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Moritz Eggert © Juan Martin Koch

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Kunst muss sein

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Absolute Beginners 11/26
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Während in der nmz diskutiert wird, ob Kunst wieder „müssen“ muss (d.h. zu einem reinen Gesinnungs- oder Protestmedium verkommt), stellt sich mir die Thematik als Hochschullehrer ganz anders da.

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Als Kompositionslehrer fühle ich mich für die Zukunft meiner Studierenden verantwortlich. Ganz einfach gesagt: ich will, dass sie überhaupt eine Zukunft haben! Und diese ist aus vielerlei Gründen gefährdet im Moment. Denn rein wirtschaftlich sieht es nicht rosig aus für Komponierende klassischer zeitgenössischer Musik. In der GEMA sollen sie durch eine konzerngierige Reform zu einer Randnotiz werden. Sinkende Kulturhaushalte in einer zunehmend von Krieg und Katastrophen dominierten Welt machen es für Orches­ter, Opernhäuser und Festivals zunehmend schwieriger, Aufträge zu finanzieren. Auch Konzertgelegenheiten sind seltener geworden, was die einst blühende Ensembleszene empfindlich trifft, die gerade für den Nachwuchs besonders wichtig ist.

Aber es droht auch akut Gefahr von populistischer Politik mit Nähe zum Rechtsextremismus. Diese will – und daraus wird nicht der geringste Hehl gemacht – Bildung und Kultur massiv einschränken, was sich darin äußert, dass dem öffentlichen Rundfunk und etablierten kulturellen Einrichtungen mit kompletter Abschaffung gedroht wird. Eine „national ausgerichtete Kulturpolitik“, wie sie die AfD zum Beispiel in Sachsen-Anhalt fordert, geht direkt ans Eingemachte, auch was unsere Musikhochschulen angeht. Denn das Musikstudium ist in Deutschland international und weltoffen geprägt, mit zahlreichen Studierenden aus europäischen und nichteuropäischen Ländern, die allein damit weit mehr für die Verbreitung unserer Kultur beitragen, als jedes ausgrenzende „#deutschdenken“. Gerade diese Internationalität ist der Grund dafür, warum das Niveau unserer Orchester und Opernhäuser weltweit einzigartig ist. Vielen aktuell Studierenden und in Deutschland tätigen Musikerinnen und Musikern drohte aber im schlimmsten Falle die „Remigration“, und das wäre eine Katastrophe.

Meine Studierenden profitieren von internationalem Austausch, aber nicht nur das: als Hochschulen reagieren wir auf weltweite Krisen und versuchen in unserem Rahmen einen kleinen Beitrag zu leisten. So studieren bei uns aktuell ukrainische Studierende, die in ihrem Heimatland im Moment keine Entfaltungsmöglichkeiten haben. Ebenso beschäftigen wir Lehrkräfte, die politische Flüchtlinge sind. Die Musikszene ist mittendrin in der Politik, was etwa der Fall Kalesnikava zeigt.

Wie soll man also in so einer Situation „apolitisch“ sein, und sich nur dem Wahren, Schönen und Guten widmen? Das wäre ein Verrat an genau den Werten, auf denen unsere Kultur beruht und die wir politisch wesentlich wichtiger nehmen sollten, weil sie ein Bollwerk gegen Manipulation, Verdummung und Propaganda darstellen. Ich sage meinen Studierenden immer: „ob ihr wollt oder nicht: allein der Akt des Komponierens ist heutzutage politisch, denn es gibt Kräfte, die euch zum Schweigen bringen wollen. Schweigt ihr nicht, so ist das ein politischer Akt.“

Dies zu erkennen – ohne falsche Romantisierung oder Gesinnungszwänge – ist zwangsläufig Teil einer heutigen Musikerlaufbahn. Wir müssen darum kämpfen, weiter gehört zu werden. Weil das, was wir tun, Demokratie und Freiheit verteidigt. Und daher finde ich es erbärmlich, wenn Kultur sich selbst einen Maulkorb aufsetzt. Über Mittel kann man streiten, nie aber über die Mission.

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