Anna Netrebko: Bin nicht «mit irgendeinem Führer Russlands» verbunden [update,1.4.]


31.03.22 -
Berlin - Nach öffentlicher Kritik und mehreren Auftritts-Absagen hat sich die Star-Sopranistin Anna Netrebko deutlicher als zuvor von Russlands Präsident Wladimir Putin distanziert. «Meine Position ist klar. Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei noch bin ich mit irgendeinem Führer Russlands verbunden», teilte die 50-Jährige über ihren deutschen Anwalt am Mittwoch mit.
31.03.2022 - Von dpa, KIZ

«Ich erkenne und bedauere, dass meine Handlungen oder Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten. Tatsächlich habe ich Präsident Putin in meinem ganzen Leben nur eine Handvoll Mal getroffen, vor allem im Rahmen von Verleihungen von Auszeichnungen für meine Kunst oder bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.» Sie habe ansonsten nie finanzielle Unterstützung von der russischen Regierung erhalten.

Mehrere Opernhäuser hatten zuletzt Auftritte von Netrebko abgesagt. Sie hatte sich öffentlich gegen den Krieg ausgesprochen - allerdings nicht gegen Putin. Sie hatte im vergangenen Jahr mit einer großen Gala im Kreml in Moskau ihren 50. Geburtstag gefeiert.

Nun ließ sie mitteilen: «Ich verurteile den Krieg gegen die Ukraine ausdrücklich und meine Gedanken sind bei den Opfern dieses Krieges und ihren Familien.» Sie liebe ihr Heimatland Russland und strebe durch ihre Kunst «ausschließlich Frieden und Einigkeit an». Nach einer Auftrittspause werde sie ihre Opern- und Konzertauftritte Ende Mai, zunächst in Europa, wieder aufnehmen.

 

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Die Reaktion ihres Heimatlandes folge auf dem Fuß: Ihr für 2. Juni geplantes Konzert im sibirischen Nowosibirsk wurde abgesagt. In der Mitteilung der Oper wurde Anna Netrebko Verrat vorgeworfen:  "In Europa zu leben und die Gelegenheit zu haben, in europäischen Konzertsälen aufzutreten hat sich als wichtiger erwiesen als das Schicksal des Vaterlandes". Das Opernhaus zeigt sich ganz auf Linie von Präsident Putin: "Unser Land ist reich an Talenten und die Idole von gestern werden durch andere ersetzt, die eine klare staatsbürgerliche Haltung haben", heißt es in dem Statement.

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