Populäre Schwergewichte

Neuerscheinungen der Popindustrie, vorgestellt von Sven Ferchow


(nmz) -
Neues von: The Killers, a-ha, Liam Gallagher, Pearl Jam und Wanda - kritisch durchgehört.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Die „narrischen“ Wanda aus Wien mit dem dritten Album. Mit einem noch unbedeutenderen Titel als zuvor „Amore“ und „Bussi“. Jetzt eben „Niente“. Muss man können. Titel vergeben. Zumindest schwelgt das Feuilleton. Die Wiener hätten nun ihre dunkle Seite entdeckt. Vorbei ist es mit Alkohol, Drogen, Wein, Weib und Gesang. Mit dem Abgang hantierten sie jetzt da, auf „Niente“. Meinen die Kritiker. Nun. „Niente“ zeigt vor allem, dass Wanda ganz großartige Songschreiber sind. Geworden sind vielleicht. Schon die ersten vier Songs sind Fatalismus pur. Zwischen Rock, Pop und Wanda. Denn: Man zitiert sich ganz großartig selbst („Wenn du weißt, wo du herkommst“), verneigt sich vor sich selbst („Ein letztes Wienerlied“) und schafft es doch, den Song ins Rampenlicht zu zerren. Statt der vermeintlichen eitlen Musiker, die sich da aalen könnten. Tun sie nicht. „Niente“ fängt stimmungsmäßig da an, wo „Mona Lisa der Lobau“ aufgehört hat. Und bitteschön. Ein endgeiler Basslauf wie in „Lieb sein“, ein Tumult wie „Das Ende der Kindheit“ oder diese wunderbare Hommage mit „Lascia mi fare“ an Italien und seine Musik – das ist Musik zum Mitmachen. Wanda hatten großen Druck. Glaubten wir. Doch „Niente“ ist Herz. Das wird live richtig krachen. (Vertigo)

Die Unbeugsamen aus Seattle. Die letzten Rockbüffel, wenn man so will. Pearl Jam versorgen ihre Fans wieder einmal mit einem All-inclusive-Paket. Den Dokumentarfilm „Let’s Play Two“ gab es zunächst im ausgewählten Kino zu sehen, dazu erscheint der Soundtrack in diversen Abspielvarianten. Hintergrund dieser Soundorgie sind zwei ausverkaufte Konzerte auf dem Wrigley Field in Chicago, das normalerweise dem Baseballteam der Chicago Cubs als Spielfeld dient. Dass jene nach Jahrhunderten just im Jahr der beiden Konzerte wieder einmal die World Series gewannen und zumindest Sänger Eddie Vedder einige Heimatgefühle in Chicago verorten kann, macht „Let’s Play Two“ zu einem doch sehr persönlichen Live-Erlebnis. (Republic)

Als sich Oasis trennten, war irgendwie klar, dass das für beide Gallagher-Brüder irgendwie nichts Gutes sein kann. Noel mag ein paar ordentliche Stampfer mit seinen „High Flying Birds“ veröffentlicht haben, doch Ruhm ist anders. Um Liam dagegen musste man sich wirklich sorgen. Ein paar rotzige Interviews, das war es auch schon. Aber Liam Gallagher lebt. „As you were“ ist sein erstes richtiges Soloalbum, denn sein Bandprojekt „Beady Eye“ war ja doch irgendwie gar nichts. „As you were“ dagegen ist sehr viel. Zwölf Songs lang lässt Liam Dampf ab. In guter alter Britpop-Manier. Rotzig, süffisant, kitschig aber brettehrlich. Nicht jeder Song wirkt sofort. Dafür reifen sie. Im Kopf. Im Unterbewusstsein. Besser als „As you were“ kann es für Liam Gallagher sicher nicht mehr werden. Hier gibt es nichts zu meckern. Die Gitarren, der Gesang, das Fundament. Könnte auch aus den guten Oasis-Zeiten sein. Was wären diese Songs für Hämmer, würden sie von Noel und Liam sein. Na gut. Kein Wunschkonzert hier. Aber eine klare Platte mit deutlicher Ausrichtung. Nach vorne. (Warner)

a-ha, die norwegische on/off-Band, spielt ein MTV-unplugged-Konzert zur Sommersonnenwende im heimischen Giske und nennt die zugehörige Platte „Summer Solstice“. Nach der ersten Überraschung, dass es MTV noch gibt, ist man noch mehr überrascht, wie uneigennützig a-ha ihre Akustiksongs aus dem Ärmel schütteln. Tolle Arrangements, dazu einige Gäste wie Ian McCulloch (Echo & The Bunnymen) oder Sängerin Alison Moyet. Ein gelungenes Album, das den kleinsten gemeinsamen Nenner trifft: Popmusik, die nicht nervt. (Island)

The Killers sind mit „Wonderful World“ wieder einmal sehr nervös unterwegs. Ohne Zweifel. Die ausla­denden, ausufernden und auslaufen­den Rockgesten haben sie immer noch drauf. Doch „Wonderful World“ ist eventuell etwas zu verspielt. Die Geradlinigkeit, die Konsequenz einer Platte wie „Sam’s Town“ wird nicht einmal angekratzt. So ein wenig verlieren sich The Killers in guten Ideen (Life To Come, Run For Cover oder The Calling) und ertränken jene eben im Notfall mit jeder Menge ADHS-artigen Keyboards. Das ist oft wirkungsvoll, aber nicht mehr relevant. Selbstverständlich wissen The Killers das … (Island). ¢

Das könnte Sie auch interessieren: