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Erich Fischhof als Pietro in der Operette Boccaccio von Franz Suppé. Foto: Archiv für Zeitgeschichte I ETH Zürich, Nachlass Nanny und Erich Fischhof

Erich Fischhof als Pietro in der Operette Boccaccio von Franz Suppé.
Foto: Archiv für Zeitgeschichte I ETH Zürich, Nachlass Nanny und Erich Fischhof

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„Geraubte Melodien“ – Provenienzforschung

Untertitel
mdw Wien eröffnet Dauerausstellung
Vorspann / Teaser

Anlässlich des Internationalen Tages der Proveni­enzforschung wurde an der Bibliothek der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien am 08. April 2026 die Dauerausstellung „Geraubte Melodien – Provenienzforschung an der ub.mdw“ eröffnet. Sie gibt Einblick in bereits erforschte Bestände und deren ehemalige Eigentümer*innen und ist die erste permanente Ausstellung an einer österreichischen Universitätsbibliothek, die sich diesem Thema widmet. 

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In vier Vitrinen werden Restitutionsfälle, die Bio­grafien der ehemaligen Besitzer*innen sowie Fälle präsentiert, die noch weiterer Recherchen bedürfen. Die Provenienzforschung an der ub.mdw setzt mit dieser Dauerausstellung ein aktives Zeichen der Erinnerungsarbeit und historischen Aufarbeitung als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zur aktiven Erinnerungskultur. Rektorin Ulrike Sych: „Die Provenienzforschung an der mdw macht sichtbar, dass auch Musikbestände eine Geschichte von Enteignung, Verfolgung und Verlust in sich tragen können. Diese Dauerausstellung ist deshalb mehr als ein Einblick in die Arbeit unserer Bibliothek: Sie ist ein Beitrag zur historischen Aufarbeitung und zur aktiven Erinnerungskultur an der mdw. Als Universität tragen wir Verantwortung dafür, die Schicksale der früheren Eigentümer*innen nicht aus dem Blick zu verlieren und dieses Wissen auch für künftige Generationen zugänglich zu machen.“ 

Erich Fischhof und Helene Herschel 

Zu den präsentierten Fällen gehören Musiknoten­drucke von Erich Fischhof und Helene Herschel geb. Steiner. Der 1913 in Wien geborene jüdische Tenor Erich Fischhof flüchtete 1938 aus Österreich und musste seine Musiknotendrucke in Wien bei seinen Eltern zurücklassen. Sein Vater Berthold starb 1942 und seine Mutter Julie wurde nach ihrer Deportierung in das Ghetto Izbica ermordet. Über eine Schenkung kamen Erich Fischhofs Mu­siknotendrucke an die Bibliothek. Die am 22. April 1875 in Tarnów geborene Helene Herschel geb. Steiner wurde vom NS-Regime ab März 1938 als Jüdin verfolgt. Als Pianistin und Klavierpädagogin besaß sie Musiknotendrucke, vermutlich vor allem Klavierstücke. Helene und ihr Ehemann Viktor Herschel wurden am 22. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Beide wurden im Holocaust ermordet. 2004 kamen die Notendrucke als Spende in den Bestand der ub.mdw. 

Provenienzforschung an der mdw 

Provenienzforschung widmet sich der Herkunft – also der Provenienz – von Kunstwerken, Kultur­gütern, Musikinstrumenten, Musiknotendrucken, Noten, Büchern und Alltagsgegenständen. Seit der Jahrtausendwende betreiben österreichische Uni­versitätsbibliotheken innerhalb von Arbeitsgruppen oder Projekten Provenienzforschung. Die Recherche von Provenienzhinweisen beinhaltet einerseits die Befassung mit der Biografie der ehemaligen Besitzer*innen und andererseits die Rekonstruktion des Erwerbungsweges, die sogenannte Provenienz­kette. Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österrei­chs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 wurde der jüdischen Bevölkerung sukzessive die Existenz­grundlage entzogen, ihr Eigentum enteignet. Über verschiedene Wege gelangten Musiknotendrucke, Musiknotenblätter und Musikinstrumente wieder in den Musikalienhandel sowie in Betriebe zur Erzeugung von Musikinstrumenten und wurden weiterverkauft. So gelangten diese unter anderem auch in den heutigen Bestand der ub.mdw. 

Seit 2025 besteht an der mdw ein gemeinsames Provenienzforschungs-Projekt von Archiv, Biblio­thek und IMI (Institut für Musikwissenschaft und In­terpretationsforschung). Es widmet sich derzeit der Überprüfung der Bibliotheksbestände der ub.mdw. 

Die Dauerausstellung „Geraubte Melodien – Pro­venienzforschung an der ub.mdw“ ist zu Öffnungs­zeiten der Bibliothek zu besichtigen: 

https://bibliothek.mdw.ac.at 

Provenienzforschung an der mdw: 

https://www.mdw.ac.at/arc/forschung/projekte/provenienzforschung/ 

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