Pianist plant schon weitere Klavierabende

Gotthard Kladetzky spielte Werke von Schumann und Balakirew


(nmz) -
Trotz des regnerischen und stürmischen Wetters hatten am Freitagabend einige Musikfreunde den Weg in den Kammermusiksaal der Moerser Musikschule auf sich genommen, um das Konzert des Pianisten Gotthard Kladetzky zu besuchen. Zahlreiche aktuelle und ehemalige Schüler und Schülerinnen des Klavierlehrers der Moerser Musikschule waren unter den Zuhörern. Für das Programm des Klavierabends hatte sich Gotthard Kladetzky allerhand vorgenommen.
Ein Artikel von Jan Caspers

So begann das Konzert mit dem Klavierstück „Islamey“ des russischen Komponisten Milij Balakirew. Über diese „orientalische Fantasie“, die im Jahr 1870 in Moskau erstmalig aufgeführt wurde, sagte der deutsche Dirigent und Klaviervirtuose Hans von Bülow, sie sei eine der schwierigsten Kompositionen der gesamten Klavierliteratur.

Angeregt wurde Milij Balakirew zu seinem Klavierstück durch die traditionellen Volkstänze der Tscherkessen, eines Volksstammes im Nordkaukasus. Nach einer Reise in diese Region verarbeitete der Komponist die orientalisch anmutenden Tanzstücke zu einem Klavierwerk mit überaus hohen technischen Anforderungen. Während der Regen gegen die Fenster des Kammermusiksaales peitschte, glitten die Finger von Gotthard Kladetzky virtuos und energisch über die Tasten des Konzertflügels.

„Ich hätte ruhig noch eine Minute schneller sein können“, gab der Pianist im Hinblick auf das ungeheure Tempo des Stückes später augenzwinkernd zu. Mit der Komposition „Gaspard de la nuit“ des französischen Impressionisten Maurice Ravel spielte Gotthard Kladetzky im Anschluss ein Klavier werk, das laut Aussagen Ravels komponiert worden ist, um den Schwierigkeitsgrad von „Islamey“ noch zu übertreffen. Die Klavierkomposition ist in Anlehnung an drei Gedichte des Lyrikers Aloysius Bertrand entstanden und beschreibt in klanglich unterschiedlichen Stimmungsbildern das Spiel der Wassernixe „Ondine“, den abendlichen Anblick eines Erhängten am Galgen, sowie den teuf lischen Kobold „Scarbo“, der die Menschen im Schlaf stört. Nach einer kurzen Pause wurde das Konzert mit den „Bildern einer Ausstellung“ des russischen Komponisten Modest Mussorgski fortgesetzt. Das Werk wurde zunächst für das Klavier komponiert, ehe es von Maurice Ravel zur überaus bekannten Orchesterfassung umgeschrieben wurde. Der Klavierzyklus beschreibt eine Reihe von Gemälden und Skizzen des Malers Viktor Hartmann. Wie bereits im ersten Teil des Konzertes, gelang es Kladetzky auch hier, die unterschiedlichen Klangfarben der einzelnen Tondichtungen anschaulich darzustellen. Mit dem romantischen Klavierstück „Kind im Einschlummern“ aus dem Zyklus der „Kinderszenen“ von Robert Schumann verabschiedete sich der Pianist von seinem Publikum, das sich mit großem Beifall bedankte. Verwundert reagierte Gotthard Kladetzky, der viele Jahre Schüler von Claudio Arrau gewesen ist und seit fast 36 Jahren als Klavierlehrer an der Moerser Musikschule unterrichtet, auf Berichte, dass er mit dem Konzert seinen Ausstand geben würde. „Ich unterrichte momentan 35 Schüler an der Moerser Musikschule und plane mit ihnen bereits die nächsten Konzerte“, sagte Gotthard Kladetzky.

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