Richard Strauss für das 21. Jahrhundert

Vernissage der Ausstellung „Strauss-Bilder“ mit dem Jazzduo Dirk Rumig und Daniel Prätzlich


(nmz) -
Die auf acht Leporellowänden reisende Wanderausstellung „Richard-Strauss-Bilder“, initiiert vom Richard-Strauss-Institut zu Strauss’ 150. Geburtstag, feierte am 22. August ihren Würzburger Einstand. Das Eröffnungskonzert in der BBK-Galerie des Kulturspeichers – wie die Ausstellung selbst, veranstaltet vom Würzburger Tonkünstlerverband – war dabei so gut besucht, dass man Stühle zustellen und die angebotenen Textzettel geschwisterlich teilen musste.
Ein Artikel von Katja Tschirwitz

Die Liedtexte hatten ihre Berechtigung, gerade weil das Jazzduo Dirk Rumig (Sopransax, Bassklarinette) und Daniel Prätzlich (Schlagzeug) rein instrumental agierte. Als einstige Studienkollegen immer wieder gemeinsam auf der Bühne – was sich in traumwandlerischem Zusammenspiel äußerte –, setzten sich die zwei auf sehr spezielle Weise mit Strauss auseinander: Mit großer Sensibilität hüllten sie vier seiner Lieder in ein völlig neues Gewand, ohne sie dabei zu verbiegen oder zu missdeuten.

Auch wenn sich Vertrautes nur wohldosiert herausschälte, wirkten die „Lieder“, ergänzt durch Eigenkompositionen, keineswegs versponnen. Über den Trommelrand schabende Sticks, sachtes Streichen eines Kontrabassbogens über metallene Klangschälchen – unter anderem in „Allerseelen“ zur vollen Klangentfaltung auf einem Trommelfell platziert – und an der Grenze des Hörbaren rauschende, pfeifende Saxophonklänge verschmolzen wiederholt zu einem mystischen Ganzen, das selbst eingefleischte Straussianer berührt haben dürfte. Gänsehaut auch beim schwebenden Unisono von Glockenspiel und Bassklarinette in „Ach Lieb, ich muss nun scheiden“, das den Hörer betreten zurückließ. Dem Gedicht innewohnende Empfindungen wie Schmerz und Leere wurden hier fast körperlich spürbar.

Bei aller Sinnlichkeit faszinierte das künstlerische Vorgehen des Duos durch Zurückhaltung und Konsequenz und komplettierte so vortrefflich die übersichtlich-nüchterne Kulisse Strauss’scher Selbst-, Familien-, Zeitund Vorbilder, empathisch eingeführt von der 25-jährigen Kuratorin Anita Bauer. Schon im Juli hatten Würzburger TKV-Mitglieder Richard Strauss in zwei Konzerten bedacht: zunächst Maria Bernius (Sopran) und Nadja Dalvit- Saminskaja (Klavier) mit Liedern von Strauss, Medtner, Berg, Alma und Gustav Mahler, zwei Wochen später das Bläserensemble VERSATO (Ltg: Mathias von Brenndorf) mit Strauss, Orff und Reger.

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