Viele musikalische Comebacks

Neuveröffentlichung der Popindustrie, vorgestellt von Sven Ferchow


(nmz) -
Aufnahmen von und mit: Huey Lewis & the News, Stone Temple Pilots, Khruangbin & Leon Bridges, Green Day und Tame Impala.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Kevin Parker ist Tame Impala, sein viertes Album „The Slow Rush“ knüpft folgerichtig an alle Vorgänger an. Parker mischt munter durcheinander: Pop, Jazz, R&B, Soul. Darüber gießt er eine Soße, die zwar nicht mehr ganz so psychedelisch gärt wie frühere Werke, dennoch viel Heil im Rauschartigen, im Transzendenten sucht. Und ziemlich relaxt auch findet. Natürlich klingt das oft leicht abgehoben, manchmal etwas arrogant, aber Parker vergisst niemals, den emotionalen Effekt abzuliefern. Ein Album, das den Hörer fordert und bisweilen verstörende Klangbilder hinterlässt. Hochinteressant. (Universal)

Green Day sind mit „Father of All…“ zurück. Man kann die US-Amerikaner vieles heißen: Post-Grunger, Neo-Punker, Mainstream-Rocker oder Kommerz-Punks. Das ändert jedoch nichts daran, dass Green Day eine der wenigen Rockbands dieser Tage sind, die überhaupt noch einen Rocksong schreiben können. Sparen wir uns die Hymnen auf vergangene Songs und Alben. Leben wir im Jetzt. „Father of All…“ ist ein Brett. Schon die ersten drei Songs rammen sich mit überirdischer Süße und fataler Härte ins zerebrale Hirn. Punk ist das nicht. Das ist Rockmusik mit Anspruch, Rhythmus, Songwriting und unendlicher Hingabe. Ein bisschen Rock’n’Roll aus den Fünfzigern, ein paar Handclaps hier und da, wackelige Pianotöne, Refrains, die den Namen verdienen und eine Instrumentierung, die immer das gibt, was der Song verlangt. Klares Legendenalbum. (WMG)

Was für eine wunderschöne EP von Khruangbin & Leon Bridges. „Texas Sun“ klingt sowas von aus der Zeit gefallen, dass es fast schon wieder nerdig ist. Laura Lee, Mark Speer und Donald „DJ“ Johnson stecken übrigens hinter dem etwas sperrigen Künstlernamen. Songwriting aus den Siebzigern, sparsamer Beat, dezente Gitarren mit leichter Verzerrung und ab und an Slide & Steel. Dazu ein grummelnder, fast netter Bass, der sich dezent ins Herz spielt. Man kann mit „Texas Sun“ sehr einfach und ziemlich leichtsinnig die Zeit verlieren. Nicht das schlechteste Kompliment, das man Khruangbin & Leon Bridges mit auf den Weg geben kann. Die vier Songs der EP sind entspannt, laid back und voller Sehnsucht. Einfach ausprobieren. (Dead Oceans)

Ein Album der Stone Temple Pilots. Da wischt man sich natürlich Tränchen der Verklärung aus den Augen und hofft auf einen Zeitmaschinen- Effekt. Aber, die Stone Temple Pilots sind nicht mehr die Stone Temple Pilots. Todesfälle und Besetzungswechsel gingen nicht spurlos am Gründungsgeist der früheren Grunge-Rock-Ikonen vorbei. „Perdida“, das aktuelle Album, wurde ein Akustikalbum. Tja, Akustikalben muss man mögen. „Perdida“ geistert irgendwie so dahin. Findet selten Höhepunkte, hat nichts Überraschendes und mag nicht so recht ankommen. Hier und da sind sicherlich Töne, Harmonien und Riffs, die kurzzeitig für Enthusiasmus sorgen, dennoch ist das für die Stone Temple Pilots einfach zu wenig. Nicht dass „Perdida“ belanglos wäre. Aber ganz ehrlich. Die Zeiten der Akus­tikalben sind vorbei. (Warner)

Ein neues Album mit neuen Songs von Huey Lewis & the News? Falsches Jahrhundert? Nein. Definitiv nicht. „Weather“ erschien am Valentinstag, hat zwar leider nur sieben Songs (inklusive der Coverversion von Eugene Churchs „Pretty Girls Everywhere“), aber allein die Ankündigung des Albums ließ aufhorchen. Seit einigen Wochen gibt es im einschlägigen Radio bereits die Single-Auskopplung „Her Love Is Killin‘ Me“ zu hören. Eine klassische Huey Lewis & the News-Nummer, die sich in der Strophe leichtfüßig und schwerelos an den wie immer einprägsamen Refrain schmiegt. Gute Laune und Spaß inklusive. Aber auch die restlichen Songs des Albums enttäuschen nicht. Huey Lewis & the News spielen nach wie vor grandios. Jeder Song klingt, als hätte man ihn sich gerade aus dem Ärmel geschüttelt. Quasi im Vorbeigehen. Und ja. Irgendwie und irgendwo erinnert „Weather“ an die guten alten „Fore“-Zeiten. Nicht die schlechteste Erinnerung. Abgemischt wurde das Album übrigens wie meistens von Bob Clearmountain, der bereits Hits wie „I Want A New Drug“ mit der Band verewigte. Zusammengefasst: ein tolles Album, das einfach nur positive Atmosphäre verströmt. (Warner)

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