unüberhörbar 2017/03

Amira Medunjanin / Giuseppe Tartini / Anton Bruckner


(nmz) -
Amira Medunjanin: Damar +++ Giuseppe Tartini: Cantabile e suonabile – Sonate autografe a violino solo / a violino e violoncello. David Plantier, Violine; Annabelle Luis, Violoncello +++ Anton Bruckner: Sinfonie 2. Mozarteum­orchester Salzburg, Ivor Bolton
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann, Mátyás Kiss, Wolf Loeckle

Amira Medunjanin: Damar. World Village

Manche den Territorien der Folklore entstammende Musik packt uns mental, zentral, kolossal. Sei es nun die temperamentvolle Tarantella aus Neapel oder der uns magisch umgarnende Klezmer aus Ost(mittel)europa. Und es ist nie der Text allein (den wir meis­tens aus Sprachgründen nicht verstehen). Die in Tiefen der Trauer und der Melancholie mit partieller Hoffnung verpackten Reflexionen umgarnen uns mit ihrer Kraft, verführen uns ins Empathische. Und lassen uns die Freiheit für’s Fühlen, Denken und Raten. Wunderbar intensiv und authentisch packt uns die Bosnierin Amira Medunjanin. Ihre musikalischen und sprachlich-poetischen Gedanken erzählen von den Alltagsaugenblicken, die immer Fundament der späteren Auskristallisierung im Weltpolitischen sind. Stimme, Klang, Rhythmus, Magie pur: „Warum denn sollen wir unsere Liebe verstecken und verbergen, wenn ich mich dir innigstlich verbunden fühle?“ (Wolf Loeckle)

Giuseppe Tartini: Cantabile e suonabile – Sonate autografe a violino solo / a violino e violoncello. David Plantier, Violine; Annabelle Luis, Violoncello. Agogique

Da sein nahender 325. Geburtstag wohl übersehen wird, verdient diese auf einem kleinen Label erschienene Produktion von sechs „kleinen“ Solosonaten Aufmerksamkeit: An jedem blitzsauberen Ton seiner edlen Guadagini-Geige kenntlich, ist David Plantier die Musik Tartinis eine Herzensangelegenheit. Am Übergang zwischen Barock und Klassik angesiedelt, wird sie selten ihrem Wert gemäß behandelt. Hier schon! Weder verkopft noch banal, sollten Tartinis im ewigen Schatten der „Teufelstriller-Sonate“ stehende, stets sangliche Solowerke viel stärkere Pflege erfahren. (Mátyás Kiss)

Anton Bruckner: Sinfonie 2. Mozarteum­orchester Salzburg, Ivor Bolton. Oehms Classics

Von Bruckners legitimierten neun Sinfonien begegnet man sechs regelmäßig in Konzerten. Sinfonie 1 und 2, als Anfängerproben des Komponisten hintangestellt, bleiben im Schatten, die dritte kaum weniger. Bolton hat zwischen 2005 und 2015 die komplette Neunergruppe in seinen Salzburger Konzerten aufgeführt. Mit Zustimmung hört man sie nun als Live-Mitschnitte auf CD. Die jüngst erschienene Letzte galt der zweiten Sinfonie. Bolton nimmt sie so ernst wie jede andere der Serie und gewinnt ihr das unverkennbare brucknerische Klangbild ab. So passt sie sich natürlich und sicher in den Zyklus ein, für dessen Darstellung Bolton und sein Orches­ter uneingeschränkte Anerkennung verdienen. (Hanspeter Krellmann)

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