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Alle Artikel kategorisiert unter »Anna Schürmer«

Eine Passion für einen Nicht-Christen

30.04.18 (Anna Schürmer) -
Hermann Keller hatte sein Lieblingszitat Arnold Schönberg abgelauscht: „Kunst ist der Notschrei jener, die an sich das Schicksal der Menschheit erleben.“ In den Worten erkannte der Berliner Komponist und Pianist, Improvisator und Avantgardist sich selbst: „Wenn ich mir vornehme, ich will etwas Extremes machen, dann wird das nix. Ich muss das natürlich erfahren haben und zwar freudvoll aber eben auch bitter – das gehört immer beides zusammen.“

Frei, aber beständig: vier paradigmatische Porträts

21.03.18 (Anna Schürmer) -
20 Jahre ICI-Ensemble – seit 10 Jahren im Schwere Reiter: ICI steht für die britischen „Imperial Chemical Industries“, ist das Kürzel einer Aktion gegen Kinderarbeit („International Cocoa Initiative“) und bezeichnet in der Reproduktionsmedizin gewaschene Spermien. – ICI steht aber auch für eine musikalische Plattform, die seit 20 Jahren „International Composers & Improvisers“ in München vernetzt: Vor genau zehn Jahren eröffnete das Ensemble die Arbeit von Schwere Reiter MUSIK; mit „Sonar 2018“, einem „Mikrofestial für improvisierte Musik“, feiert das ICI am 24. und 25. Februar im Schwabinger Kulturzentrum also ein doppeltes Jubiläum.

Ästhetischer Aktionismus

07.02.18 (Anna Schürmer) -
In den 1960er-Jahren waren sich die gesellschaftlichen und die ästhetischen Avantgarden nahe wie nie – es kam zu einem charakteristischen ‚Querstand‘ von Kunst und Politik: In der kontrapunktischen Musiklehre zählt der Querstand zu den ‚verbotenen‘ Fortschreitungen einer Einzelstimme, die Reibungen in der kollektiven Harmonie erzeugen. Diese Dissonanz berührt den ‚querständigen‘ Geist, der durch die konfliktreiche Dekade mit ihrem chiffregewordenen Symboljahr ‚1968‘ spukte und sich auch klingend bemerkbar machte: „Unter der Gunst zeitpolitischer Vermittlungen und Kontaktsprünge“, so bemerkte Ulrich Dibelius, „standen sich plötzlich Staatsmoral […] und Kunstmoral […] als Exponenten eines offenen Konflikts frontal wie nie einander gegenüber“1.

„Ein Programm, wie es ihm selbst gefallen würde“ – Im Freien – Musikfest in memoriam Wilhelm Killmayer

12.12.17 (Anna Schürmer) -
Die radikale Nachkriegsavantgarde begründete eine goldene, aber auch dogmatische Ära der Neuen Musik: Auf Basis der von Adorno befeuerten Innovationsdynamik, begründete der paneuropäische Klub der seriellen Musik um Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono einen ‚Absolutismus der Moderne‘, der Abweichlern des Fortschrittsimperativs gnadenlos die Mitgliedschaft entzog: das galt für den harmonieverliebten Hans Werner Henze genauso wie für den freigeistigen Wilhelm Killmayer, der am 20. August diesen Jahres in München verstarb – nur einen Tag vor seinem 90. Geburtstag. Schon die Musica Viva des Bayerischen Rundfunks funktionierte im September ein lang geplantes Ehrenkonzert kurzerhand in eine „in memoriam“-Veranstaltung um; nun haben Schüler und Weggefährten des Komponisten vom aDevantgarde-Verein ein sehr persönliches Musikfest zu Ehren Wilhelm Killmayers veranstaltet.

