel KB 2300, 2015

Ob in der vorliegenden Quartett- oder der alternativ erschienenen Celloversion hat Tiedemann erfahrene Spielerinnen und Spieler im Auge, die mit den Spielarten des Bossa und Blues oder auch Spirituals vertraut sind. Ihnen steht ein 20 Stücke umfassendes Vergnügen zur Verfügung, diese Stile mit klassischem Instrumentarium zu realisieren. Wie genau die notierten Rhythmen zu lesen sind und wie die passenden Artikulationen zu spielen sind, entnehmen wir der beiliegenden CD/DVD, die auch Zusatzstimmen für ungewöhnlichere (Streicher-)Ensembleformate vorsieht.

Für die Nummern der ersten und dritten Stückfolge zeichnet Tiedemann als Komponist verantwortlich, der hier seine reiche Interpreten- und Pädagogenerfahrung hörbar bündelt. In der mittleren Spiritual Suite sind traditionelle Stücke Amerikas für Streichquartett so arrangiert, dass sie sich mit kantablem Spiel an die original gesungenen Versionen anlehnen. Tonarten, Stimmführung und Rhythmik sind eng am Instrument gewählt, ohne „leicht“ oder bequem sein zu wollen. Schriftbild und Artikulationen machen diese Stücke am ehesten für einen ersten Kontakt mit dem Genre geeignet. Künstlerischer Arbeit und Verfeinerung sind selbstverständlich keine Grenzen gesetzt, vielmehr gibt Tiedemann auch hier Ausführungs- und Probenhinweise, die in professionelles Arbeiten führen können.

Regine Schultz-Greiner

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