Ein „Vokabular der Stärke“ hatte die Präsidentin des Deutschen Musikrats Lydia Grün zum Abschluss der Berliner Tagung zur musikalischen Bildung im März angekündigt. Dem sind erfreulicherweise Taten gefolgt: Der Musikrat, der Verband deutscher Musikschulen (VdM) und die Rektor:innenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) haben sich als Reaktion auf die alarmierende MiKADO-Studie zur „Allianz für außerschulische musikalische Bildung“ zusammengeschlossen und offenbar schon einiges in Bewegung gesetzt (siehe das Interview auf Seite 19).
Erste Seite der nmz: Ausgabe 10/26
Agile Allianz
Was nach einem schwerfälligen Gremium mit komplizierten Entscheidungsfindungen klingt, scheint in Wirklichkeit eine relativ schnelle Eingreiftruppe zu sein, denn die Allianz ist Chef:innensache: Lydia Grün, Andrea Tober (RKM) und Friedrich-Koh Dolge (VdM) sind höchstselbst aktiv, die Kommunikationswege sind direkt, die Arbeitsweise wirkt effizient. Um eine musikalische Analogie zu bemühen: Hier muss kein schwerfälliger symphonischer Apparat bewegt werden, es bleibt kammermusikalisch agil.
Das muss kein Widerspruch zum Vorsatz sein, „lauter werden“ zu wollen, den Lydia Grün formuliert. Nicht selten geht von kleineren Besetzungen ja die größere Überzeugungskraft aus. Und so ist von dieser konkreten Lobbyarbeit im Hintergrund hoffentlich mehr zu erwarten als von gut gemeinten, aber wahrscheinlich doch eher wirkungslosen Aktionen wie jener von Anfang des Jahres. Da warf sich der Musikrat ausgerechnet dem fragwürdigen „Opus Klassik“ an die Brust, um den/die „Musiklehrer:in des Jahres“ zu küren.
Auch die Schlagkraft der Kampagne „Demokratie sowieso!“ scheint sich in Grenzen zu halten und erinnert damit ein wenig an die „Initiative musikalische Bildung“, die Ende 2009 von den Musikhochschulen gestartet wurde. Mit recht unterschiedlichem Engagement seitens der einzelnen Standorte versuchte man damals, neben der künstlerischen auch einmal die musikpädagogische Exzellenz in den Fokus zu rücken. Dass an Hochschulen gut 15 Jahre später – mittlerweile vielleicht hinter vorgehaltener Hand – immer noch auf den Musikschulberuf als gescheiterte Karriere herabgeblickt wird, zeigt die Hartnäckigkeit bestimmter Sichtweisen in unserer nach wie vor vom Geniekult geprägten Klassik-Blase. Es wird in der Tat Zeit, mit starkem Vokabular dagegen zu halten.
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