Soundtracks 2022/05

Bernard Herrmann | John Williams & the Boston Pops Orchestra


(nmz) -
Bernard Herrmann: The Film Scores on Phase 4. Decca/Universal +++ John Williams & the Boston Pops Orchestra: Complete Philips Recordings.Universal
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Bernard Herrmann: The Film Scores on Phase 4. Decca/Universal

Seit Mitte der 1950er-Jahre war Bernard Herrmann der „Hauskomponist“ des „Master of Suspense“ gewesen: Alfred Hitchcocks. Gemeinsam schufen sie die großen Meisterwerke jener Zeit: „Vertigo“, „North By Northwest“, „Psycho“ oder „Marnie“. Als die kongeniale Arbeitsbeziehung Mitte der Sixties zerbrach, weil dem Meister Herrmanns Score zu „Torn Curtain“ nicht in sein Vermarktungskonzept passte, fühlte sich der geniale Filmkomponist schwer verletzt. Und er suchte für sich einen Neuanfang. Zwar komponierte er weiter großartige Scores etwa für  Truffaut, aber ab 1968 rückte seine Arbeit im Plattenstudio.in den Mittelpunkt. Bis Mitte der 70er-Jahre spielte er für die britische Decca ein ganzes Paket von Alben für deren Phase-4-Serie ein. Damals war bis auf „Vertigo“ noch kein einziger Hitchcock-Herrmann-Score offiziell auf Platte erschienen, und so war es klar, dass „Music from the Great Music Thrillers“ den Anfang machen musste. Wer die Musik aus den Hitchcock-Filmen im Ohr hat, wird leicht irritiert sein. Herrmann hat das Tempo manchmal etwas verlangsamt. Vielleicht entsprach sein Dirigat mehr seinen ursprünglichen Vorstellungen. Aber das ist nur Spekulation. Danach ging es jedenfalls in der Serie mit den Einspielungen seiner frühen Werke aus den 1940er-Jahren weiter, darunter natürlich auch „Citizen Kane“. Ergänzt wurden diese Einspielungen mit Partituren berühmter Kollegen. So gibt es Musik zu Shakespeare-Filmen von Schostakowitsch, Walton und Rozsa und britischen Meisterwerken, zu denen Lambert, Bax, Benjamin, Walton, Bliss und Ralph Vaughan Williams den Score geliefert haben. Nachdem Herrmann die Studio­arbeit zu Martin Scorseses „Taxi Driver“ abgeschlossen hatte, ist er Weihnachten 1975 gestorben. Herrmann war der „schwarze Romantiker“ des Kinos, wie auch diese Box wieder beweist.

John Williams & the Boston Pops Orchestra: Complete Philips Recordings.Universal

Das Boston Pops Orchestra ist eine amerikanische Institution. Gegründet 1885, war das Orchester unter der Leitung von Arthur Fiedler seit den späten 1950er-Jahren Stammgast in den US-Pop-Album-Charts. In Deutschland hat man für diese Art von Repertoire den Begriff „gehobene Unterhaltungsmusik“ eingeführt. Als 1980 John Williams den Dirigentenstab von Fiedler übernahm, begann die Zusammenarbeit des Orchesters mit Philips, die hier auf 21 CDs komplett dokumentiert ist. Williams war zu jener Zeit der Mann der Stunde. Durch seinen Score zu „Star Wars“ war er der Korngold seiner Zeit geworden. Plötzlich erklang im Blockbuster-Kino wieder der Sound der Mitteleuropäer, die Hollywood seit den 30er- Jahren so geprägt hatten. Nach dem ersten Album „Pops on the March“ (mit Märschen von Elgar, Gershwin, Walton oder W.C. Handy) erschien die erste LP mit Williams-Scores: „Pops in Space“. Wieder produziert von George Korngold spielte Williams seine damaligen „Hits“ ein: „Star Wars“, „The Empire Strikes Back“, „Superman“ und „Close Encounters of the Third Kind“. Korngold, dem Sohn von Erich Wolfgang Korngold, dürften vermutlich damals einige der Themen arg bekannt vorgekommen sein, hatte er sie doch schon so „ähnlich“ bei seinem Vater gehört. Aber sicherlich hat George diese Produktion als Fortsetzung seiner „Classic Film Scores“-Reihe bei RCA betrachtet. Nach einem der Schmuckstücke der Serie, „That’s Entertainment – Pops on Broadway“ (mit Songs von Sondheim, Rodgers, Loewe, Hamlisch oder Bock) zog sich Korngold jedenfalls zurück. Wenn man das Repertoire der ganzen Serie unter die Lupe nimmt, entdeckt man, dass sie vermutlich die „Mutter“ all der Konzerte mit Filmmusik war, die Radio­redakteure mit Verzögerung zu konzipieren begannen.

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