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Alle Artikel kategorisiert unter »Bernhard König«

Musik auf Abstand (2)

01.05.20 (Alon Wallach) -
Chorgesang kann tödlich sein. Als sich die Berliner Domkantorei am 9. März zu einer letzten Probe vor dem gro­ßen Shutdown traf, genügten eine unwissentlich infizierte Teilnehmerin und zwei Stunden Probe, um den Chorleiter und 80 Prozent der anwesenden Sänger*innen erkranken zu lassen – eine von ihnen musste auf der Intensivstation beatmet werden. Einen Tag später fanden sich in Mount Vernon im Nordwesten der USA sechzig Chorist*innen zum Singen zusammen. 45 von ihnen erkrankten an Covid-19, zwei verstarben.

Vorschau auf die nmz im Mai – Musik auf Abstand: Leitlinien und Perspektiven für die Programmplanung

24.04.20 (Bernhard König) -
Viel ist derzeit von „Exit-Strategien“ und möglichst rascher „Planungssicherheit“ die Rede – auch in der Kultur. Bernhard König und Alon Wallach, die Anfang April die Initiative „Musik auf Abstand“ ins Leben gerufen haben, raten zur Behutsamkeit und plädieren dafür, Kultur als gestaltende Kraft eines langsamen, schrittweisen und vorausschauenden Wandels zu verstehen: „Transit“ statt Exit.

Musik auf Abstand – Spielräume zwischen 1,50 und Hörweite – Ein Essay von Bernhard König und Alon Wallach

14.04.20 (Alon Wallach) -
Alles ist anders – dazu gehört auch, dass das Große und Spektakuläre auf einen Schlag als „verzichtbar“ gilt, während die kleine Geste, das Alltägliche, die Arbeit der Supermarktverkäuferin oder des Altenpflegers wertgeschätzt wird wie nie. Auch in der Kultur findet eine solche Umwertung statt. Dass es dieses Jahr eigentlich ein Beethovenjubiläum, ein Montreux Jazz Festival, einen Eurovision Song Contest hätte geben sollen, ist mit einer kurzen Meldung abgehakt. Stattdessen erhalten private Kleinst-Initiativen – das Singen vom Balkon oder vor dem Altenheim, der Geigenunterricht per Livestream – plötzlich den Rang einer ARD-Brennpunkt-Nachricht.

Monteverdi und der Klimawandel

20.09.19 (Bernhard König) -
„Ich bin die Musik, die mit süßen Klängen jedes erregte Herz zu besänftigen weiß und – bald zu edlem Zorn, bald zur Liebe – die eisigsten Gemüter entflammen kann“. Es ist La Musica selbst, die mit diesen Worten eine Oper eröffnet, die in meinen Ohren zum Schönsten zählt, was die Menschheit hervorgebracht hat. Wir können den „Orfeo“ von Claudio Monteverdi hören, wann immer wir wollen – ein kleines Wunder. 400 Jahren hat diese Musik überdauert; fast die Hälfte davon schlummerte sie völlig unbeachtet, ungespielt und ungehört in Bibliotheken und Archiven. Heute ist sie in dutzenden Interpretationen abrufbar: so frisch und lebendig, als wäre sie eben erst entstanden, und zugleich so fremd und fern wie die Vergangenheit, aus der sie stammt. Wird man diese 400 Jahre alte Musik auch in 40 Jahren noch hören, genießen und verstehen? Wir alle – Musikerinnen und Musiker, Vermittlerinnen und Veranstalter – tun viel dafür, dass dies so sei. Viel Geld, Anstrengung und Kreativität haben wir in das Ziel investiert, den Nachwuchs an die großen Schätze der Musikgeschichte heranzuführen.
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