Die Regionalwettbewerbe Jugend musiziert finden in 135 Regionen in Deutschland und an 36 Deutschen Schulen im Ausland statt. Im Ausland sind die Regionalwettbewerbe in drei Verbünden zusammengeschlossen – Nördliches Europa, Spanien/Portugal und Östlicher Mittelmeerraum. Diese drei Regionen richten jeweils einen Landeswettbewerb aus.

Teilnehmende beim Landeswettbewerb in Istanbul im Publikum. Foto: Renata Duda-Merle
Oase für harmonischen Austausch
Felicitas Sommer ist im Projektbüro Jugend musiziert die Ansprechpartnerin für die Deutschen Schulen im Ausland. Sie blickt auf den Landeswettbewerb im Östlichen Mittelmeerraum zurück: Vom 20. bis 26. März 2025 verwandelte sich die Deutsche Schule Istanbul in einen lebendigen Ort des musikalischen Austauschs, als dort der diesjährige Landeswettbewerb des Östlichen Mittelmeerraumes stattfand. Rund 160 Teilnehmende von 13 Deutschen Schulen aus Italien, Griechenland, Ägypten, Israel, Palästina, der Türkei sowie Gäste aus Moskau kamen zusammen, um ihr musikalisches Können zu präsentieren und ein Fest der gemeinsamen musikalischen Begegnung zu feiern. Inmitten einer politisch angespannten Atmosphäre in der Stadt bot die Deutsche Schule Istanbul eine geschützte Oase für einen harmonischen Austausch, in der die Jugendlichen über jegliche Ländergrenzen hinweg miteinander musizierten, sich gegenseitig unterstützten, einander zuhörten und sich mit- und füreinander freuten.
Unter dem Vorsitz von Prof. Ulrich Rademacher bewerteten zwei Jurys mit insgesamt 22 Mitgliedern über 100 Wertungsspiele von Perkussion, über Violine und Kammermusik bis hin zu Ensembles besonderer Instrumente wie Ney, Kanun oder Tabla. Besonders stark vertreten war im Landesverbund Östlicher Mittelmeerraum traditionsgemäß Gesang (Pop), denn fast 50 Prozent der Wertungsspiele auf Landesebene fanden dieses Jahr in dieser Kategorie statt. Insgesamt wurden 41 Erste Preise, 45 Zweite Preise und 13 Dritte Preise vergeben, 19 Wertungen wurden für das Finale von Jugend musiziert, den Bundeswettbewerb über Pfingsten in Wuppertal, nominiert. Zudem vergab die Jury einen Sonderpreis für ein Ensemble der regional begrenzten Kategorie „Ensemble besonderer Instrumente“. Das ausgezeichnete Ensemble mit Nai Ghoul (Ney), Sara Ghoul (Kanun) und Amer Khalil (Tabla) aus Ost-Jerusalem ist nun eingeladen, beim Bundeswettbewerb in Wuppertal in dem Konzert „Jumu Beyond Borders“ am 8.6.2025 aufzutreten, in dem verschiedene Landespreisträger:innen Jugend musiziert die Vielfalt der regional begrenzten Kategorien präsentieren.

Alma Sweilam aus Talitha Kumi (Palästina) in der Kategorie Gesang (Pop), AG III aus dem Regionalwettbewerb Israel/Palästina. Foto: Renata Duda-Merle
Die Rohrflöte Ney gehört zu den ältesten heute noch gespielten Flöten und ist im musikalischen Kulturraum Persiens, Arabiens, der Türkei und Zentralasiens beheimatet. Das Kanun ist eine Form der Zither, die im Orient beheimatet ist und deshalb auch als orientalische Zither bezeichnet wird. Die Tabla gilt als die Königin der Trommeln und Percussioninstrumente und ist das populärste indische Rhythmusinstrument.
Ein besonderes Highlight sowohl unter den Jugendlichen als auch für Publikum und Jury, stellte auch in diesem Jahr die Kategorie Jumu open dar. Die Beiträge waren geprägt von landestypischen Instrumenten, Rhythmen und Geschichten; manche Jugendliche aus Krisenregionen verarbeiteten politisch einschneidende Erlebnisse ihrer Heimatländer und verwandelten diese in musikalische Beiträge, die alle Zuhörenden tief berührten.
Zwei Jumu open Beiträge überzeugten die Jury sowohl konzeptionell als auch musikalisch in besonderem Maße, so dass diese zum Wochenende der Sonderpreise (WESPE) im Oktober 2025 nach Schwerin eingeladen sind.
Zum Gelingen dieses Wettbewerbs trugen auch maßgeblich die knapp 80 türkischen und deutschen Familien bei, die ihr Zuhause öffneten und die Kinder und Jugendlichen aus aller Welt bei sich für eine knappe Woche aufnahmen, sie zu Proben fuhren, bei Wertungsspielen mitfieberten, sie beim Abschlusskonzert bejubelten und ihnen die faszinierende Stadt Istanbul zeigten.
Unermüdlicher Motor dieses bunten Wettbewerbs waren die mitreisenden Lehrkräfte, die vor Ort nicht nur als Reiseleitung und Aufsichtsperson für die Kinder der eigenen Schule fungierten, sondern gleichzeitig als musikalische Coaches die Proben und Soundchecks unterstützten, Klavierbegleitung und Ersatzeltern in einem waren, die Tränen bei Enttäuschung über die eigene Leistung trockneten, bei Panikattacken vor dem Wertungsspiel zur Seite standen und die Bezugsperson waren, der die Kinder bei Jubel über das Ergebnis in die Arme flogen. Nebenbei saßen sie als Teil der 22-köpfigen Jury den Tag über in den Wertungsspielen und gaben den Kindern anschließend konstruktives Feedback für deren weiteren musikalischen Werdegang. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass dieser Wettbewerb in so einer familiären und wertschätzenden Atmosphäre stattfinden konnte, in der gemeinsame musikalische Erlebnisse mindestens so wertvoll sind wie die erreichte Punktzahl.
Abgerundet wurde dieser lebendige Wettbewerb von einem bunten Rahmenprogramm, bestehend aus gemeinsamen Stadtführungen, Workshops und einer großen gemeinsamen Bootstour über den Bosporus im Anschluss an die Ergebnisbekanntgabe, bei der die ein oder andere Enttäuschung über das eigene Ergebnis schnell in den Hintergrund trat. Krönender Abschluss war das Abschlusskonzert im SES-Theater in der Istanbuler Innenstadt, bei der Preisträger:innen und Vertreter:innen aller beteiligten Deutschen Schulen auftraten und so zu einem bejubelten Finale dieses Landeswettbewerbs beitrugen.
Die Jugendlichen und Lehrkräfte aus zum Teil krisengebeutelten Gegenden, bewiesen, dass es auch in einer Welt der politischen Auseinandersetzungen und Konflikte ein Miteinander über Ländergrenzen hinweg geben kann und muss und dass die Freude an kultureller Vielfalt für alle bereichernd ist.
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