Insolvenz des Theaters Altenburg-Gera nur mit Landeshilfe abzuwenden


25.10.10 -
Altenburg - Das Theater Altenburg-Gera kann nur mit finanzieller Unterstützung des Freistaats gerettet werden. "Ohne Hilfe von außen ist das Theater Mitte Dezember zahlungsunfähig", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater und Philharmonie Thüringen GmbH, Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), am Montag. In den nächsten drei bis vier Wochen müsse eine Lösung zur Rettung des Fünf-Sparten-Hauses gefunden werden. Um die Pleite abzuwenden, stehe alles auf dem Prüfstand.
25.10.2010 - Von Grit König - dapd, KIZ

"Es gibt keine Tabus", sagte Wolf. Gleichzeitig kündigte er Untersuchungen an, inwieweit die Theaterleitung verantwortlich für die Krise ist. Nach Angaben von Wolf soll dem Kulturministerium bis Ende dieser Woche ein Konzept zur Konsolidierung ab 2013 vorgelegt werden. Auf Grundlage des Papiers werde Kultusminister Christoph Matschie (SPD) in der nächsten Woche entscheiden, ob das Land zur Rettung des Hauses in die Bresche springt. Das könnten weitere Zuschüsse oder die Absicherung eines Kredites sein.

Defizit von 1,8 Millionen Euro
Um den Fortbestand des Theaters zu sichern, fehlen den Angaben zufolge bis zum Ende der Spielzeit 2011/2012 mindestens 1,8 Millionen Euro. "Es könnte aber noch weitaus mehr sein", sagte Wolf. Am meisten belaste das Theater die nicht eingeplante Steigerung der Personalkosten. Von 2009 bis 2012 seien in diesem Bereich mindestens 2,4 Millionen Euro ungeplante Ausgaben zu berücksichtigen. Ursache seien tarifvertragliche Vereinbarungen, die den Haustarifvertrag teilweise umgingen und dem Aufsichtsrat verschwiegen worden seien, sagte Wolf. Zudem seien die Kosten für Gasthonorare stark angestiegen.

Der Aufsichtsrat untersucht in diesem Zusammenhang die Verantwortung der kaufmännischen Leiterin und des Verwaltungsdirektors, denen beiden bereits gekündigt wurde. Die Prüfung werde später auch auf den Intendanten und Geschäftsführer Matthias Oldag ausgeweitet. Wolf warf den Verantwortlichen vor, zu spät reagiert zu haben. Der Aufsichtsrat sei erst vor knapp zwei Monaten über das Finanzdefizit informiert worden.

Vorstellungen werden gestrichen
Als Sofortmaßnahmen kündigte Wolf die Streichung von Vorstellungen und Produktionen sowie die Reduzierung des laufenden Budgets an. In der nächsten Spielzeit soll in allen künstlerischen Sparten gespart und die Zahl der Gastsolisten auf ein Minimum reduziert werden. Ziel sei es, kostendeckend zu arbeiten. Künftig soll es mehr Aufführungen mit geringerem finanziellem Aufwand geben, die aber trotzdem viele Zuschauer anziehen, sagte Wolf. Zugleich forderte er eine strengere kaufmännische Kontrolle.

Die Bühnen der Stadt Gera und das Theater Altenburg waren 1995 fusioniert. Das Fünf-Sparten-Haus bringt nach eigenen Angaben jährlich rund 1.000 Aufführungen auf die Bühne. Mit 185.000 Besuchern pro Jahr ist es nach eigenen Angaben das Theater mit den meisten Gästen in Thüringen.
  

Themen:

Da fragt sich der Außenstehende vor allem bei dem Begriff “ungeplante Tarifsteigerungen”, was damit gemeint sein soll? Es gibt nämlich keine ungeplanten Tarifsteigerungen. Diese werden schließlich nicht heimlich von den Gewerkschaften herbeigezaubert, sondern in langwierigen Verhandlungen von den Arbeitgebern erstritten. Diese Tarifsteigerungen sind keine ungeplante Naturkatastrophe gewesen, sondern eine allseits bekannte, einzuplanende Tatsache.


Tarifsteigerung vergessen?

Also, den Begriff “ungeplante Tarifsteigerung” kann ich im Text nicht finden. Ich lese nur “die nicht eingeplante Steigerung der Personalkosten”. Und hier ist doch wohl das Versäumnis der Theaterleitung gemeint, die es offenbar nicht für nötig hielt, voraussehbare Tarifsteigerungen in ihren Haushaltplan einzubeziehen. Mich würde vielmehr interssieren, wie man mit tarifvertraglichen Vereinbarungen einen bestehenden Haustarifvertrag umgehen kann! Kann die GDBA bitte eine Antwort geben?


Ratlosigkeit

Ob “ungeplante Tarifsteigerung” (wird so in den meisten Presseberichten und der Pressekonferenz selbst genutzt) oder “die nicht eingeplante Steigerung der Personalkosten”: Ihre Schlussfolgerung ist ganz richtig.

Was nun “Ursache seien tarifvertragliche Vereinbarungen, die den Haustarifvertrag teilweise umgingen und dem Aufsichtsrat verschwiegen worden seien” bedeuten soll, darüber rätseln wir auch noch und haben keine Erklärung.


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