Wirksamkeit und Kampagnenfähigkeit

Der VdM traf sich zum Herbstsymposium in Trossingen


(nmz) -
Herbstsymposium des VdM: Traditionsgemäß trifft sich alle zwei Jahre der Erweiterte Bundesvorstand – Mitglieder des Bundesvorstands sowie Vorsitzende und Geschäftsführer der Landesverbände – nicht nur zur „normalen“ Halbjahressitzung. Sie nehmen sich im Anschluss Zeit, eineinhalb Tage lang über aktuelle Themen und Entwicklungen des Verbandes nachzudenken, zu diskutieren, die eigene Arbeit zu überdenken und Impulse für die Zukunft zu setzen. So auch im November 2018: „Zukunft des VdM. Anforderungen und Erwartungen an unseren Verband“ lautete die Überschrift über die Veranstaltung, konzipiert und im Detail strukturiert von Bundesgeschäftsführer Matthias Pannes, der auch für die Einladung von begleitenden, kommentierenden und mitdiskutierenden Gästen gesorgt hatte.
Ein Artikel von vdm

Christine Bouvard, Präsidentin des Schweizer Musikschulverbandes, die – gemeinsam mit Barbara Haack – das Symposium auch moderierte, präsentierte zu Beginn eindrücklich eine erfolgreiche Kampagne ihres Verbandes, die die Verankerung der Musikalischen Bildung in der Schweizer Verfassung zum Ziel gehabt hatte. Ihre Stichworte, die gleichzeitig Meilensteine einer solchen Kampagne sind: Strategie, Netzwerk (mit Partnern, Share- und Stakeholdern), Kreativität, Kommunikation, Lobbying (Kontakte zur Politik, auch dann, wenn man gerade einmal nichts „will“), Disziplin und Leidenschaft für die Sache. Wichtige Botschaft Bouvards war auch: Eine solche Kampagne ist nie zu Ende. Die damit verbundenen Ziele entwickeln sich und müssen kraftvoll und mit Ausdauer weiter verfolgt werden.

Das Beispiel aus der Schweiz war umso hilfreicher für das Symposium, als es hier unter anderem auch um Wirksamkeit und Kampagnenfähigkeit des VdM gehen sollte. Daneben standen die Themen Kommunikation, Strukturen und Organisationsentwicklung auf dem Programm. In ihren Eingangsstatements gingen drei Mitglieder des Bundesvorstands aus verschiedenen Perspektiven auf diese Themen ein. Über die Frage der Erwartungen sprach Bundesvorsitzender Ulrich Rademacher und erklärte, wichtig sei die Frage, ob die Erwartungshaltung fremdbestimmt von außen oder selbstbestimmt von innen komme, sowie die Frage, was denn eigentlich für den Verband „außen“, was „innen“ sei. „Was meinen und fühlen wir, wenn wir VdM sagen?“ Eine Frage, die das gesamte Symposium durchzog. Rademacher betonte auch die nach wie vor wichtige Bedeutung des 2015 verabschiedeten VdM-Leitbildes, das immer noch richtungweisend, aber gerade deshalb auch ständiger Hinterfragung wert sei.

Friedrich-Koh Dolge, Stellvertretender Bundesvorsitzender, entwarf zunächst ein Zukunftsszenario und beschrieb den Verband im Jahr 2027 – „wenn alles gut wäre“. Zurück in der Gegenwart benannte Dolge die zahlreichen Unsicherheiten, die die kommenden Jahre mit sich bringen, verbunden mit einem Appell: sensibel die Antennen auszufahren, gemeinschaftlich Ziele zu formulieren, die Netzwerke in der Politik auszubauen, rechtzeitig bildungspolitisch Einfluss zu nehmen, die Digitalisierung zu nutzen, selbstbewusster und lauter aufzutreten und schließlich: klare gemeinsame Werte zu definieren und das gemeinsame Profil zu schärfen. In Bezug auf die Arbeit der Arbeitsgruppe „Ressourcen und Strukturen“ stellte Dolge vor allem die Frage nach den verbindenden Elementen zwischen den Verbandsebenen sowie denen zwischen der strategischen Ebene der Vorstände und der operativen der Geschäftsstellen.

Volker Gerland schließlich leitete die Arbeit derjenigen ein, die sich mit dem Thema „Prozesse und Kommunikation“ beschäftigen sollten. Auch hier wurde die Frage nach dem „Wir“ des Verbandes, nach Kommunikation und „commitment“ zwischen den Verbands-ebenen gestellt. Gerlands Frage: Welche Themen sind geeignet, um in eine Kampagne tatsächlich Bundesverband, Landesverbände und Musikschulen einzubinden? Gibt es vielleicht Themen, die einzelnen Landesverbänden „gehören“? Selbstkritisch fragte Gerland auch, was mit den mit Sorgfalt erarbeiteten Papieren passiere, die sich mit den aktuellen Themen der Musikschulen befassen, aber nicht immer dort ankommen. Genannt seien nur Potsdamer Erklärung, Stuttgarter Appell, Hamburger Memorandum …

Diese Frage war auch zentrales Thema der sich anschließenden Fishbowl-Diskussion. Es zeigte sich schon hier: Die Verantwortlichen des VdM machen es sich selbst nicht einfach; die Hinterfragung der eigenen Wirksamkeit spielte in der Diskussion ebenso wie in der sich anschließenden Arbeit der einzelnen AGs eine große Rolle. Vor allem von außen aber wurde auch bestätigt, dass der Verband auf vielen Ebenen sehr wirksam arbeitet, mit seinen Appellen und Forderungen durchaus Erfolge erzielt und Gehör findet. „Wir können auch stolz auf unseren Verband sein“, lautete immerhin ein Fazit des ersten Tages, der schließlich mit einer Diskussion über die Digitalisierung in den Musikschulen endete. Dabei zeigte sich vor allem die Notwendigkeit, das, was überall in Sachen Digitalisierung in den Landesverbänden und in einzelnen Musikschulen passiert und entwickelt wird, zu bündeln und möglichst allen zur Verfügung zu stellen.

Der Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse am folgenden Tag folgte ein „Zwischenruf“ von Reinhart von Gutzeit, langjähriger Vorsitzender des VdM, der die Arbeit des Verbandes bis heute begleitet und der seine Eindrücke von den Diskussionen spiegelte. Sein eindringlicher Rat an die Verbandsverantwortlichen: sich Zeit nehmen – und zwar für die richtigen und wichtigen Dinge. „Weniger ist manchmal mehr.“

Einige zentrale Themen und Aufgaben für den Verband kristallisierten sich schließlich heraus. Die Möglichkeiten und auch die Herausforderungen der Digitalisierung werden alle Ebenen in den kommenden Jahren verstärkt fordern. Strukturen, Kommunikation und Aufgabenverteilung zwischen dem Bundesverband, den Landesverbänden und den Musikschulen vor Ort werden genau zu klären und zu definieren sein. Beim Thema „Kampagnenfähigkeit und Wirksamkeit“ wurde klar, dass mit jedem Papier, jeder Forderung noch stärker als bisher die Implementierung mitgedacht werden muss, also die Frage: Was passiert mit einem Papier, einem Appell, einer Erklärung? Wer ist betroffen, wer eingebunden, wer muss überzeugt werden – und wie? „Fokussierung“ lautete eine Devise, also Konzentration auf zentrale Themen, um genügend Durchschlagskraft zu bewahren. Mit konkreten Handlungsaufträgen hierzu endete die Diskussion über die Themen des Symposiums.

Um sich organisatorisch, strukturell und kommunikativ noch besser aufzustellen, hat der VdM im Übrigen eine Organisationsuntersuchung mit anschließender Organisationsentwicklung in Auftrag gegeben. Der Vertreter der beauftragten Firma konnte das Herbstsymposium von Anfang bis Ende mitverfolgen und sich damit einen guten Eindruck vom Engagement, von der Kommunikationskultur und den zentralen Fragen des Verbandes machen. Die Zukunft kann also kommen. 

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