Orchestervereinigung: Konflikte im Vorstand lösen


22.02.19 -
Berlin - Nach Vorwürfen gegen den künstlerischen Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Daniel Barenboim, hat die Deutsche Orchestervereinigung auf Konfliktlösungen durch Orchestervorstände verwiesen. «Wenn es zu solchen Problemen kommt, ist eigentlich der gewählte Orchestervorstand das Organ, was hier versuchen sollte, zwischen einem Chefdirigenten und den betroffenen Musikern zu vermitteln und zu einer vernünftigen Regelung zu kommen», sagte Geschäftsführer Gerald Mertens der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Berlin.
22.02.2019 - Von dpa, KIZ

Barenboim hatte die Vorwürfe von Musikern zu seinem persönlichen Verhalten als Generalmusikdirektor der Staatsoper am Donnerstag im Gespräch mit der dpa zurückgewiesen.

Es gebe immer Einzelfälle, bei denen Chefdirigenten mit einzelnen Musikern nicht könnten, sagte Gerald Mertens. «Dann gibt es offenbar künstlerisch begründete Probleme, aber das ist dann gelegentlich nicht vom Zwischenmenschlichen zu trennen.» Ob das jeweils angemessen und sachgerecht sei, sei immer schwierig zu beurteilen. «Ein Chefdirigent ist nun mal derjenige, der künstlerisch bestimmen muss, wie so ein Konzert klingen soll», sagte Mertens. Die Frage sei, «wie geht man damit sachgerecht um».

Das funktioniere in der Regel über den von Musikern gewählten Orchestervorstand, den es als Schnittstelle zwischen Chefdirigent und Musikern bei fast allen Orchestern in Deutschland gebe. «Ein Orchestervorstand hat die Aufgabe, für die Aufrechterhaltung in den Aufführungen und Proben zu sorgen», sagte Mertens. «Letztlich ist er eine Art Bindeglied für den künstlerischen Produktionsprozess und hat deswegen auch eine andere Funktion als ein Personal- oder Betriebsrat.»

Die Frage sei, wie kompromisslos ein Dirigent sei und wo eine Grenze liege für diese Kompromisslosigkeit gegenüber einem Musiker. «Diesen Umstand zu bewerten, ist so wahnsinnig schwierig.» Musiker auf diesem Niveau stünden ihr ganzes Leben unter einer extremen Belastung. «Dann Druck von seinem Chefdirigenten zu bekommen, erhöht das Ganze noch.» Zudem spiele die persönliche Situation eine Rolle oder auch Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, wenn man mal einen Fehler spiele. Denn: «Die Fehlertoleranz liegt ja quasi bei Null.» Musiker, Orchesterchef und Publikum seien verwöhnt durch die generelle Verfügbarkeit von Top-Aufnahmen und Produktionen. «Da wird der kleinste Fehler sofort bemerkt, das war früher anders.» Insofern sei der Leistungsdruck enorm groß.

Inzwischen hat sich der Orchestervorstand der Staatskapelle Berlin hinter den Chefdirigenten gestellt. «Die Staatskapelle Berlin hat Daniel Barenboim vor 28 Jahren zum Generalmusikdirektor gewählt und im Jahr 2000 zum Chefdirigent auf Lebenszeit ernannt», hieß es in einer am Freitag von der Staatsoper verbreiteten Stellungnahme.

Der derzeit in München spielende Musiker Willi Hilgers hatte im Bayerischen Rundfunk (BR) Vorwürfe gegen Barenboim erhoben und unter anderem von häufigen Schikanen gesprochen. Er habe Bluthochdruck bekommen und am Ende unter einer schweren Depression gelitten. Barenboim hatte die Vorwürfe zu seinem persönlichen Verhalten als Generalmusikdirektor am Donnerstag im Gespräch mit der dpa zurückgewiesen.

Mit ihrem Generalmusikdirektor feiere die Staatskapelle durch gegenseitiges Vertrauen und in enger Zusammenarbeit regelmäßig große künstlerische Erfolge, hieß es vom Orchestervorstand. «Dieses Vertrauen bleibt gerade auch jetzt, im Februar 2019, unangetastet. Die Staatskapelle freut sich deswegen auf weitere Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit.»

Intendant Matthias Schulz sagte, er stehe dafür, «dass Konflikte, die es selbstverständlich auch an einem Opernhaus gibt, bewusst und konstruktiv angegangen werden». Ein Grundpfeiler der Arbeit in der Staatsoper sei ein offener, wertschätzender und angstfreier Umgang miteinander. «Dies umfasst alle Mitarbeiter des Hauses und somit selbstverständlich auch den von uns sehr geschätzten Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm.» Daran werde weiterhin gemeinsam gearbeitet.

 

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