Musikdramatischer Hörspaziergang mit Smartphone

19.09.17 (Anna Schürmer) -
München ist nicht gerade bekannt für seine Industriekultur; schon gar nicht in Form von Ruinen und ihrer ästhetischen Umnutzung, wie man sie aus Berlin und dem Ruhrgebiet kennt. Und doch befindet sich am westlichen Rand der bayerischen Hauptstadt ein solches Denkmal: das ehemalige Heizkraftwerk Aubing – eine morbide Kathedrale des Industriezeitalters von knapp 30 Metern Höhe; darin nur drei riesige, mit mehr oder weniger gelungenen Graffitis verzierte Hochöfen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Anfang der 90er-Jahre die ersten Raves des Techno-Zeitalters in der stillgelegten Anlage gefeiert wurden und auch deshalb liegt es nahe, dass Mathis Nitschke hier vom 18. bis 20. Oktober seine Mixed-Reality-Techno-Oper MAYA spielen lässt.

Hybride Generation

30.06.17 (Anna Schürmer) -
Was hat die Veröffentlichung von Pink Floyds „Wish You Were Here“ mit den Toden von Boris Blacher und Pier Paolo Pasolini zu tun? Und was der Filmstart von Stephen Spielbergs „Der weiße Hai“ mit der Geburt des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin? Nicht viel, außer das sich all diese Ereignisse 1975 abspielten. Dem Jahr also, in dem auch Oscar Bianchi und Hans Thomalla geboren sind – jene zwei Komponisten, die am 2. Juni mit Uraufführungen im Münchner Herkulessaal zu Gast waren.

Mit Herz und E-Gitarre

30.06.17 (Anna Schürmer) -
In der Philharmonie im Münchner Gasteig gibt der Schmusesänger der 80er, Chris de Burgh, ein Konzert. Auf der sonnigen Piazza herrscht dagegen Remmidemmi: mit Blechsound, hämmernder Percussion und kreischender E-Gitarre besetzt das Verworner-Krause­Kammerorchester (VKKO) das Celibidache-Forum. Der Dirigenten-Derwisch irritiert Passanten, verwundert Philharmonie-Besucher und begeistert Freunde schräger Klang- und Performancekunst. Das ist frech, erfordert aber auch Mut – und entspricht somit ganz dem aDevantgarde-Festival, das sich in seiner 14. Ausgabe der Parole „coraggio“ gewidmet hat.

Die transatlantische Neuvermessung der klingenden Welt

27.03.17 (Anna Schürmer) -
„Eine [...] Schule, bewegend und in sich bewegt, wird ungewollt zum Gradmesser der Erschütterungen [...] der Zeit [...]. Eine Umwertung der Werte, Wechsel von Standpunkt, Name und Begriff erlaubt das Gegenbild, den nächsten Glauben. Dada, Hofnarr in diesem Reiche, spielt Ball mit Paradoxen und macht die Atmosphäre frei und leicht. Amerikanismus auf Europa übertragen, die neue in die alte Welt gekeilt, [...] so schreitet mit Eroberergeste die Gegenwart einher.“

Last Christmas auf avantgardistisch

03.02.17 (Anna Schürmer) -
Die Adventszeit ist fröhliche Mitsingzeit: Noch zudringlicher als sonst schallten auf den Christkindlmärkten in diesem Jahr die überzuckerten Klänge des alten Wham!-Hits „Last Christmas“ – wie in Vorahnung auf den bevorstehenden Weltabschied seines Schöpfers George Michael. Ein vorweihnachtliches Konzert der kontrastierenden Art bot am 16. Dezember die Musica Viva des Bayerischen Rundfunks mit einem Doppelkonzert.

Ü-Musik entsteht in den Grenzbereichen

20.01.17 (Anna Schürmer) -
U + E = Ü: Aus der linguistischen Formel lässt sich leicht eine klingende Hypothese bilden: Aus U- und E- wird Ü-Musik. Mehr als nur ein Sprachspiel, kann die Verschiebung der kategorischen Umlaute als Gedankenmodell dienen, um aus der belastenden Sezession der analogen Musikkultur auszubrechen und diese in Richtung der hybriden Klangformen der digitalen Klangzeit zu aktualisieren.
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