Reaktion auf die Berichterstattung zur Schließung der Jazzausbildung an der HfMDK Frankfurt


03.02.11 -
Die Proteste um die Schließung des Weiterbildungsstudienganges Jazz Popularmusik an der HfMDK Frankfurt am Main haben der Hochschule bereits erste Zugeständnisse abgerungen. So dürfen angefangene Studiengänge noch bis zum Sommersemester 2012 weitergeführt werden. Proteste gibt es aber auch gegen die Berichterstattung in den Medien. Gestern äußerte sich die Frankfurter Musikwerkstatt zum Thema.
03.02.2011 - Von PM - kiz-lieberwirth, KIZ

Die Frankfurter Musikwerkstatt (FMW) ist eine staatlich anerkannte berufsbildende Privatinstitution, die zur Zeit ca. 120 Studierende in Jazz- und Popularmusik ausbildet. Durch die Berichterstattung (auch in nmz online) fühlt sich die FMW benachteiligt, wurde doch in den Medien und von der Initiative jazz or no behauptet, dass es in Frankfurt mit der Schließung des Weiterbildungsstudienganges an der HfMDK keine Jazz-Ausbildung mehr in der Stadt gibt. Gemeint haben die Medien aber offenbar, dass es künftig keine staatliche und somit bezahlbare Ausbildung in Frankfurt gibt. Die vier Semester dauernde Weiterbildung an der staatlichen Musikhochschule kostet die Studierenden 750 Euro pro Semester, an der FMW hingegen werden Studiengebühren zwischen 380 und 410 Euro pro Monat erhoben. Mit den Gebühren für das ZusatzNebenfach, für Einschreibung, für Aufnahme- und Abschlussprüfung hat ein Studierender nach den obligatorischen acht Semestern etwa 18.000 Euro für sein Studium bezahlt. Die Forderung der Studierenden und der "Initiative jazz or no" nach der Wiedererrichtung des 2004 geschlossenen  Aufbaustudiengangs Jazz Popularmusik an der HfMDK ist unter diesem Gesichtspunkt nachvollziehbar und nicht von der Hand zu weisen.

Wir veröffentlichen hier die Pressemitteilung der Frankfurter Musikwerkstatt im Wortlaut:

 

PRESSEMITTEILUNG DER FMW FRANKFURTER MUSIKWERKSTATT ZUM THEMA JAZZAUSBILDUNG IN FRANKFURT AM MAIN
Die Medien bis hin zum Deutschlandradio berichten über die Streichung des Jazzstudienganges an der Musikhochschule Frankfurt am Main. Mit Empörung wird das damit verbundene Ausbildungsvakuum in Frankfurt beklagt. Im Zusammenhang mit dieser Thematik werden falsche Behauptungen aufgestellt, Fakten verdreht oder verschwiegen. Insgesamt wird ein Bild über die Jazzausbildung in Frankfurt vermittelt, das in keinster Weise der tatsächlichen Ausbildungssituation entspricht.

Bemerkenswerten Aktivismus legt dabei eine von Dozenten und Studenten der Musikhochschule Frankfurt aufgestelle Initiative „jazz-or-no“ an den Tag, die die Abschaffung des „Weiterbildungsstudienganges“ beklagt und die Wiedereinrichtung des „Aufbaustudienganges“ einfordert. Dabei unterstützt wird sie von Wolfgang Sandner, FAZ-Autor, der am 29.01.2011 unter „Armselig - Frankfurt streicht seinen Jazz-Studiengang“ die kühne Behauptung aufstellt: „In Frankfurt … wird es künftig keine qualifizierte Ausbildung zum Jazzmusiker mehr geben“. Ignoranz oder Inkompetenz? Auf jeden Fall unredlich - da die interessierte Öffentlichkeit mit Informationen zu einem Jazzstudium an der Hochschule, das es so nie gegeben hat, bewusst und anhaltend getäuscht wird – und in der Tat armselig, da vehement die Existenz der FMW Frankfurter Musikwerkstatt verleugnet wird, die seit 26 Jahren in der berufsqualifizierenden Jazzausbildung in Frankfurt erfolgreich tätig und in der Szene fest etabliert ist.

Der Versuch, die Institution totzuschweigen, die seit Jahrzehnten das schafft, was die Hochschule nicht kann oder will, beinhaltet gleichzeitig die eklatante Missachtung der FMW Dozenten und aller FMW Studenten und Absolventen und ihrer Leistung. Als Schulleiter der FMW sehe mich daher veranlasst, die irreführende Darstellung zu korrigieren :

 

  • Die FMW Frankfurter Musikwerkstatt vermittelt seit 1993 im Rahmen eines 8-semestrigen Studiums den Doppelabschluss ‚Staatlich anerkannter Berufsmusiker und Instrumentalpädagoge für Jazz und Polularmusik‘. Grundlage der Ausbildung sind Lehrplan und Prüfungsordnung der Hochschulen des Landes Hessen. Das Studium beinhaltet eine musikalische und pädagogische Ausbildung, die sich eng an den späteren dualen Anforderungen im Berufsleben orientiert. Seither haben 208 Studierende das Studium an der FMW abgeschlossen (Absolventenliste unter www.fmw.de) und sind in beiden Berufen erfolgreich tätig. Viele Ehemalige sind Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe, einige haben inzwischen eigene Musikschulen gegründet. Aktuell sind 120 Studierende aus 15 Nationen eingeschrieben. Die FMW, 1984 gegründet, ist das erste, älteste und größte private Ausbildungsinstitut dieser Art in der Bundesrepublik. Als Musikakademie in freier Trägerschaft arbeitet sie ohne Subventionen.

  • Die Musikhochschule Frankfurt hat zu keiner Zeit eine qualifizierte Ausbildung zum Jazzmusiker angeboten. Von 1994 bis 2004 bestand ein 4-semestriger Aufbaustudiengang Jazz und Popularmusik, der jedoch eine rein pädagogische Zusatzausbildung mit dem Abschluss „Diplommusiklehrer/in“ beinhaltete (s. Diplomprüfungsordnung vom 04. Mai 94). Die pädagogische Ausbildung wurde im Übrigen in der Zeit von 1997 bis Ende 2003 komplett von der FMW Frankfurter Musikwerkstatt durchgeführt! Der ab 2005 eingerichtete gebührenpflichtige „Weiterbildungsstudiengang Jazz und Popularmusik“, der nun eingestellt wird, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als ein staatlich bezuschusster Musikkurs mit Teilnahmezertifikat, wie ihn auch allgemeine Musikschulen anbieten. Es gibt weder eine Studienordnung noch einen berufsqualifizerenden Abschluss. Eine Mogelpackung also, woraus sich wohl auch die geringe Anzahl der Kursteilnehmer erklärt.

Im Sinne einer fairen und objektiven Berichterstattung ersuche ich Sie um öffentliche Richtigstellung bzw. um korrekte Wiedergabe der Sachverhalte bei der künftigen Darstellung der Ausbildungsverhältnisse im Jazz- und Popularbereich in Frankfurt am Main.

Frankfurt/Main, den 01. Februar 2011
Michael Demmerle
Leiter der FMW Frankfurter Musikwerkstatt

FMW FRANKFURTER MUSIKWERKSTATT
  

 

Werbung!

Naja, es ist wirklich lächerlich, wie durchsichtig die Werbung der FMW ist. Empörung wird vorgegaukelt, stattdessen reibt man sch die Hände, angesichts des wegfallenden Studienganges mehr Bewerber für die unglaublich teure FMW zu bekommen.


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