unüberhörbar 2016/11

Johannes Brahms, Richard Strauss, Hugo Kaun


(nmz) -
Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 1, ­c-Moll. Gewandhausorchester Leipzig, Franz Konwitschny. Berlin Classics +++ Richard Strauss: Eine Alpensinfonie. Göteborger Symphoniker, Kent Nagano. Farao Classics +++ Hugo Kaun: Klavierquintett f-Moll op. 39, Oktett F-Dur op. 26, Streichquintett fis-Moll op. 28. Berolina Ensemble. MDG
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann, Mátyás Kiss, Wolf Loeckle

Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 1, ­c-Moll. Gewandhausorchester Leipzig, Franz Konwitschny. Berlin Classics

Eine wie hinfließende Synkopenlandschaft, ausdeklamierte Schönheit in gemessenen Tempi, ein die dramatischen Impulse nie einebnendes, ruhevolles Musizieren, bei dem alles richtig wirkt … Konwitschny formt, wenige Monate vor seinem Tod 1962, Brahms’ gewaltlos-gewaltiges Tonpoem mit Leipzigs hinreißendem Gewandhausorchester wie aus einem endlosen Sinnenstrom gewonnen. Unangestrengt auszuspielen vermögen es manche Ensembles unter starken Orchesterlenkern. Einzigartigkeit zu erreichen und dabei einer konsequent nach innen gerichteten Spannung standzuhalten, vermochten immer nur wenige. Trotz des Hauchs von klanglicher Antiquität, wegen damaliger technischer Beschränkung hinzunehmen, behauptet sich diese Darstellung als unanfechtbar ideal. [Hanspeter Krellmann]

Richard Strauss: Eine Alpensinfonie. Göteborger Symphoniker, Kent Nagano. Farao Classics

Dass Kent Nagano über eine beachtliche Strauss-Affinität verfügt, leitet sich nicht nur aus seiner langjährigen Tätigkeit als GMD der Bayerischen Staatsoper und aus seinen Kontakten zur Strauss-Familie her, sondern auch aus seinen im Jahr 1993 wurzelnden musikalischen Verbindungen zu den Göteborger Symphonikern, die ihrerseits seit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Richard Strauss im Repertoire hatten. Kent Nagano hat sich ja nun nicht den Ruf erworben, vollsatte Musik durch aufschäumende Zugaben aufpeppen zu wollen. Das, was er in München machte, in Hamburg und Montreal, das realisiert er auch mit den Göteborgern. Transparent, licht, durchhörbar und durchschaubar. Er liefert keinen klingenden Reisekonzertführer. Bei ihm ist auch die Alpensinfonie Musik pur. Voller Empfindung. Voller drastischer Realität. [Wolf Loeckle]

Hugo Kaun: Klavierquintett f-Moll op. 39, Oktett F-Dur op. 26, Streichquintett fis-Moll op. 28. Berolina Ensemble. MDG

Einem romantischen Eklektiker, noch dazu einem spät geborenen, konnte im 20. Jahrhundert nur ein Schicksal ereilen: das völlige Vergessen. Die wertvolle Musik von Hugo Kaun (1863–1932) jedoch hat dieses keineswegs verdient: Sein Klavierquintett steht zwar in derselben Tonart wie das von Brahms, sein Oktett verweist durch Tonart und Besetzung auf Schubert, und sein Streichquintett greift ebenfalls auf zwei Celli zurück, hier aber enden die eher äußerlichen Gemeinsamkeiten. Wer nicht auf „Fortschrittlichkeit“ und „himmlische Längen“ besteht, sondern leidenschaftlichen Ausdruck, innige Empfindung, einprägsame Melodien und eine ausgefeilte Dramaturgie schätzt, ist bei Kaun an der richtigen Adresse. Gelobt seien die Trüffelsucher vom Berolina Ensemble! [Mátyás Kiss]

Das könnte Sie auch interessieren: