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Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Wehrmeyer«

„Die Deutschen verstehen uns gar nicht“

29.12.20 (Andreas Wehrmeyer) -
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Berlin zu einem Zen­­t­rum der Auslandsrussen, die vor dem bolschewistischen Regime, dem Bürgerkrieg und wirtschaftlicher Bedrängnis aus ihrer Heimat geflohen waren. „Man trifft hier ganz Moskau“ (Andrej Belyj); „auf Schritt und Tritt hörte man russisch reden. Dutzende von russischen Restaurants öffneten ihre Pforten: mit Balalaikas, mit Zigeunern, mit Gerstenfladen, mit Schaschliks und natürlich dem obligatorischen Sprung in der Seele“ (Ilja Ehrenburg). Der Höhepunkt war mit über 350.000 Russen im Herbst 1923 erreicht, solange der Rubel eine relative Stärke gegenüber der (hyperinflationären) Reichsmark ausspielen konnte; mit der Einführung der Rentenmark zogen viele Russen dann weiter nach Prag oder Paris. Das russische Berlin spiegelte sich kulturell unter anderem in Dutzenden von (Klein-)Verlagen sowie mehreren Zeitungen und Zeitschriften wider.

Bilder einer Ausstellung

15.04.20 (Andreas Wehrmeyer) -
Ziel des vorliegenden Buches ist es, anhand von Fallstudien „den Kulturtransfer der russischen Musik nach Westeuropa zu analysieren, ihre Präsenz und Wahrnehmung in verschiedenen europäischen Ländern zu vergleichen“. (S. 14) Insgesamt 16 Beiträge internationaler Autoren blättern dabei ein buntes Themenspektrum auf. Es kommen sowohl wichtige Mittlerfiguren zur Sprache, als auch einzelne Gattungen, dann auch ausgewählte Länder, Städte, Epochen und Werke.

Eine Zeit kulminierender Widersprüche

13.05.19 (Andreas Wehrmeyer) -
Die vorliegende Arbeit ist aus der Dissertation eines Osteuropa-Historikers hervorgegangen. Sie versteht sich nicht als „primär musikwissenschaftliche Arbeit“, sondern sieht sich „an der Schnittstelle von Historiographie und Musiksoziologie“ (S. 14). Unter „klingender Sowjetmoderne“ subsumiert der Autor die avancierten Entwicklungen in der klassischen (Darbietungs-) Musik der Sowjetunion im Zeitraum von 1964 bis 1985, das heißt in der Ära Leonid Breschnews bis zur beginnenden „Perestrojka“ Michail Gorbatschows.

Vor der Reglementierung

09.09.18 (Andreas Wehrmeyer) -
Die Musikwissenschaft als institutionalisierte Disziplin entwickelte sich in Russland erst in den 1920er-Jahren unter den Voraussetzungen und Bedingungen des neuen Sowjetstaates. Sie zeigte sich dabei nicht in erster Linie als eine historisch-philologische Disziplin, sondern war offen für gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen aller Art. Letztere bestimmten als „musiksoziologisches Forschungsparadigma“ das Fach bis zirka 1930. Das rief sowohl Forschungen von beachtlichem Reflexionsniveau auf den Plan als auch eher „vulgärsoziologische“ Zugänge, die darauf aus waren, Phänomene der Musik mechanisch auf gesellschaftlich-ökonomische Verhältnisse zurückzuführen, das heißt als deren Widerspiegelung.

Die eigene Tradition im Fremden wiederfinden

16.09.16 (Andreas Wehrmeyer) -
Russische Musik erfuhr seit den 1870er-Jahren eine reiche und vielfältige Rezeption in Frankreich. Die Begegnung und Auseinandersetzung mit russischer Musik war unbedingt prägend für die Musikkultur Frankreichs. An der Musik russischer Komponisten, in erster Linie der Vertreter der nationalrussischen Gruppe der „Fünf“, faszinierte ihr Sinn für Klang und Klangfarbe, ihr schöpferisch-souveräner Umgang mit der Tradition sowie ihre Rückbindung an die Volksmusik und Folklore.

Ausbeutung, Disziplinierung, Stabilisierung

09.02.16 (Andreas Wehrmeyer) -
Vor dem Hintergrund zahlreicher Studien zur Musik und Musikausübung in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern konnte sich in den letzten Jahrzehnten leicht der Eindruck aufdrängen, in den Lagern der Sowjetunion hätte es nichts annähernd Vergleichbares gegeben. Vorliegende Studie belehrt den Leser eines Besseren – und sie tut es in souveräner Weise, indem sie den benannten Themenkomplex in seiner ganzen Breite und unter Einbeziehung einer ungeheuren Materialfülle aufarbeitet.

Jenseits traditioneller Darbietungsmusik

27.06.11 (Andreas Wehrmeyer) -
Die sowjetische Musikmoderne der 1920er-Jahre hat in den letzten Jahrzehnten eine rege Erforschung in der internationalen Musikwissenschaft erfahren. Das Interesse war dabei wesentlich auf die Kompositionsgeschichte fokussiert, insbesondere den Aspekt technischer Neuerungen, die man ebenso oft wie pauschal als „Avantgarde“ etikettierte, weniger hingegen auf das Phänomen politisch gebundener Musikkonzepte im Rahmen des Aufbaus und der Entwicklung von „linker Kunst“. Den Terminus „Avantgarde“ ausschließlich für avancierte kompositionstechnische Neuerungen zu beanspruchen, scheint zu kurz gegriffen, denn schon seit den 1920er-Jahren stand auch ein mehr oder minder politisch konnotierter Avantgardebegriff im Raum – als Konzept von Kunst, die sich mit ihren (auch avancierten) Mitteln für gesellschaftlichen Fortschritt, das heißt im gegebenen Falle für das sozialistische Gesellschaftsmodell, einsetzt. Eben dieser Problematik – der Beschaffenheit, den Funktionen und Wirkungsformen der Musik im Horizont der sowjetischen Revolutionskultur – gilt Wolfgang Mendes ebenso materialreiche wie im Niveau gehaltvolle Studie; seine Ausgangsfragen sind: „Hatte die ,Linke Front der Künste‘ einen musikalischen Flügel? Ist die sowjetische Musikmoderne (…) als Teil dieser kulturrevolutionären Bewegung zu verstehen?“ (S. 12)

Reichhaltig und widersprüchlich

16.06.10 (Andreas Wehrmeyer) -
Mit vorliegendem Titel ist eine wichtige Arbeit anzuzeigen, die entschieden über die bisherige Musikgeschichtsschreibung auf diesem Gebiet hinausgeht, da sie nicht im engeren Sinn auf die Kompositionsgeschichte konzentriert ist, sondern den (gelungenen) Versuch unternimmt, die Entstehung der neuen sozialistischen beziehungsweise sowjetischen Musikkultur aus den das Musikleben prägenden Institutionen und Instanzen heraus zu deuten, das heißt wesentlich auf der Grundlage der Beschreibung und Erschließung von Denkformen, wie sie seinerzeit in den Bereichen Musikpädagogik, Musikethnographie und Musikästhetik anzutreffen waren.

Faszinierende Dokumente ihrer Zeit

11.05.09 (Andreas Wehrmeyer) -
Dorothea Redepenning: Geschichte der russischen und der sowjetischen Musik, Bd. II (in 2 Teilbänden): Das 20. Jahrhundert, Laaber-Verlag, Laaber 2008, € 196,00, 836 S., Abb., Notenbsp., ISBN 978-3-89007-208-1
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