Talente fördern und Brücken bilden

Vielschichtige Preisträgerkonzerte des Lions Club


(nmz) -
Die Musik ist unter den Künsten vor allem geeignet, über Sprachen und Grenzen hinweg zu verbinden. So schreibt der Lions Club seit 30, beziehungsweise seine Vorgeschichte eingerechnet 40 Jahren einen Preis zur Förderung junger Talente aus und vergibt Kompositionsaufträge.
Ein Artikel von Stefanie Knauer

Die zwei Preisträgerkonzerte dieses Jubiläumsjahres fanden im ostfriesischen Leer und im bayerisch-schwäbischen Augsburg - also am „oberen“ und „unteren“ Ende der Bundesrepublik - statt, letzteres in Kooperation mit dem Tonkünstlerverband Augsburg und dem Landesverband Bayern. In Augsburg war der Besucherandrang zwar leider zurückhaltend. Die Begeisterung der Anwesenden allerdings war immens und anhaltend: Der Beifall der wenigen für die großartigen Darbietungen und die abwechslungsreiche Musik füllte den Rokokosaal der Regierung von Schwaben, als wäre er voll besetzt. So begeisterte der erst 15-jährige Fabian Egger, Jungstudent an der Musikhochschule München, an Querflöte und Piccolo nicht allein als hervorragender, ebenso überlegener wie charismatischer Solist von beeindruckender Profession, sondern auch als Komponist. Sein gekonnt verfasster Zweiteiler „Vol des Oiseaux“, ein schwebendes, stimmungsvolles und virtuoses Duettieren von Querflöte und Violine, hatte ebenso Klangmalerisches und Filmmusikalisches wie rhythmische und harmonische Raffinesse. Seine Duo-Partnerin, die Violinistin Mascha Wehrmeyer, die bereits in Wien, Regensburg, Augsburg und nun in Berlin studiert, hatte zuvor mit Antoni Donchevs (*1959) Solowerk „Ukufuduka“ („Migration“ in der Zulu-Sprache) fasziniert. Die 22-Jährige spielte den technisch, inhaltlich und emotional sehr anspruchsvollen Einsätzer, der von Donchevs musikalischer Herkunft als Jazzpianist ausging und ein ergreifend intensives, aufwühlendes und einfühlsames Seelenbekenntnis entrollte, mit fulminanter Souveränität - und zudem auswendig. Entstanden ist „Ukufuduka“ für das Lions-Forum 2016 in Sofia. Nicht von jazzmusikalischer Herkunft, aber mit einem Stück namens „Jazz“ für Trompete und Klavier mit „Rhapsody in Blue“- Anklang zum Einstieg stellte sich der Trompeter und Komponist Jean-Francois Michel (*1957) den Hörern in Augsburg vor. Pianistin Mimi Park zeigte sich dabei wie schon im gesamten Programm zuvor als exzellente Begleiterin, unfehlbar auch in den rhythmisch und im Zusammenspiel herausfordernden Passagen, dabei im rechten Augenblick zurückhaltend oder solistisch vortretend. Der junge englische Trompeter Sam Beagley bestach in „Jazz“, das namensgemäß zündend schwang, in modern-Jazz-Klangebenen flanierte, balladesk sinnierte mit bravourösem Können. Jeder der jungen Musiker ist zweifellos bereits Profi - wie Klarinettistin Milena Bergemann, die mit wunderbarem Ton und klarer Präzision in jedem Tempo begabt in Tobias PM Schneids (*1963) „Vertical Horizon IV (Mozart-) Concert Variations for Clarinet in A“ für das Lions-Forum 2015 brillierte. In zwei Ebenen, die zueinander durchbrochen wurden, von der Gegenwart zu Mozart-Zitaten, die zuletzt in einen Hummelflug-ähnliches Sausen mündeten, wird in diesem unbegleiteten Solostück vom Solisten ein schnelles Switchen zwischen den Stilen verlangt. Vassilis Kitsos´ (*1972) dreiteiliges „sospiro e luce“ von 2021 für Altsaxophon und Klavier entzündete ebenfalls ein musikalisches Feuerwerk, dazu mit Einsprengseln von „Happy Birthday“, sicherlich respektive des Lions-Jubiläums. Die 21-jährige Saxofonistin Christine Peterson zeigte hier auch musikalisch einen langen Atem, so anfangs in ihrem atemberaubend großbögigen Auswuchs zum Fortissimo. Ihr schöner Ton begeisterte abermals, der sich im ersten Teil und dem rezitativen Mittelbau entfaltete, bevor sich Christine Peterson mit Mimi Park souverän ins wilde Finale stürzte. Zum Lions-Forum in Tallinn 2019 komponierte der estnische Gitarrist Robert Jürjendal (*1966) seine „April Suite“ für Gitarre. Wie der experimentelle Komponist Jürjendal ist Interpret Clemens Schumacher, der in Basel klassische Gitarre studiert, laut Programmtext „auf der Suche nach Ausdrucksformen jenseits des klassischen Repertoires“. In dieser Suite trafen sich Folk und Klassik, Jazz und Moderne, von Clemens Schumacher hervorragend gespielt, der sich durch schlierenfreie, sehr präzise und differenzierte Zupftechnik und eine intensive Gestaltung auszeichnete. Der anhaltende Beifall für das herausragende Konzert forderte eine Zugabe, Schostakowitschs berühmten Zweiten Walzer aus der Vaieté-Suite in Tutti-Besetzung.

 

 

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