"Sturm und Ruhe in der Musik"


(nmz) -
Diesem Thema verpflichtete sich das gleichnamige Projekt des Sächsischen Musikbundes in Kooperation mit dem Berliner Tonkünstlerverband. Zeitgenössische Kompositionen für zwei Violinen und Klavier wurden dazu in Auftrag gegeben, die an drei sächsischen und einem brandenburgischen Veranstaltungsort zur Vorstellung kamen.
Ein Artikel von Matthias Müller

Als gemeinsames Element ist wohl die solide tonale Konzeption aller Werke zu bemerken, die am 18.10.2014 im Musiksaal des Potsdam-Museums zu hören waren. Die Komponisten Rainer Rubbert, Christian FP Kram, Thomas Buchholz, Gisbert Näther, Alexander Keuk, Gabriel Iranyi und Günter Neubert steuerten ihre ureigene Sicht zum Thema mit Duetten, Trios, Solowerken für Klavier oder Violine bei. Zeitgenössische Musik wurde nicht zur permanenten Herausforderung an unsere Hörgewohnheiten, sondern war einleuchtend und thematisch zutreffend. Das Bekenntnis zur Tonalität überwog in den Kompositionen. Angewandte moderne Satztechniken waren nie Selbstzweck, vielmehr standen sie ganz im Dienst einer strikten Auslotung der thematischen Vorgabe.

So gut verständlich wie die Musik war auch die gewählte Formenvielfalt. Rubbert steuerte drei „Magische Duette“ für Violine bei, Kram belebte die literarische Form des Epigramms mit musikalischem Inhalt für Violine und Klavier, Buchholz verlieh einem Gedicht von Diana Lorenz mit dem Klavier solo eindringliche Umsetzung. Gisbert Näther näherte sich ganz klassisch mit einem dreisätzigen Trio für zwei Violinen und Klavier. Hier ergaben Reminiszenzen an klassische Triokompositionen witzige und geistvolle Bezüge. Die fast schon veraltete und nur noch mit Beethoven in Verbindung zu bringende „hohe Form der Belanglosigkeit“ – Bagatelle – lebte bei Keuk für zwei sich gegenseitig belebende Violinen neu auf, und „Quatre Mouvements“ für Violine und Klavier hatten bei Iranyi nicht ganz zufällig mehr als nur Bewegungen in verschiedenen Tempi zu bieten. Ganz „streng Barock“ ohne „bierernst“ zu werden, erklangen die abwechselnden Kombinationen von „Cantus“ und „Toccata“ des 1936 geborenen Günter Neubert.

Gute eineinhalb Stunden zeitgenössisches Musikgut ohne Anstrengungsfaktor gelingt nur durch die entsprechenden Interpreten. Hier trafen die musikerfüllte Violin-Professorin Marianne Boettcher auf den sehr talentierten Geiger Peter Rainer, der eine besonders exponierte Musikerrolle bei der Potsdamer Kammerakademie inne hat.

Die japanische Pianistin, Yoriko Ikeya, rundete diese Triobesetzung durch fundamentale Kenntnisse des Klaviers ab. Zeitgenössische Musik kann echt Spaß machen und muss nicht zwingend Unbehagen hervorrufen, wie es leider noch zu oft gängige Publikumsmeinung in den Konzerten ist. Gute musikalische Ideen und inspirierte Interpreten trafen bei dem Projekt „Sturm und Ruhe in der Musik“ aufeinander: Es war ein großer Erfolg.

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